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Austrian Airlines (AUA) streicht ab dem Winterflugplan 2026/27 die Flugverbindung zwischen Wien und Graz. Als letzter Flugtag werden je nach Quelle der 23. oder der 24. Oktober 2026 genannt. Die Lufthansa-Tochter begründet den Schritt mit anhaltenden Verlusten auf der Strecke – allein die Inlandsflüge sollen zuletzt rund zwölf Millionen Euro Minus binnen zwölf Monaten verursacht haben – sowie mit einem Konzern-Halbjahres-EBIT von rund 93 bis 94 Millionen Euro, belastet durch stark gestiegene Kerosinpreise infolge des Irankriegs. Ursprünglich sollte die Verbindung bis zur Inbetriebnahme des Semmering-Basistunnels 2030 bestehen bleiben. Als Ausgleich will AUA größere Flugzeuge nach München und Frankfurt einsetzen, zusätzliche Verbindungen nach Zürich anbieten, und Eurowings soll weitere Frequenzen nach Hamburg, Berlin und Düsseldorf einrichten; der Flughafen Graz rechnet 2026 mit rund 60.000 Fluggästen auf der bisherigen Strecke.

Neben Wien-Graz pausiert die AUA auch die Strecken Wien-Tiflis, Wien-Keflavik und Wien-Porto sowie einzelne Spätverbindungen. Konzernweit stieg der Umsatz im ersten Halbjahr 2026 um vier Prozent auf über 1,2 Milliarden Euro, die Passagierzahl um sechs Prozent auf fast sieben Millionen; für das Gesamtjahr rechnet das Management weiter mit schwarzen Zahlen.

Auf die Streichung reagierten mehrere regionale Akteure: Das Land Steiermark bedauerte den Schritt, Landeshauptmann Mario Kunasek verwies laut einer Landes-Aussendung auch auf die Flugticketabgabe als mitverantwortlichen Faktor und kündigte Gespräche mit dem Flughafen Graz an. Die Wirtschaftskammer Steiermark erwartet negative Folgen für die Region und forderte ein Umdenken der AUA. Der Obmann des Vereins „Neue Radkersburger Bahn“ geht davon aus, dass Menschen aus der Oststeiermark künftig vermehrt die Thermenbahn nutzen, um den Flughafen Wien-Schwechat zu erreichen – eine bislang unbelegte Erwartung eines Interessenvertreters. Offen bleiben die personellen Folgen der Streichung, der exakte letzte Flugtag sowie der Ausgang der angekündigten Gespräche zwischen Land und Flughafen Graz.

Was passiert ist

Austrian Airlines (AUA) streicht die Flugverbindung zwischen Wien und Graz. Wie die Lufthansa-Tochter Anfang August mitteilte, entfällt die laut eigenen Angaben seit Jahren hoch defizitäre Strecke ab dem Winterflugplan 2026/27. Zum genauen Enddatum gibt es leicht abweichende Angaben: Der ORF nennt den 23. Oktober 2026 als letzten Flugtag, andere Berichte – darunter die Reaktion des Landes Steiermark – sprechen vom 24. Oktober 2026. Damit endet eine der letzten innerösterreichischen Flugverbindungen der AUA, rund sechs Jahrzehnte nach ihrer Einführung. Ursprünglich sollte die Verbindung laut Unternehmen bis zur geplanten Inbetriebnahme des Semmering-Basistunnels 2030 bestehen bleiben.

Die Zahlen dahinter

Die Streichung fällt zeitlich mit der Vorlage der Halbjahresbilanz zusammen. AUA verzeichnete in den ersten sechs Monaten 2026 einen Verlust vor Zinsen und Steuern (EBIT) von rund 93 bis 94 Millionen Euro – nach einem Fehlbetrag von 44 Millionen Euro im Vergleichszeitraum 2025. Als Hauptgrund für diesen Konzernverlust nennt das Unternehmen die im Zuge des Irankriegs stark gestiegenen Kerosinpreise. Unabhängig davon habe die Strecke Wien-Graz laut AUA für sich genommen schon länger Verluste eingefahren: Allein die Inlandsflüge sollen in den vergangenen zwölf Monaten rund zwölf Millionen Euro Minus verursacht haben. Auf der Einnahmenseite entwickelte sich das Konzerngeschäft dagegen positiver: Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um vier Prozent auf über 1,2 Milliarden Euro, die Zahl der Fluggäste um sechs Prozent auf fast sieben Millionen.

