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Apple ändert ab 1. Oktober 2026 die Bedingungen für seinen App Store in der Europäischen Union. Nutzerinnen und Nutzer sollen künftig mehr Wahlfreiheit beim Herunterladen und Bezahlen von Apps erhalten, Entwickler mehr Freiheit beim Vertrieb über eigene Webseiten oder Drittanbieter-Marktplätze. Die Maßnahme soll den Streit mit der EU-Kommission um die im April 2025 verhängte 500-Millionen-Euro-Strafe wegen Verstößen gegen den Digital Markets Act beilegen; laut Heise hatte die Kommission bereits im Juni 2024 einen entsprechenden Verstoß festgestellt. Kernstück ist eine neue, einheitliche Vertragsstruktur mit einer 5-Prozent-‘Core Technology Commission’ auf Zahlungen außerhalb des App Store. Innerhalb des App Store selbst bestätigen zwei unabhängige Quellen – The Verge und Die Presse – übereinstimmend gestaffelte Provisionssätze: 26 Prozent bei Apples eigenem Zahlungssystem, 20 Prozent bei alternativen Zahlungsabwicklern in der App, 15 Prozent bei Verweisen auf externe Bezahlseiten und 10 Prozent bei darüber abgeschlossenen Abos, mit reduzierten Sätzen für bestimmte Förderprogramme und automatisch verlängernde Abos.

Erstmals liegt nun auch eine offizielle Reaktion der EU-Kommission vor: Laut zwei unabhängigen Quellen (Heise und Courthouse News Service) begrüßt Brüssel die Änderungen als Ergebnis eines ‘engen Dialogs’ und lobt die Vereinfachung auf ein einziges ‘Business Terms’-Regime. Zugleich kündigte die Kommission an, die tatsächliche Umsetzung ab 1. Oktober genau zu überwachen – eine förmliche Einstellung des Verfahrens gegen Apple ist damit noch nicht ausgesprochen. Epic Games, das mit Apple in einem eigenen Rechtsstreit liegt, kritisierte die Gebühren dagegen öffentlich als ‘Müllgebühren’ und erklärte, sie verstießen weiterhin gegen den Digital Markets Act; sollte die EU sie akzeptieren, werde der DMA ‘bedeutungslos’. Laut Heise gingen den Änderungen zudem über ein Jahr dauernde, nahezu wöchentliche Verhandlungen voraus, an denen sich auch der inzwischen als Apple-Chef zurückgetretene Tim Cook persönlich beteiligt haben soll – bislang nur von dieser einen Quelle berichtet.

Offen bleibt, ob die EU-Kommission das Verfahren angesichts von Epics Kritik bald förmlich einstellt oder weitere Nachbesserungen verlangt, wie Apple auf die Vorwürfe reagiert und wie andere Entwicklerverbände oder Anbieter wie Spotify die nun konkretisierte Gebührenstruktur bewerten. Der Schritt folgt auf eine ähnliche DMA-Strafe gegen Google im Juli und zeigt die verstärkte Durchsetzung der EU-Digitalmarktregeln gegenüber großen Plattformbetreibern.

Was passiert ist

Apple nimmt ab 1. Oktober 2026 weitreichende Änderungen an den Bedingungen für seinen App Store in der Europäischen Union vor. Das geht aus einer eigenen Mitteilung des Konzerns sowie aus Angaben der EU-Kommission hervor, wie ORF.at berichtet. Nutzerinnen und Nutzer in der EU sollen künftig mehr Wahlfreiheit beim Herunterladen und Bezahlen von Apps erhalten. Entwicklerinnen und Entwickler dürfen demnach freier entscheiden, wie sie ihre Software vertreiben und wie Kundinnen und Kunden dafür bezahlen – neben dem App Store also auch über eigene Webseiten oder Marktplätze von Drittanbietern.

Die Brüsseler Wettbewerbshüter hatten Apple zuvor vorgeworfen, Entwickler mit Gebühren von solchen alternativen Vertriebswegen abzuhalten. Inzwischen liegt dazu auch eine erste eigene Reaktion der EU-Kommission vor (siehe unten): Sie begrüßt die Änderungen, will deren Umsetzung aber genau beobachten.

