Die FIFA-Krise um Präsident Gianni Infantino spitzt sich weiter zu. Nach dem Rückzug der umstrittenen Investorenpläne und dem Verlust der Unterstützung von Wales, Schweden und Serbien für seine Wiederwahl 2027 hatte Infantino wichtige Mitarbeiter für Mittwoch, 5. August 2026, zu einer Krisensitzung in die marokkanische Hauptstadt Rabat einberufen – was dort besprochen wurde, blieb laut allen Berichten unklar. Auch im eigenen Lager mehrten sich Distanzierungen: FIFA-Direktor Arsène Wenger und Generalsekretär Mattias Grafström gingen öffentlich auf Distanz, Infantinos engster Berater Carlos Cordeiro trat bereits zurück, und Ex-Präsident Sepp Blatter forderte Infantinos Rücktritt zugunsten von Lise Klaveness. Zusätzliche Brisanz brachte der jordanische Verbandspräsident Prinz Ali bin Hussein, der der FIFA vorwirft, seine Unterstützung durch Erpressung erkaufen zu wollen – konkret geht es um eine seit Dezember ausstehende Prämie von 4,2 Millionen Dollar aus dem Arab Cup 2025.
Neu hinzu kommt nun eine prominente weitere Rücktrittsforderung: Der frühere Weltfußballer Luís Figo warf Infantino in einem Gastbeitrag für die Daily Mail vor, gelogen, getäuscht und sich persönlich bereichert zu haben, und forderte unmissverständlich seinen Rücktritt. Zudem haben internationale Medien weitere Details zu den finanziellen Hintergründen des gescheiterten Investorendeals zusammengetragen: Die beteiligte Investmentfirma heißt korrekt Thrive Capital und wird von Joshua Kushner geführt, dem Bruder von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner. Für Infantino war demnach nach einer weiteren Amtszeit eine Rolle als hoch dotierter „Commissioner“ der neuen Fifa-Tochterfirma mit einem Gehalt von rund 30 Millionen Dollar vorgesehen – ein Modell, das laut übereinstimmenden Berichten inzwischen Gegenstand rechtlicher Prüfungen der Uefa ist, die FIFA zudem mit Klagen gedroht und mehrere Führungskräfte zur Dokumentensicherung aufgefordert hat.
Ob der wachsende Druck zu einem Rücktritt, einem Misstrauensvotum oder einer Nicht-Wiederwahl Infantinos im März 2027 in Marokko führt, ist offen. Laut FIFA-Statuten könnten rund 43 der 211 Mitgliedsverbände einen außerordentlichen Kongress einberufen, ein konkretes Verfahren ist aber bislang nicht eingeleitet. Eine Presse-Analyse verweist zugleich darauf, dass Infantino in weiten Teilen Afrikas, Asiens, Südamerikas und Ozeaniens weiterhin breite Unterstützung genießt. Was die Krisensitzung ergab, wie die FIFA auf die Erpressungs- und Interessenkonflikt-Vorwürfe reagiert und ob sich mögliche Nachfolgekandidaten wie Uefa-Chef Čeferin positionieren, bleibt vorerst unklar.
Was passiert ist
Die FIFA-Krise um Präsident Gianni Infantino hat sich weiter zugespitzt. Nachdem der Weltverband seine umstrittenen Investorenpläne bereits zurückgezogen hatte, verlor Infantino zuletzt die Unterstützung der Fußballverbände von Wales, Schweden und Serbien für seine Wiederwahl 2027, während sich mit FIFA-Direktor Arsène Wenger und Generalsekretär Mattias Grafström auch enge Vertraute öffentlich distanzierten. Infantino berief daraufhin FIFA-Mitarbeiter für Mittwoch, 5. August 2026, zu einer Krisensitzung in die marokkanische Hauptstadt Rabat ein – was dabei genau besprochen werden sollte, blieb laut allen Berichten unklar. Parallel dazu erhob der jordanische Verbandspräsident Prinz Ali bin Hussein öffentlich den Vorwurf, die FIFA habe versucht, seine Unterstützung für Infantino durch Erpressung zu erkaufen. Nun kommen zwei weitere Elemente hinzu: Mit Luís Figo fordert ein früherer Weltfußballer öffentlich Infantinos Rücktritt, und eine Analyse der Presse fasst sieben Kritikpunkte zusammen – darunter neue Details zu Infantinos Gehalt, zur Investmentfirma Thrive Capital und zu einer geplanten, hoch dotierten Zukunftsrolle Infantinos, die inzwischen Gegenstand rechtlicher Prüfungen der Uefa ist.
