Reform-UK-Chef Nigel Farage hat die Nachwahl in seinem bisherigen Wahlkreis Clacton klar gewonnen und kehrt damit ins britische Unterhaus zurück. Nach übereinstimmenden Berichten entfielen rund 62,8 Prozent der Stimmen (22.239) auf ihn, sein wichtigster Gegenkandidat, der Spaßkandidat „Count Binface“ (laut Der Standard bürgerlich Jonathan David Harvey), kam auf rund 26,7 Prozent (9.455 Stimmen) bei einer Wahlbeteiligung von 44,4 Prozent. Die etablierten Parteien traten bei der Wahl nicht an.
Farage hatte seinen 2024 gewonnenen Sitz Anfang Juli selbst aufgegeben, nachdem eine 2024 erhaltene, nicht deklarierte Zuwendung von rund fünf Millionen Pfund des Krypto-Unternehmers Christopher Harborne ins Visier der Unterhaus-Ethikprüfung geraten war. Die dadurch ausgesetzte Untersuchung wurde Berichten von Channel 4 News zufolge binnen Stunden nach seiner Wiederwahl fortgesetzt, da sie nur gegen amtierende Abgeordnete weiterlaufen kann – im Fall eines festgestellten Verstoßes drohen Farage im äußersten Fall Konsequenzen bis zum Ausschluss aus dem Unterhaus.
Vor der offiziellen Ergebnisverkündung erklärte sich Farage bereits zum Sieger, blieb der Zeremonie selbst aber fern und sagte eine geplante Rede ab. Ein Reform-Sprecher berief sich dabei auf eine von der Polizei mitgeteilte „glaubwürdige Drohung“, Farage selbst sprach von einer „organisierten Kampagne“ gegen ihn – die Polizei von Essex bestreitet laut mehreren britischen Medien, irgendeinem Kandidaten von der Teilnahme an der Auszählung abgeraten zu haben. Der Sieg fällt zudem in eine Phase politischer Umbrüche rund um den neuen Premierminister Andy Burnham, dessen Amtsantritt Farage bereits zuvor mit der Forderung nach Neuwahlen kommentiert hatte. Offen bleiben der Ausgang der Ethik-Untersuchung, die tatsächliche Sicherheitslage und offizielle Reaktionen der übrigen Parteien.
Was passiert ist
Der Chef der Rechtsaußen-Partei Reform UK, Nigel Farage, hat die Nachwahl im englischen Küstenwahlkreis Clacton gewonnen und kehrt damit ins britische Unterhaus zurück. Nach Auszählung der Stimmen entfielen laut übereinstimmenden Berichten rund 62,8 Prozent beziehungsweise 22.239 Stimmen auf Farage. Sein aussichtsreichster Gegenkandidat war „Count Binface“, eine satirische, in Mülltonnenform auftretende Figur eines Komikers – laut Der Standard bürgerlich Jonathan David Harvey –, der auf rund 26,7 Prozent beziehungsweise 9.455 Stimmen kam. Die Wahlbeteiligung lag laut Der Standard bei 44,4 Prozent. Die etablierten britischen Parteien – Labour, Conservatives, Liberal Democrats und Grüne – traten bei dieser Nachwahl nicht an, wodurch die Auswahl für die Wählerschaft de facto auf Farage, den Spaßkandidaten und eine größere Zahl kleinerer Bewerber beschränkt war.
Hintergrund: Warum es zur Nachwahl kam
Farage hatte seinen erst 2024 mit 46,2 Prozent der Stimmen gewonnenen Parlamentssitz Anfang Juli selbst abgegeben. Auslöser war eine Prüfung durch den Beauftragten für parlamentarische Standards des Unterhauses: Farage hatte im April 2024, kurz vor seiner Wahl ins Parlament, eine Zuwendung von rund fünf Millionen Pfund (rund 5,9 Mio. Euro) des in Thailand ansässigen Krypto-Unternehmers Christopher Harborne erhalten, ohne sie im Register der Interessen der Abgeordneten zu deklarieren. Farage argumentiert, er sei dazu nicht verpflichtet gewesen, da das Geld vor seinem Mandatsantritt geflossen sei und es sich um ein persönliches Geschenk ohne Bedingungen gehandelt habe. Kritiker sehen das anders. Der Beauftragte für parlamentarische Standards leitete deswegen eine Untersuchung wegen mutmaßlicher Verletzung von Regel 5 des Verhaltenskodex des Unterhauses („Nichtregistrierung eines Interesses“) ein. Farage stellte seinen Rücktritt und die anschließende Neukandidatur als Möglichkeit dar, die Wählerschaft über sein Verhalten entscheiden zu lassen.
