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Das Land Burgenland plant weiterhin, mit 1. Jänner 2027 eine Benützungsgebühr für den Schwerverkehr auf drei Landesstraßen einzuführen – der B16, der B61a sowie der B63 und einem Teil der B50, insgesamt 144 Fahrstreifenkilometer, für Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen. Die Jahresvignette sollte ursprünglich zwischen 650 und 1.000 Euro kosten, die Tagesvignette 14 bis 17 Euro. Nach tagelanger Kritik aus Wirtschaft und Industrie kündigte Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) am 19. August 2026 gemeinsam mit Verkehrslandesrat Heinrich Dorner jedoch an, den Gesetzesentwurf in intensiven Gesprächen mit der Branche zu überarbeiten. Ziel bleibe, gezielt Transit- und Ausweichverkehr zu erfassen, ohne heimische Betriebe zusätzlich zu belasten – „niemals die Intention“ sei gewesen, die heimische Wirtschaft zu schwächen, so Doskozil.

Die Kritik hatte sich zuletzt verbreitert: Die Wirtschaftskammer Burgenland bemängelte, dass die Maut auch Busse betreffe und damit öffentlichen Verkehr sowie Freizeitverkehr verteuere, und warnte vor einer Weitergabe der Kosten an Konsumentinnen und Konsumenten. Die ÖVP rechnete beispielhaft vor, ein Getränkebetrieb mit sechs Fahrzeugen müsse rund 4.500 Euro pro Jahr zahlen, ein Bauunternehmen mit 15 Lkw über 11.000 Euro – eine Rechnung der Partei selbst. Die Kastner-Gruppe warnte in einem offenen Brief an Doskozil vor einer Gefährdung der Nahversorgung. Außerhalb des Burgenlands lehnt die steirische FPÖ-ÖVP-Landesregierung ein vergleichbares Modell ab, während die steirischen Grünen selbst eine Lkw-Maut fordern und der SPÖ-Politiker Moitzi das burgenländische Modell auf Bundesebene weiterhin als Vorbild begrüßt.

Auf die Ankündigung, nachzuschärfen, reagierte die Wirtschaftskammer Burgenland positiv, während die FPÖ „konkrete Garantien statt Ankündigungen“ forderte. Offen bleibt, wie der überarbeitete Gesetzesentwurf aussehen wird, ob der Landtag im Oktober 2026 wie ursprünglich geplant entscheidet und ob weitere Bundesländer folgen; erste Hinweise deuten darauf hin, dass Vorarlberg und Niederösterreich derzeit keine vergleichbaren Pläne verfolgen. Auch die technische Umsetzung der Kamerakontrolle ist weiterhin nicht im Detail bekannt.

Was passiert ist

Das Land Burgenland plant weiterhin, mit 1. Jänner 2027 eine Benützungsgebühr für den Schwerverkehr auf drei Landesstraßen einzuführen. Landesrat Heinrich Dorner (SPÖ) hatte den Plan Mitte August bei einer Pressekonferenz präsentiert, das Land hatte die Eckpunkte zusätzlich in einer eigenen Presseaussendung bestätigt. Der Gesetzesentwurf zur Novelle des Burgenländischen Straßengesetzes ging am 14. August 2026 in eine vierwöchige Begutachtung, ursprünglich sollte der Landtag im Oktober entscheiden. Nach tagelanger Kritik aus Wirtschaft und Industrie kündigte Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) jedoch am 19. August 2026 gemeinsam mit Dorner an, den Entwurf in Gesprächen mit der Branche zu überarbeiten. Ob der ursprüngliche Zeitplan damit noch hält, ist offen.

Details der ursprünglich geplanten Maut

Zum Start sollte die Maut die B16 im Bezirk Eisenstadt-Umgebung, die B61a im Bezirk Oberpullendorf sowie die B63 und einen Teil der B50 im Bezirk Oberwart betreffen – in Summe 144 Fahrstreifenkilometer, auf denen der Schwerverkehr laut den vorliegenden Angaben jährlich rund zwölf Millionen Kilometer zurücklegt. Betroffen wären Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen, also auch Paketdienste und Busse. Die Jahresvignette sollte je nach Schadstoffklasse und Achsenzahl zwischen 650 und 1.000 Euro kosten – für einen typischen dreiachsigen Sattelzug der Abgasklasse Euro VI etwa 1.000 Euro pro Jahr –, die Tagesvignette 14 bis 17 Euro; daneben waren Wochen- und Monatsvignetten geplant. Die Vignetten sollten ausschließlich digital über einen Webshop oder Automaten an acht Standorten erhältlich sein, kontrolliert über Landesaufsicht und ein Kamerasystem. Da der Entwurf nun überarbeitet wird, ist unklar, ob diese Details unverändert bleiben.

Zweck und Hintergrund laut Land Burgenland

Das Land Burgenland begründete die Gebühr in seiner Presseaussendung damit, dass die betroffenen Landesstraßen verstärkt als Ausweichrouten zum höherrangigen, bereits bemauteten Straßennetz genutzt worden seien. Es handle sich, so das Land, nicht um eine flächendeckende Maut, sondern um eine gezielte Gebühr auf wenigen so belasteten Strecken. Die Einnahmen sollten zweckgebunden in die Erhaltung genau jener Infrastruktur fließen, die durch den Schwerverkehr beansprucht wird, mit einem zusätzlichen Lenkungseffekt hin zum höherrangigen Straßennetz. Dorner rechnete mit einer Erstinvestition von rund 1,4 Millionen Euro, Folgekosten von jährlich 150.000 Euro und laufenden Einnahmen im mittleren einstelligen Millionenbereich. Genau dieses Ziel – Transit- und Ausweichverkehr zu treffen, ohne die heimische Wirtschaft zu belasten – bekräftigten Doskozil und Dorner auch bei der jüngsten Pressekonferenz erneut ausdrücklich.