Der ursprüngliche Plan
Infantino hatte vorgeschlagen, über den Verkauf eines Teils der kommerziellen FIFA-Rechte – etwa an der Weltmeisterschaft – eine Milliardensumme einzuspielen. Dafür sollte das Tochterunternehmen FIFA Forward Enterprise (FFE) gegründet werden, in dem die kommerziellen Rechte an den FIFA-Wettbewerben wie Männer- und Frauen-WM sowie Klub-WM gebündelt worden wären. Private Geldgeber hätten rund 20 Prozent der Anteile an diesem mit rund 20 Milliarden Dollar bewerteten Unternehmen erwerben können. Federführend dabei war die Investmentfirma Thrive Capital, geleitet von Joshua Kushner – dem jüngeren Bruder von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump. In einer Videobotschaft hatte Infantino den Plan noch als „einmalige Chance“ verteidigt, die weltweite Entwicklung des Fußballs zu beschleunigen, und betont, der Vorschlag sei „Teil eines demokratischen Prozesses“, da Mehrheiten der Mitgliedsverbände und des FIFA Council hätten zustimmen müssen.
Gehalt, Kushner-Verbindung und Uefa-Prüfung
Eine Analyse der Presse hat mittlerweile weitere Details zu den finanziellen Dimensionen des gescheiterten Deals zusammengetragen. Danach erhält Infantino als Fifa-Präsident unter Berufung auf Recherchen von NZZ und Guardian ein jährliches Grundgehalt von rund 2,8 Millionen Euro beziehungsweise 2,6 Millionen Schweizer Franken, zuzüglich Boni in ähnlicher Größenordnung – Zahlen, die eine unabhängig gefundene NZZ-Berichterstattung in ihrer Größenordnung stützt. Brisanter ist ein anderes Detail: Laut übereinstimmenden internationalen Berichten war für Infantino im Fall seiner Wiederwahl 2027 nach Ablauf der dann folgenden Amtszeit (2031) eine Rolle als „Commissioner“ der neuen Fifa-Tochterfirma FFE nach US-Vorbild vorgesehen – mit einem kolportierten Grundgehalt von rund 30 Millionen Dollar. Dieses Gehaltsmodell ist nach Berichten mehrerer internationaler Agenturen inzwischen Gegenstand rechtlicher Prüfungen der Uefa: Der europäische Verband soll FIFA mit Klagen, Schiedsverfahren oder Regulierungsbeschwerden gedroht und mehrere Fifa-Führungskräfte schriftlich zur Sicherung von Dokumenten und Nachrichten aufgefordert haben. Laut der Presse-Analyse haben zudem Verbände aus Europa, Asien und dem WM-Gastgeber 2026, Nordamerika, eigene Anwaltsschreiben zur Beweissicherung verschickt – eine Detailangabe, die bislang nur einzelquellig vorliegt.
Widerstand aus dem Fußball
Gegen die Pläne hatte sich vor allem Europas Verband UEFA gestellt, der eine Ablehnung durch seine Mitgliedsverbände signalisierte und für den Fall der Umsetzung mit einem Boykott von FIFA-Wettbewerben durch europäische Nationalteams drohte. Auch der asiatische Verband AFC und der nord-/mittelamerikanische Verband CONCACAF lehnten das Vorhaben ab. Nach dem Rückzug ließ die UEFA eine deutliche Erklärung folgen: Die aktuelle FIFA-Führung habe nicht nur das Vertrauen der UEFA, sondern auch das vieler anderer Mitglieder der Fußballfamilie verloren, hieß es darin. Den Deal bezeichnete der europäische Verband als „schäbig“ und hinter verschlossenen Türen zustande gekommen. CONCACAF-Präsident Victor Montagliani äußerte sich laut einem Bericht der Presse ähnlich scharf. Infantinos engster Berater und Vertrauter Carlos Cordeiro ist nach übereinstimmenden Berichten bereits in der vorigen Woche aus Protest von seinem Posten zurückgetreten, während Marokko, WM-Gastgeber 2030, und Ägypten laut Bericht weiterhin zu Infantino halten sollen – und laut der neueren Presse-Analyse auch weite Teile Afrikas, Asiens, Südamerikas und Ozeaniens Infantino nach wie vor unterstützen.
