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Die US-Einwanderungsbehörde ICE hat den Auftrag für die Anschaffung von Elektroschock-Handschuhen vergeben: Ein Unternehmen aus Kentucky erhält rund 16,7 Millionen US-Dollar für die Lieferung von 6.000 Geräten namens G.L.O.V.E. („Generated Low Output Voltage Emitter“), die per Tastendruck aktiviert werden und bei Hautkontakt Elektroschocks abgeben können. ICE bezeichnet sie als „deeskalierende Geräte“; laut einer Agenturmeldung soll der Vertrag zudem Zubehör und Schulungen umfassen und innerhalb von sechs Monaten abgewickelt werden – diese Detailangabe ist bislang nur einfach belegt. Zusätzlich plant ICE laut einem Beschaffungsdokument vom 28. August 2026 die Anschaffung hundeähnlicher Roboter der Firma Boston Dynamics im Umfang von bis zu 2 Millionen US-Dollar; der Zuschlag soll noch heuer erfolgen. Die Roboter sollen für Lageerfassungen und Gefahrenbewertungen in gefährlichen, instabilen oder schwer zugänglichen Umgebungen eingesetzt werden, etwa für Grenz- und Infrastruktursicherheit; über eine Angriffsfunktion ist nichts bekannt.

New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul, Generalstaatsanwältin Letitia James, der Kongressabgeordnete Maxwell Frost und die Bürgerrechtsorganisation ACLU hatten die Handschuh-Pläne bereits zuvor scharf kritisiert. Nach der Auftragsvergabe kritisierten mehrere demokratische Senatorinnen und Senatoren, darunter Jacky Rosen und Angus King, die Beschaffung in einem Brief an den amtierenden ICE-Chef David Venturella und verwiesen auf dokumentierte Fälle unverhältnismäßiger Gewalt bei ICE-Einsätzen unter anderem in Los Angeles, Minneapolis und Houston. Kritikerinnen und Kritiker verweisen zudem unter Berufung auf Herstellerangaben darauf, dass die Handschuhe Effekte verstärken könnten, die zum plötzlichen Tod führen können – eine unabhängige Bestätigung dazu fehlt. Zur Roboterhunde-Ankündigung liegt bislang weder eine gesonderte Reaktion von Bürgerrechtsorganisationen noch eine Stellungnahme von Boston Dynamics vor; zur Einordnung: Der Hersteller hatte sich 2022 verpflichtet, seine Roboter nicht zu bewaffnen, und frühere Polizeieinsätze vergleichbarer Roboter (etwa der „Digidog“ der New Yorker Polizei) hatten bereits öffentliche Kritik ausgelöst.

Offen bleibt bei den Handschuhen, wie ICE und das Heimatschutzministerium auf die Senatskritik reagieren und unter welchen Bedingungen sie künftig eingesetzt werden dürfen; eine unabhängige Sicherheitsbewertung fehlt weiterhin. Bei den Roboterhundern ist offen, ob der Zuschlag an Boston Dynamics tatsächlich 2026 erfolgt, ob es zu öffentlicher Kritik kommt und zu welchen konkreten Einsätzen es nach einer Auslieferung kommt.

Was passiert ist

Die US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE hat den Zuschlag für die Anschaffung von Elektroschock-Handschuhen erteilt. Laut veröffentlichten Vergabeunterlagen ging der Auftrag im Umfang von rund 16,7 Millionen US-Dollar – umgerechnet etwa 14,3 Millionen Euro – an ein Unternehmen aus dem Bundesstaat Kentucky. Insgesamt sollen 6.000 der Geräte mit dem Namen G.L.O.V.E. („Generated Low Output Voltage Emitter“) beschafft werden, die laut Behörde als „deeskalierende Geräte“ dienen sollen. ICE begründet die Anschaffung damit, dass Einsatzkräfte dadurch seltener auf stärkere oder sogar tödliche Einsatzmittel zurückgreifen müssten. Der Auftrag folgt auf eine bereits im August bekannt gewordene Ausschreibung des US-Heimatschutzministeriums, für die ursprünglich ein Budget von 10 bis 20 Millionen US-Dollar mit Abschluss bis Ende März 2027 vorgesehen war.

Zusätzlich plant ICE nach eigenen, in einem Beschaffungsdokument vom 28. August 2026 veröffentlichten Angaben nun auch die Anschaffung hundeähnlicher Roboter der Firma Boston Dynamics. Die Behörde will dafür bis zu 2 Millionen US-Dollar (rund 1,7 Millionen Euro) ausgeben; der Zuschlag an Boston Dynamics soll noch im laufenden Jahr erfolgen.