Kritik der Wirtschaft wächst

Die Kritik an der geplanten Maut hat sich in den vergangenen Tagen verbreitert und konkretisiert. Die Wirtschaftskammer Burgenland hatte bereits in ihrer ersten Aussendung vor einer Weitergabe der Zusatzkosten über die Wertschöpfungskette bis zu höheren Verbraucherpreisen gewarnt; inzwischen führte sie zusätzlich ins Treffen, dass die Maut auch Busse betreffe und damit öffentlichen Verkehr und Freizeitverkehr im Burgenland verteuere. Die ÖVP rechnete anhand von Beispielen konkrete Mehrkosten vor: Ein Getränkebetrieb mit sechs Fahrzeugen müsste demnach rund 4.500 Euro pro Jahr zahlen, ein Bauunternehmen mit 15 Lkw über 11.000 Euro – Zahlen, die von der Partei selbst stammen und nicht unabhängig nachgerechnet wurden. ÖVP-Bezirksparteiobmann Nikolaus Berlakovich warnte zudem davor, dass sich das Transitproblem durch Ausweichrouten in die Ortschaften verlagern könnte. Die Kastner-Gruppe wandte sich mit einem offenen Brief an Doskozil und sah durch die Maut die Nahversorgung gefährdet.

Reaktionen aus anderen Bundesländern und von der SPÖ

Der burgenländische Vorstoß löste auch außerhalb des Landes Reaktionen aus. Die steirische Landesregierung aus FPÖ und ÖVP lehnt ein vergleichbares Modell für die Steiermark ab: Verkehrslandesrätin Claudia Holzer (FPÖ) nannte den burgenländischen Plan „kein Vorbild, sondern ein Alarmsignal“, Finanz- und Wirtschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer (ÖVP) argumentierte, eine Maut würde Unternehmen zusätzlich unter Druck bringen und Arbeitsplätze gefährden. Die steirischen Grünen um Landtagsabgeordneten Lambert Schönleitner fordern dagegen eine Lkw-Maut auch für die Steiermark und schätzen mögliche Jahreseinnahmen auf mindestens 100 Millionen Euro. Berichten der ORF-Landesstudios zufolge ist derzeit weder in Vorarlberg noch in Niederösterreich eine vergleichbare Maut auf Landesstraßen geplant, Details dazu liegen aber nicht vor. Auf Bundesebene begrüßt der SPÖ-Politiker Moitzi das burgenländische Modell weiterhin als Vorbild für andere Bundesländer.

Doskozil kündigt Überarbeitung an

Nach tagelanger Kritik kündigte Doskozil am 19. August 2026 gemeinsam mit Dorner an, in intensive Gespräche mit der Wirtschaft zu treten und im Zuge dessen einen neuen Gesetzesvorschlag zu erarbeiten. Es sei „niemals die Intention“ gewesen, die heimische Wirtschaft zu schwächen oder burgenländische Unternehmen zusätzlich zu belasten, hielt Doskozil fest. Im Begutachtungsverfahren solle die geplante Benutzungsgebühr so präzisiert werden, dass sie Transit- und Ausweichverkehr erfasst, aber Belastungen für heimische Betriebe vermeidet. Dorner betonte, es könne nicht sein, dass schwerer Transit-Lkw-Verkehr die Landesstraßen abnutze, während die Erhaltungskosten bei Land und Steuerzahlern hängen blieben. Die Wirtschaftskammer Burgenland reagierte auf die Ankündigung positiv: Entscheidend sei laut WK-Präsident Andreas Wirth, dass die Kosten nicht bei burgenländischen Betrieben und Konsumenten hängen blieben und keine Arbeitsplätze gefährdet würden. Die FPÖ zeigte sich dagegen skeptisch und forderte in einer eigenen Aussendung „konkrete Garantien statt Ankündigungen“, damit heimische Betriebe, regionale Lieferverkehre und die Nahversorgung tatsächlich verschont blieben.

Was unklar bleibt

Offen ist, wie der überarbeitete Gesetzesentwurf konkret aussehen wird und welche Zugeständnisse die angekündigten Gespräche mit der Wirtschaft bringen. Unklar ist auch, ob der burgenländische Landtag angesichts der Überarbeitung noch im Oktober 2026 wie ursprünglich geplant entscheidet oder ob sich der Zeitplan verschiebt. Eine eigenständige Presseaussendung des Landes Burgenland zur jetzigen Kehrtwende liegt bislang nicht vor, sodass die genauen nächsten Schritte nur aus Medienberichten über die Pressekonferenz bekannt sind. Weiterhin offen ist, ob weitere Bundesländer dem burgenländischen Beispiel folgen werden; erste Hinweise deuten darauf hin, dass Vorarlberg und Niederösterreich derzeit keine vergleichbaren Pläne verfolgen, ohne dass dazu Details vorliegen. Auch die konkrete technische und datenschutzrechtliche Umsetzung der geplanten Kamerakontrolle ist weiterhin nicht bekannt.