Mitgliedsverbände ziehen ihre Unterstützung zurück
Die Kritik an Infantino hat inzwischen konkrete politische Folgen innerhalb der FIFA-Wählerschaft. Der walisische Fußballverband FAW zog seine Unterstützung für Infantinos Wiederwahl 2027 als erster Verband öffentlich zurück und begründete dies mit „Versagen bei guter Führung, Prozessen, Führungsverhalten, Werten, Stakeholder-Management, Kommunikation und Urteilsvermögen“. Kurz darauf folgten Schweden und Serbien: Der schwedische Verband verwies auf anhaltende Bedenken zu Führung, Transparenz und Management bei der FIFA und erklärte, kein Vertrauen mehr in Infantinos Amtsführung zu haben. Berichten zufolge bereitet auch der englische Verband ein entsprechendes Schreiben vor beziehungsweise habe der FIFA bereits mitgeteilt, Infantino nicht länger zu unterstützen – hier gehen die Angaben einzelner Medien im Detail auseinander. Bis vor Kurzem galt Infantinos Wiederwahl für die Amtszeit 2027 bis 2031 als reine Formsache; durch den Fallout des gescheiterten Investorendeals ist dieser Automatismus nun infrage gestellt.
Risse im eigenen Lager
Gegenwind bekommt Infantino auch aus der eigenen FIFA-Organisation. Arsène Wenger, als Direktor für globale Fußballentwicklung seit Jahren enger Vertrauter Infantinos, erklärte öffentlich, an dem Investorenprojekt nicht beteiligt gewesen zu sein und erst aus der Presse davon erfahren zu haben; den Rückzug des Plans nannte er „absolut notwendig und unumstritten“. Auch FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström, der Infantino 2016 von der UEFA zur FIFA gefolgt war, ging inzwischen deutlicher auf Distanz: Laut übereinstimmenden Berichten sprach er von einer „traurigen und tadelnswerten Reihe von Ereignissen“ sowie einem „Aufruhr“ innerhalb des Verbandes. Noch deutlicher wurde Infantinos Vorgänger Sepp Blatter: Er forderte den Rücktritt des amtierenden Präsidenten und sprach sich auf der Plattform X für Norwegens Verbandschefin Lise Klaveness als Nachfolgerin aus – „Die Zeit ist reif dafür, dass eine Frau übernimmt“, schrieb der 90-Jährige.
Neue Rücktrittsforderung: Luís Figo
Zu den kritischen Stimmen aus dem eigenen Umfeld gesellt sich nun eine prominente Stimme von außen. Der frühere Weltfußballer Luís Figo forderte in einem Gastbeitrag für die britische Daily Mail unmissverständlich Infantinos Rücktritt. Laut übereinstimmend wiedergegebenem Zitat schrieb der Portugiese, er könnte „10.000 Wörter über die Probleme der Fifa schreiben. Aber die Lösung erfordert nur drei: Infantino muss gehen.“ Weiter wirft Figo Infantino vor, das Amt des Fifa-Präsidenten herabgewürdigt zu haben: Er habe „gelogen, getäuscht und versucht, sich auf Kosten des Sports, dem er eigentlich dienen sollte, persönlich zu bereichern“. Figos Aussagen sind eine persönliche Bewertung des früheren Ballon-d’Or-Gewinners und keine unabhängig verifizierte Tatsachenfeststellung; sie wurden aber sowohl von Der Standard als auch unabhängig von internationalen Sportmedien mit übereinstimmendem Inhalt wiedergegeben.
Krisensitzung in Rabat
Als Reaktion auf die anhaltende Kritik hatte Infantino laut übereinstimmenden Berichten von The Times, Sky und BBC wichtige Mitarbeiter für Mittwoch, 5. August 2026, zu einem Treffen in die marokkanische Hauptstadt Rabat beordert. Rabat ist regionaler FIFA-Hauptsitz für Afrika; dort finden 2027 auch der 77. FIFA-Kongress und die nächste Präsidentenwahl statt. Infantino war in der vorigen Woche bereits als Gast von König Mohammed VI. öffentlich in Marokko aufgetreten. Was bei dem Treffen konkret besprochen werden sollte, war laut allen Quellen unklar – anders als ein von den FIFA-Statuten vorgesehener außerordentlicher Kongress handelte es sich dabei offenbar um ein internes Arbeitstreffen, nicht um ein förmliches Verbandsgremium. Laut einem Bericht sollten neben Generalsekretär Grafström auch weitere Mitglieder des FIFA-Managementboards teilnehmen, etwa aus den Bereichen Recht, Mitgliedsverbände, Personal und Kommunikation – eine Angabe, die bislang nur einzelquellig vorliegt. Ein öffentliches Ergebnis der Sitzung liegt in den ausgewerteten Quellen bislang nicht vor.