Die neue Gebühren- und Vertriebsstruktur

Nach Angaben von The Verge, das sich auf Apples neue Geschäftsbedingungen bezieht, werden künftig alle Entwickler, die Apps in der EU vertreiben, auf ein einheitliches Vertragswerk umgestellt. Für digitale Transaktionen in Apps, die außerhalb des App Store – etwa über die eigene Webseite oder einen Drittanbieter-Marktplatz – vertrieben werden, soll eine sogenannte Core Technology Commission von 5 Prozent anfallen. Sie ersetzt die bisherige Core Technology Fee, eine Pauschale von 0,50 Euro pro Installation ab der millionsten jährlichen Installation. Auch Heise bestätigt diese neue, pauschale 5-Prozent-Kommission auf Zahlungen außerhalb des App Store.

Innerhalb des App Store selbst liegt eine zweite, unabhängige Bestätigung der Gebührenstaffelung vor: Sowohl The Verge als auch Die Presse berichten übereinstimmend von 26 Prozent Provision bei Nutzung von Apples eigenem Zahlungssystem und 20 Prozent bei alternativen Zahlungsabwicklern innerhalb der App. Die Presse ergänzt, dass beim Verweis aus der App auf eine externe Bezahlseite 15 Prozent fällig werden, bei darüber abgeschlossenen Abos reduziert sich der Satz auf 10 Prozent. Für bestimmte Apple-Förderprogramme sowie für Abos, die sich nach einem Jahr automatisch verlängern, gilt laut Die Presse ein ebenfalls reduzierter Satz von 15 Prozent. Entwickler müssen ein einmal gewähltes Zahlungsmodell laut Apple zwölf Monate beibehalten. Für Betreiber alternativer App-Marktplätze über das Web gelten zudem Zulassungskriterien, etwa der Status als börsennotiertes Unternehmen oder ein abgeschlossenes Finanz-Audit.

Erste Reaktion der EU-Kommission: Lob mit Überwachungsvorbehalt

Nachdem Apple am 18. August 2026 die neuen Vorschläge vorgelegt hatte, äußerte sich die EU-Kommission erstmals dazu. Laut Heise, das sich auf eine unter anderem dem Irish Independent vorliegende Stellungnahme beruft, begrüßt Brüssel die Änderungen der Bedingungen. Diese seien auf einen ‘engen Dialog’ zwischen Kommission und Apple zurückzuführen und eine direkte Folge des Non-compliance-Beschlusses vom April 2025. Ein Kommissionssprecher lobte insbesondere, dass künftig nur noch ein einziges, einheitliches ‘Business Terms’-Regime gilt, unabhängig davon, ob eine App über Apples eigenen Store, alternative Marktplätze oder das Web vertrieben wird – damit habe es eine ‘signifikante Reduktion und Vereinfachung’ der App-Store-Gebühren gegeben. Diese Darstellung wird durch eine zweite, unabhängige Quelle, den Courthouse News Service, bestätigt.

Zugleich kündigte die Kommission an, die ‘effektive Umsetzung’ der neuen Bedingungen ab 1. Oktober genau zu überwachen. Eine förmliche Einstellung des laufenden Verfahrens gegen Apple hat sie damit nach den vorliegenden Quellen nicht ausgesprochen – die Prüfung bleibt also vorerst offen.

Kritik von Epic Games

Nicht zufrieden mit der Einigung zeigt sich Epic Games, das mit Apple seit Jahren in einem eigenen, separaten Rechtsstreit um App-Store-Provisionen liegt. Über den eigenen Unternehmenskanal erklärte Epic, es handle sich bei den neuen Gebühren weiterhin um ‘Müllgebühren’, die nichts zur geforderten Öffnung des mobilen App-Ökosystems beitrügen. Apple verlange laut Epic weiterhin Gebühren auf Verweise zu externen Bezahlseiten – aus Epics Sicht ein Verstoß gegen den Digital Markets Act. Sollte die EU-Kommission die neuen Bedingungen akzeptieren, würde der DMA nach Ansicht des Softwarekonzerns ‘bedeutungslos’. Heise gibt diese Kritik ebenfalls wieder.

Epics Einschätzung ist als Stellungnahme einer Partei mit eigenem, unmittelbarem wirtschaftlichem und rechtlichem Interesse gegen Apple einzuordnen und keine unabhängig geprüfte rechtliche Bewertung. Eine Reaktion Apples auf diese konkrete Kritik liegt in den vorliegenden Quellen nicht vor.

