Austrian Airlines hat im ersten Halbjahr 2026 einen EBIT-Verlust von 94 Millionen Euro verzeichnet – mehr als doppelt so viel wie der Fehlbetrag von 44 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Als Hauptgrund nennt das Unternehmen die durch den Irankrieg stark gestiegenen Kerosinkosten sowie notwendig gewordene Streckenstreichungen. Höhere Ticketpreise hätten die Auswirkungen bis Juni nur teilweise ausgleichen können.
Als Konsequenz streicht die AUA ab dem Winterflugplan die seit Jahren defizitäre Verbindung Wien-Graz und pausiert weitere Strecken, etwa nach Tiflis, Keflavik, Porto sowie einzelne Spätverbindungen nach Klagenfurt und Warschau. Auf der Einnahmenseite zeigte sich ein positiveres Bild: Der Umsatz stieg um vier Prozent auf über 1,2 Milliarden Euro, die Fluggastzahl um sechs Prozent auf fast sieben Millionen. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet das Management weiterhin schwarze Zahlen, die Flottenerneuerung mit neuen Boeing 787-9 und einem Airbus A320neo soll fortgesetzt werden.
Offen bleiben unter anderem die konkreten Folgen für Arbeitsplätze und den Wirtschaftsstandort Graz sowie Reaktionen von Politik, Gewerkschaft und Wirtschaftsvertretern, die in den bisherigen Berichten fehlen.
Was passiert ist
Austrian Airlines (AUA) ist im ersten Halbjahr 2026 tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Der Verlust vor Zinsen und Steuern (EBIT) belief sich in den ersten sechs Monaten auf 94 Millionen Euro und hat sich damit gegenüber dem Fehlbetrag von 44 Millionen Euro im Vergleichszeitraum 2025 mehr als verdoppelt. Als wesentlichen Grund nennt das Unternehmen die im Zuge des Irankrieges stark gestiegenen Kerosinpreise sowie Streckenstreichungen, die dadurch notwendig geworden seien. AUA-Chefin Annette Mann wird laut einer Unternehmensaussendung mit den Worten zitiert, höhere Ticketpreise hätten die finanziellen Auswirkungen bis Juni nur teilweise kompensieren können.
Als Konsequenz kündigte die Fluggesellschaft an, die seit Jahren defizitäre Verbindung zwischen Wien und Graz ab dem Winterflugplan zu streichen. Die Lufthansa-Tochter verweist dabei auf weiterhin bestehende Verbindungen von Graz nach München, Frankfurt und Zürich, teils mit größeren Fluggeräten beziehungsweise zusätzlichen wöchentlichen Verbindungen nach Zürich. Vorerst pausiert werden zudem die Flüge von Wien nach Tiflis, Keflavik und Porto sowie einzelne Spätverbindungen etwa nach Klagenfurt, Kopenhagen, Warschau und Krakau.
Was die Quellen zeigen
Die Zahlen und Zitate zu Halbjahresergebnis und Streckenplan finden sich übereinstimmend bei ORF, Die Presse und Kleine Zeitung, die dabei erkennbar auf dieselbe Unternehmensaussendung sowie eine Agenturmeldung zurückgreifen – Die Presse kennzeichnet ihren Bericht ausdrücklich als APA-Meldung. Neben dem Verlust auf der Kostenseite zeigt sich auf der Einnahmenseite ein positiveres Bild: Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um vier Prozent auf über 1,2 Milliarden Euro, die Zahl der Fluggäste um sechs Prozent auf fast sieben Millionen. Das zweite Quartal (April bis Juni) verlief für das Unternehmen zudem deutlich besser als das erste Jahresviertel: Das EBIT brach zwar auch hier um 74 Prozent ein, blieb mit 18 Millionen Euro aber positiv.
Für das Gesamtjahr 2026 rechnet das AUA-Management laut den Berichten weiterhin mit schwarzen Zahlen – gestützt auf die teilweise Weitergabe der höheren Kosten an Kundinnen und Kunden sowie interne Sparmaßnahmen, etwa Effizienzsteigerungen im administrativen Bereich. Trotz des Sparkurses soll die Flottenerneuerung weitergehen: Noch heuer sollen zwei weitere Langstreckenflugzeuge vom Typ Boeing 787-9 „Dreamliner“ geliefert werden, womit insgesamt fünf dieser Maschinen im Einsatz stünden. Im Herbst soll zudem ein zusätzlicher Airbus A320neo die Kurz- und Mittelstreckenflotte ergänzen, während Embraer-Maschinen laufend aus der Flotte genommen werden sollen.
Was unklar bleibt
Offen ist bislang, wie viele Arbeitsplätze durch die Streichung der Verbindung Wien-Graz und die weiteren pausierten Strecken konkret betroffen sind, und wie Betriebsrat oder Gewerkschaft dazu Stellung nehmen. Auch Reaktionen aus der Grazer beziehungsweise steirischen Politik und von regionalen Wirtschaftsvertretern zu den Folgen für den Wirtschaftsstandort Graz liegen den vorliegenden Quellen zufolge bislang nicht vor. Ebenso lässt sich derzeit nicht unabhängig einschätzen, ob die von der AUA in Aussicht gestellte Rückkehr in die schwarzen Zahlen für das Gesamtjahr 2026 tatsächlich eintritt – es handelt sich dabei um eine Einschätzung des Unternehmens selbst.
Einordnung
Die AUA ist eine Tochtergesellschaft des Lufthansa-Konzerns und reiht sich mit ihren Verlusten in eine Reihe europäischer Airlines ein, die von den durch den Iran-Konflikt beeinflussten Treibstoffkosten betroffen sind. Wie „Neue Nachrichten“ zuvor berichtet hat, hat sich dieser Konflikt seit Juni 2026 mit mehreren Angriffswellen und weitreichenden Folgen für die Region deutlich verschärft, was unter anderem die Kerosinpreise unter Druck gesetzt hat. Die geplante Streichung der Strecke Wien-Graz beendet eine der letzten verbliebenen inländischen Flugverbindungen Österreichs und war laut den vorliegenden Berichten bereits vor der jetzigen Bekanntgabe der Halbjahreszahlen im Gespräch.