Vorwurf aus Jordanien: Erpressung
Zusätzliche Brisanz erhält die Krise durch eine öffentliche Anschuldigung aus Jordanien. Verbandspräsident Prinz Ali bin Hussein, selbst früherer FIFA-Vizepräsident, erklärte, ihm sei während der WM verbal signalisiert worden, eine Unterstützung Infantinos „würde unserem Verband sehr helfen“ – nach monatelanger Weigerung der FIFA, bei verschiedenen Anliegen zu helfen. Er habe Infantino zuvor nicht unterstützt und werde dies auch jetzt nicht tun: „Die gesamte Situation kommt einer Erpressung gleich, und wir weigern uns, darauf einzugehen“, wird er von mehreren internationalen Medien übereinstimmend zitiert. Als konkretes Beispiel nennt er eine seit Dezember 2025 ausstehende Prämie von 4,2 Millionen Dollar, die Jordanien als Finalist des FIFA-Arab-Cups 2025 zusteht. Eine Stellungnahme der FIFA zu diesen Vorwürfen liegt in den recherchierten Quellen weiterhin nicht vor. Der Ausdruck „Erpressung“ ist dabei die Formulierung des Anschuldigenden selbst; ob und in welchem Umfang FIFA-Mitarbeiter tatsächlich eine Verknüpfung von Unterstützung und Zugeständnissen angedeutet haben, ist unabhängig nicht überprüft.
Was unklar bleibt
Der Inhalt und das Ergebnis der Krisensitzung in Rabat sind bislang unbekannt. Eine ausführliche eigene Stellungnahme Infantinos zu den neuen Entwicklungen – dem Rückzug dreier Verbände, der Distanzierung Wengers und Grafströms, Blatters Rücktrittsforderung, dem Erpressungs-Vorwurf aus Jordanien, Figos öffentlicher Rücktrittsforderung sowie den Gehalts- und Kushner-Details – liegt aus den verwendeten Quellen nicht vor. Offen ist auch, zu welchem Ergebnis die angekündigten rechtlichen Prüfungen der Uefa zum geplanten 30-Millionen-Dollar-Gehalt für eine mögliche Commissioner-Rolle Infantinos führen, und ob sich Uefa-Präsident Aleksander Čeferin oder Concacaf-Präsident Victor Montagliani tatsächlich als Nachfolgekandidaten positionieren, wie es eine einzelne Presse-Analyse spekulativ nahelegt. Unklar bleibt zudem, ob der Times-Bericht über einen Trump-Anruf trotz FIFA-Dementi einen wahren Kern hat, wie es um die vollständige Teilnehmerliste des Rabat-Treffens steht, ob weitere Verbände öffentlich von ähnlichem Druck berichten wie Jordanien, und ob Marokko, Ägypten und die breite Unterstützung in Afrika, Asien, Südamerika und Ozeanien angesichts des wachsenden Drucks Bestand haben.
Einordnung
Der Rückzug des Investorenplans markierte eine ungewöhnlich rasche Kehrtwende – binnen weniger Tage formierte sich mit UEFA, AFC und CONCACAF Widerstand aus fast allen Kontinentalverbänden. Dass nun auch einzelne Mitgliedsverbände öffentlich mit dem Entzug ihrer Unterstützung für die Wiederwahl reagieren, enge FIFA-Vertraute wie Wenger und Grafström auf Distanz gehen, ein Verbandschef offen von Erpressung spricht und mit Luís Figo erstmals eine prominente frühere Spielerlegende öffentlich Infantinos Rücktritt fordert, verschiebt den Konflikt von einer institutionellen Kritik hin zu einer persönlichen Vertrauenskrise um Infantino. Die neuen Details zu seinem Gehalt, zur Kushner-Verbindung und zu einer geplanten hoch dotierten Zukunftsrolle als „Commissioner“ – nun Gegenstand rechtlicher Prüfungen der Uefa – verstärken den Eindruck persönlicher Interessenkonflikte, den Kritiker Infantino schon länger vorwerfen. Dass er nun ausgerechnet in Marokko – wo er kurz zuvor noch als Gast des Königs auftrat und wo 2027 über seine Wiederwahl entschieden wird – eine Krisensitzung einberief, unterstreicht den Ernst der Lage, auch wenn deren Zweck und Ergebnis offiziell unklar bleiben. Gleichzeitig verweist eine Presse-Analyse darauf, dass Infantino in weiten Teilen Afrikas, Asiens, Südamerikas und Ozeaniens weiterhin auf breite Unterstützung zählen kann – ein Gegengewicht, das die europäisch geprägte Kritik relativiert. Ob daraus tatsächlich ein Rücktritt, ein Misstrauensvotum oder eine Nicht-Wiederwahl im März 2027 in Marokko folgt, oder ob Infantino den Druck – wie schon frühere Kontroversen – aussitzt, ist weiterhin offen.