Verhandlungsverlauf: über ein Jahr, Tim Cook persönlich beteiligt

Was die Einigung konkret ausgelöst hat, verrät Apple laut Heise nicht. Laut dem Bericht gingen der Ankündigung jedoch mehr als einjährige, nahezu wöchentliche Verhandlungen zwischen Apple und der EU-Kommission voraus – ein deutlicher Kontrast zu früheren Klagen des Konzerns, in Brüssel keine verlässlichen Ansprechpartner zu haben. Heise berichtet zudem, dass sich der inzwischen als Apple-Chef zurückgetretene Tim Cook persönlich in die Gespräche mit der EU-Kommission eingeschaltet haben soll. Diese Angaben stammen bislang ausschließlich aus einer Quelle und sind nicht durch einen zweiten unabhängigen Bericht bestätigt.

Hintergrund: DMA-Strafe und Gatekeeper-Pflichten

Die EU-Kommission hatte im April 2025 wegen Verstößen gegen das Gesetz über digitale Märkte (Digital Markets Act, DMA) eine Strafe von 500 Millionen Euro gegen Apple verhängt. Grundlage war laut ORF die Einstufung Apples als sogenannter Torwächter (Gatekeeper) – ein Unternehmen, dessen Angebote ein zentrales Zugangstor zu Verbraucherinnen und Verbrauchern darstellen. Laut Heise hatte die Kommission bereits im Juni 2024 einen entsprechenden Verstoß festgestellt, bevor die Geldstrafe folgte. Torwächter wie Apple, Alphabet und Amazon müssen sich nach dem DMA an besondere Pflichten halten, um fairen Wettbewerb auf digitalen Märkten sicherzustellen.

Wettbewerber wie der Streaming-Anbieter Spotify hatten laut Die Presse kritisiert, dass Apples bisherige Regeln und Gebühren Entwickler gezielt von der Nutzung alternativer Vertriebswege und Zahlungsabwickler abhalten und dadurch letztlich die Kosten für Nutzerinnen und Nutzer erhöhen sollten. Wie berichtet, hatte die EU-Kommission erst im Juli 2026 auch gegen Google wegen ähnlicher DMA-Verstöße eine Strafe von 890 Millionen Euro verhängt – ein Hinweis darauf, dass die Kommission die Durchsetzung des Digital Markets Act gegenüber mehreren großen Plattformbetreibern gleichzeitig vorantreibt. Laut The Verge war Apple zuletzt zudem mit dem Versuch gescheitert, App Store und iOS ganz aus dem Anwendungsbereich des DMA herauszuhalten.

Was unklar bleibt

Aus den vorliegenden Quellen geht nicht hervor, ob die EU-Kommission das laufende Verfahren gegen Apple angesichts von Epics Kritik in absehbarer Zeit förmlich einstellen oder weitere Nachbesserungen verlangen wird. Ebenso wenig liegt eine Reaktion Apples auf Epics konkrete Vorwürfe vor. Wie andere Entwicklerverbände, kleinere App-Anbieter oder Wettbewerber wie Spotify auf die nun detaillierter bekannte Gebührenstruktur reagieren, ist weiterhin unbekannt. Auch die von Heise berichtete Verhandlungsdauer von über einem Jahr sowie die persönliche Rolle Tim Cooks in den Gesprächen sind bislang nur einfach belegt. Eine abschließende, primärquellenbasierte Prüfung der vollständigen neuen Geschäftsbedingungen sowie einer offiziellen, vollständigen EU-Stellungnahme liegt weiterhin nicht vor.

Einordnung

Die Ankündigung reiht sich in eine Serie von EU-Maßnahmen gegenüber großen US-Technologiekonzernen ein, die als Gatekeeper eingestuft sind. Nach der Google-Strafe im Juli und dem langjährigen Streit um Apples App-Store-Praktiken zeigt der aktuelle Schritt, dass Brüssel bei der Durchsetzung des Digital Markets Act auf konkrete Verhaltensänderungen der Konzerne drängt. Dass die Kommission die Änderungen zwar lobt, ihre ‘effektive Umsetzung’ aber ausdrücklich weiter überwachen will, deutet darauf hin, dass das Verfahren gegen Apple noch nicht abgeschlossen ist. Epic Games’ scharfe Kritik zeigt zudem, dass die Einigung zwischen Apple und der EU-Kommission unter Entwicklern und Wettbewerbern keineswegs unumstritten ist – ein Interessenkonflikt, der bei der Einordnung von Epics Aussagen mitgedacht werden sollte, da das Unternehmen selbst in einem eigenen Rechtsstreit mit Apple steht. Für Nutzerinnen und Nutzer in Österreich und der übrigen EU dürften die Änderungen ab Oktober vor allem beim Download und bei der Bezahlung von Apps spürbar werden.