Ethik-Untersuchung wieder aufgenommen
Mit Farages Rücktritt als Abgeordneter war die Standards-Untersuchung automatisch ausgesetzt worden, da sie nur gegen amtierende Mitglieder des Unterhauses weiterlaufen kann. Berichten zufolge, darunter ein Fact-Check-Format von Channel 4 News, wurde die Untersuchung binnen Stunden nach der Bekanntgabe von Farages Wiederwahl fortgesetzt. Damit hat sich eine Erwartung bestätigt, die schon vor der Nachwahl kursierte: Farage konnte das Verfahren durch seinen Rückzug nur zeitweise zum Stillstand bringen, nicht abwenden. Sollte am Ende ein Verstoß gegen den Verhaltenskodex festgestellt werden, könnte Farage im äußersten Fall der Ausschluss aus dem Unterhaus drohen – und damit erneut eine Nachwahl mit ungewissem Ausgang. Ein Abschlussbericht des Ethikausschusses liegt bislang nicht vor.
Streit um Sicherheitswarnung bei der Ergebnisverkündung
Farage erklärte sich bereits vor der offiziellen Ergebnisverkündung bei einem Parteievent in Clacton vor seinen Anhängern zum Sieger und sprach von einem „überzeugenden, überwältigenden Sieg“ – mehr Stimmen als bei seiner Wahl 2024, wie er betonte, damals allerdings noch gegen ernstzunehmende Konkurrenz der großen Parteien. Der offiziellen Zeremonie zur Ergebnisverkündung sowie einer für den Vormittag geplanten Rede blieb er dagegen fern beziehungsweise sagte diese ab. Ein Sprecher von Reform UK erklärte gegenüber der BBC, die Polizei von Essex habe Farage wegen einer „glaubwürdigen Drohung“ von der Teilnahme abgeraten; Farage selbst sprach davon, die Polizei habe ihn über eine „organisierte Kampagne“ zur Störung der Ergebnisverkündung informiert. Die Polizei von Essex bestreitet dies nach Berichten mehrerer britischer Medien, darunter LBC und Express & Star: Sie habe weder Farage noch einem anderen Kandidaten von der Teilnahme an der Auszählung abgeraten. Welche der beiden Darstellungen zutrifft beziehungsweise ob überhaupt eine konkrete, von der Polizei bestätigte Bedrohungslage bestand, ist damit nicht abschließend verifiziert.
Politisches Umfeld in Großbritannien
Der Sieg fällt in eine Phase politischer Umbrüche in London: Erst im Juli hatte der neue Labour-Premierminister Andy Burnham nach einer Kabinettsumbildung sein Amt angetreten, wie „Neue Nachrichten“ berichtete. Farage hatte damals als Reaktion auf Burnhams Amtsantritt eine vorgezogene Neuwahl gefordert. Vor diesem Hintergrund dürfte sein erneuter Einzug ins Unterhaus vor allem als Signal für die Mobilisierungskraft von Reform UK gelesen werden – eine über Medienberichte hinausgehende offizielle Reaktion der Regierung Burnham oder der übrigen Parteien auf das Nachwahlergebnis liegt bislang nicht vor.
Was unklar bleibt
Offen ist weiterhin, wie die wieder aufgenommene Ethik-Untersuchung zur nicht deklarierten Fünf-Millionen-Pfund-Zuwendung im Detail ausgeht und ob Farage tatsächlich Konsequenzen bis hin zu einem Ausschluss aus dem Unterhaus drohen. Ebenso ungeklärt bleibt der Streit um die angebliche Sicherheitsdrohung rund um die Ergebnisverkündung: Reform UK und die Polizei von Essex widersprechen sich unmittelbar, eine unabhängige Klärung der tatsächlichen Kommunikation zwischen Polizei und Farage-Team steht aus. Eine offizielle Bestätigung des Wahlergebnisses durch die zuständige Wahlbehörde sowie Details zur Wahlbeteiligung insgesamt und zu den übrigen rund 30 Kandidaturen liegen aus den verwendeten Quellen weiterhin nicht vor. Auch politische Reaktionen der bei dieser Wahl nicht angetretenen großen Parteien fehlen bislang.