Ausgleichsmaßnahmen und weitere Streckenkürzungen

Neben Wien-Graz pausiert die AUA vorerst auch die Verbindungen von Wien nach Tiflis, Keflavik und Porto sowie einzelne Spätverbindungen etwa nach Klagenfurt, Kopenhagen, Warschau und Krakau. Um den Wegfall der Grazer Strecke abzufedern, will die AUA im Winter größere Flugzeuge nach München und Frankfurt einsetzen und Richtung Zürich zwei zusätzliche wöchentliche Verbindungen anbieten. Ergänzend sollen laut Flughafen Graz zehn weitere wöchentliche Eurowings-Verbindungen nach Hamburg, Berlin und Düsseldorf hinzukommen. Flughafen-Graz-Geschäftsführer Wolfgang Grimus rechnet für das laufende Jahr mit rund 60.000 Fluggästen auf der bisherigen Strecke Wien-Graz und hofft, einen Großteil davon über die alternativen Verbindungen im System halten zu können – eine Erwartung, die sich erst in der Praxis zeigen muss. Trotz der Einschnitte rechnet das AUA-Management laut eigener Aussendung für das Gesamtjahr 2026 weiterhin mit schwarzen Zahlen.

Reaktionen aus der Steiermark

Das Land Steiermark reagierte mit Bedauern auf die vorzeitige Einstellung. Landeshauptmann Mario Kunasek verwies laut einer Presseaussendung des Landes neben den wirtschaftlichen Gründen der AUA auch auf die Flugticketabgabe von 30 Euro auf Kurzstreckenflüge, die einen erheblichen Teil des durchschnittlichen Ticketpreises ausmache und die Auslastung mitbelastet habe; er kündigte weitere Gespräche mit dem Flughafen Graz zur künftigen Ausrichtung an. Auch die Wirtschaftskammer Steiermark meldete sich zu Wort: Ihr Präsident Josef Herk erwartet laut einem ORF-Bericht negative Folgen für die regionale Wirtschaft und forderte die AUA auf, die Entscheidung zu überdenken. Eine dritte Stimme kommt aus der Verkehrspolitik der Region: Der Obmann des Vereins „Neue Radkersburger Bahn“ geht davon aus, dass Menschen aus der Oststeiermark künftig verstärkt die sogenannte Thermenbahn nutzen werden, um den Flughafen Wien-Schwechat zu erreichen. Diese Einschätzung ist bislang nicht mit Zahlen unterlegt und stammt von einer Interessenvertretung, die naturgemäß für den Ausbau der Bahnverbindung eintritt.

Was unklar bleibt

Aus den vorliegenden Quellen geht weiterhin nicht hervor, welche personellen Konsequenzen die Streichung für Besatzung und Bodenpersonal in Graz und Wien hat. Auch der genaue Termin des letzten Flugs ist zwischen den Quellen nicht einheitlich (23. versus 24. Oktober 2026). Offen ist außerdem, ob die von Landeshauptmann Kunasek angekündigten Gespräche mit dem Flughafen Graz zu konkreten Maßnahmen führen, ob die Thermenbahn tatsächlich stärker als Zubringer zum Flughafen Wien genutzt wird und ob sich dafür deren Angebot verbessert, sowie ob AUA die für 2026 in Aussicht gestellte Rückkehr in die schwarzen Zahlen tatsächlich erreicht.

Einordnung

Die Berichterstattung stützte sich anfangs stark auf die Darstellung des Unternehmens selbst. Mittlerweile liegen mit der Reaktion des Landes Steiermark und der Wirtschaftskammer Steiermark auch kritischere Einschätzungen vor, die auf mögliche negative Folgen für die Region hinweisen und mit der Flugticketabgabe einen zusätzlichen erklärenden Faktor jenseits der reinen Unternehmenswirtschaftlichkeit nennen. Die Einschätzung des Bahn-Interessenvertreters zur Thermenbahn zeigt zudem, dass regionale Akteure die Streichung bereits als Anlass nutzen, um für alternative Verkehrsangebote zu werben – auch das bleibt vorerst eine unbelegte Erwartung und keine bestätigte Verkehrsverlagerung.