Veronika Sandbichler, langjährige Direktorin von Schloss Ambras in Innsbruck, wurde laut übereinstimmenden Berichten von ORF, „Kurier“ und „Der Standard“ sowie einer eigenen Stellungnahme des KHM-Museumsverbands per Jahresende 2026 gekündigt. Sandbichler ist seit Ende März 2026 vom Dienst freigestellt, nachdem sie der Museumsführung öffentlich eine „toxische Führungskultur“ vorgeworfen hatte; KHM-Generaldirektor Jonathan Fine übernahm seither die Leitung von Schloss Ambras interimistisch.
Ein von der Rechtsanwältin Sieglinde Gahleitner erstelltes externes Gutachten kam laut KHM-Angaben zum Schluss, es gebe keine Anhaltspunkte für Mobbing oder Bossing durch die Geschäftsführung. Sandbichlers Anwalt widerspricht dem und verweist auf übereinstimmende Schilderungen mehrerer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auch zur Vorgeschichte der Kündigung und einer kolportierten Abfindungsforderung – laut KHM 24 Monatsgehälter plus acht Monate unbezahlter Urlaub, in Medienzitaten von Fine als „drei Jahresgehälter“ bezeichnet – widersprechen sich die Seiten.
Sandbichler kündigte über ihren Anwalt an, die Kündigung anzufechten. Das Gutachten selbst ist nicht öffentlich einsehbar, der weitere Verlauf des Rechtsstreits sowie die künftige Leitung von Schloss Ambras bleiben offen.
Was passiert ist
Die Kultur-Causa rund um das Kunsthistorische Museum (KHM) und Schloss Ambras hat laut übereinstimmenden Berichten mehrerer österreichischer Medien einen neuen Höhepunkt erreicht: Veronika Sandbichler, langjährige Direktorin des Innsbrucker Schlosses Ambras, wurde nach Angaben von ORF, „Kurier“ und „Der Standard“ per Jahresende 2026 gekündigt. Der KHM-Museumsverband bestätigte den Schritt in einer eigenen Presseaussendung über die Nachrichtenagentur APA-OTS. Sandbichler ist seit Ende März 2026 vom Dienst freigestellt, nachdem sie der Museumsführung öffentlich eine „toxische Führungskultur“ vorgeworfen hatte. Ihr Anwalt kündigte an, gegen die Kündigung rechtlich vorzugehen.
Der Hintergrund des Konflikts
Der Streit reicht laut vorliegenden Quellen bis in den März 2026 zurück, als Sandbichler die Vorwürfe gegen die Geschäftsführung des KHM-Museumsverbands öffentlich machte. Kurz darauf wurde sie dienstfrei gestellt, KHM-Generaldirektor Jonathan Fine übernahm die Leitung von Schloss Ambras interimistisch. Der Kuratoriumsvorsitz beauftragte in der Folge die Wiener Rechtsanwältin Sieglinde Gahleitner mit einer externen Untersuchung der Vorwürfe. Laut Berichten befragte Gahleitner mehr als 30 Personen, darunter Sandbichler selbst, beide Geschäftsführer, den Betriebsrat sowie aktuelle und frühere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, und wertete zudem Dokumente und E-Mail-Korrespondenz aus.
Zwei widersprüchliche Darstellungen
Nach Angaben des KHM kam das Gutachten zum Ergebnis, dass sich die Vorwürfe Sandbichlers nicht als Mobbing oder Bossing durch die Geschäftsführung werten ließen. Das Kuratorium sprach der Geschäftsführung daraufhin laut Medienberichten das Vertrauen aus. Sandbichlers Anwalt widerspricht dieser Lesart: Mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten das von ihm geschilderte toxische Führungsverhalten über einen längeren Zeitraum übereinstimmend bestätigt. Das Gutachten selbst ist laut Berichterstattung nicht öffentlich einsehbar, auch nicht in anonymisierter Form – seine Inhalte sind damit nur über die Zusammenfassungen der beteiligten Parteien bekannt. Auch bei der Frage, wie es zur nun ausgesprochenen Kündigung kam, widersprechen sich die Seiten: Der KHM-Museumsverband erklärte laut Stellungnahme, Sandbichler habe selbst im Jänner 2026 eine einvernehmliche Auflösung ihres Dienstverhältnisses angeregt und dabei eine Abfindung im Umfang von 24 Monatsgehältern sowie einen achtmonatigen unbezahlten Urlaub verlangt; dies sei aus Sicht des KHM rechtlich nicht vertretbar gewesen. In Medienzitaten sprach Fine zudem davon, Sandbichler habe „drei Jahresgehälter“ gefordert und nach der Ablehnung die Angelegenheit öffentlich gemacht. Sandbichlers Anwalt wiederum zeigte sich überrascht von der Kündigung, da diese noch vor den vom KHM selbst angekündigten Gesprächen über eine einvernehmliche Auflösung ausgesprochen worden sei.
Reaktionen und weiteres Vorgehen
Sandbichler werde die Kündigung anfechten, teilte ihr Anwalt Martin Maxl mit. Der KHM-Museumsverband ließ offen, wie es zu einer einvernehmlichen Lösung noch kommen könnte, und wollte sich laut Fine zu Details der laufenden arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung nicht näher äußern. Laut Berichten plant Fine, eine Neuausschreibung der Leitung von Schloss Ambras erst nach Klärung des Falls mit Sandbichler vorzunehmen; die interimistische Leitung durch Fine selbst soll nach vorliegenden Informationen nicht über das Jahr 2027 hinaus andauern.
Was unklar bleibt
Offen bleibt, wie der Rechtsstreit ausgeht und ob es zu einem Gerichtsverfahren kommt. Auch der genaue Inhalt des Gahleitner-Gutachtens ist mangels Veröffentlichung nicht unabhängig nachprüfbar, ebenso wenig die exakte Höhe und der Ursprung der kolportierten Abfindungsforderung, zu der KHM-Seite und Medienzitate unterschiedliche Zahlen nennen. Unklar ist zudem, ob die Dienstfreistellung rückwirkend mit Ende März 2026 oder zu einem späteren Zeitpunkt wirksam wurde, sowie der genaue Zeitplan für eine Neubesetzung der Ambras-Leitung.
Einordnung
Es handelt sich um einen laufenden arbeitsrechtlichen und personellen Konflikt zwischen zwei Parteien, deren Darstellungen einander in zentralen Punkten widersprechen. Die vorliegenden Quellen – mehrere österreichische Medien sowie eine Stellungnahme des KHM-Museumsverbands – lassen die Kündigung selbst als gesichertes Ereignis gelten, während Vorwürfe rund um Führungskultur, Gutachteninhalt und Abfindungsforderung nicht abschließend verifizierbar sind. „Neue Nachrichten“ verzichtet bewusst auf eine Bewertung, wer in der Sache Recht hat, und gibt ausschließlich wieder, was die vorliegenden Quellen jeweils behaupten.