Technische Details und Beschaffung der Handschuhe

Die Handschuhe werden per Tastendruck aktiviert und geben bei direktem Hautkontakt einen Elektroschock ab; Herstellerangaben zufolge können sie bis zu 380 Volt abgeben – etwa das Dreifache der Spannung einer haushaltsüblichen US-Steckdose. Nach übereinstimmenden Berichten US-amerikanischer Medien ging der Auftrag an das Unternehmen Compliant Technologies LLC aus Kentucky, jenen Hersteller, der bereits im Zusammenhang mit der ursprünglichen Ausschreibung genannt worden war. Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur AP soll der Vertrag neben der Lieferung der 6.000 Handschuhe auch Zubehör und Schulungen umfassen und innerhalb der kommenden sechs Monate abgewickelt werden; diese Detailangabe liegt bislang nur über eine einzelne Quelle vor und ist nicht unabhängig zweitbestätigt. Herstellerangaben zufolge sind die Handschuhe zudem nicht für den Einsatz bei rein verbalem Widerstand oder gegen besonders schutzbedürftige Personen wie Kinder, Schwangere oder ältere Menschen vorgesehen – ob und wie ICE diese Vorgaben verbindlich macht, ist weiterhin offen.

Kritik von Demokratinnen, Demokraten und Bürgerrechtsorganisation

Bereits vor der Auftragsvergabe hatten New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul und Generalstaatsanwältin Letitia James, beide Demokratinnen, die Pläne deutlich kritisiert: James erklärte, die Beschaffung erscheine „willkürlich und sachlich nicht gerechtfertigt“ und verstoße möglicherweise gegen mehrere Gesetze sowie die Verfassung; Hochul warnte vor einer Verletzung der Bürgerrechte durch übermäßigen körperlichen Schaden. Der demokratische Kongressabgeordnete Maxwell Frost bezeichnete die Beschaffung öffentlich als Verschwendung von Steuergeldern für „maskierte, gesetzlose“ ICE-Mitarbeitende, und die Bürgerrechtsorganisation ACLU warnte laut einem US-Medienbericht vor einem Instrument, das größeren Schaden bei geringerer Kontrolle ermögliche.

Nach Bekanntwerden der tatsächlichen Auftragsvergabe kritisierten mehrere demokratische Senatorinnen und Senatoren – darunter Jacky Rosen und Angus King – die Beschaffung in einem gemeinsamen Brief an den amtierenden ICE-Chef David Venturella. Sie verwiesen laut Medienberichten und eigenen Stellungnahmen auf dokumentierte Fälle unverhältnismäßiger Gewaltanwendung durch ICE-Beamte unter anderem in Los Angeles, Minneapolis und Houston und äußerten erhebliche Zweifel daran, dass die Behörde verantwortungsvoll mit einem Instrument umgehen könne, das Menschen schaden könnte. Kritikerinnen und Kritiker verweisen zudem – unter Berufung auf Herstellerangaben – darauf, dass die Geräte Effekte verstärken könnten, die zum plötzlichen Tod führen können; diese Angabe ist bislang nur indirekt über Medienberichte wiedergegeben und nicht unabhängig bestätigt.

Neue Beschaffung: Roboterhunde von Boston Dynamics

Nach den Elektroschock-Handschuhen sorgt ICE mit einem weiteren Ausrüstungsvorhaben für Aufsehen: Laut einem am 28. August 2026 veröffentlichten Beschaffungsdokument des US-Heimatschutzministeriums will die Behörde bis zu 2 Millionen US-Dollar für hundeähnliche Roboter der Firma Boston Dynamics ausgeben. Der Zuschlag an das Unternehmen soll noch heuer erfolgen. Die ferngesteuerten Roboter sind laut Vergabeunterlagen für Lageerfassungen und Gefahrenbewertungen gedacht und sollen in besonders gefährlichen, instabilen oder schwer zugänglichen Umgebungen eingesetzt werden, etwa im Zusammenhang mit Grenz- und Infrastruktursicherheit. Über eine mögliche Angriffs- oder Bewaffnungsfunktion ist nach den bisher vorliegenden Berichten nichts bekannt.

Die Ankündigung fällt in eine Zeit, in der ICE wegen ihres Vorgehens bei Abschieberazzien bereits stark unter Beobachtung steht – zuletzt unter anderem wegen tödlicher Einsätze in mehreren US-Städten. Zur Einordnung: Boston Dynamics hatte sich 2022 gemeinsam mit mehreren anderen Roboterherstellern öffentlich verpflichtet, seine Mehrzweckroboter nicht zu bewaffnen. Frühere Einsätze vergleichbarer Roboter durch US-Polizeibehörden – etwa der von der New Yorker Polizei genutzte, als „Digidog“ bekannte Boston-Dynamics-Roboter – hatten in der Vergangenheit bereits öffentliche Kritik ausgelöst und wurden zeitweise wieder eingestellt. Ob es zu einer ähnlichen öffentlichen Debatte über den geplanten ICE-Einsatz kommt und wie Boston Dynamics selbst dazu Stellung nimmt, ist bislang offen; eine gesonderte Reaktion des Unternehmens oder von Bürgerrechtsorganisationen auf das aktuelle Vorhaben liegt in den gesichteten Quellen nicht vor.

Was unklar bleibt

Bei den Elektroschock-Handschuhen ist offen, wie ICE und das Heimatschutzministerium auf den Brief der Senatorinnen und Senatoren reagieren und unter welchen konkreten Bedingungen die Geräte im Feldeinsatz tatsächlich verwendet werden dürfen. Eine unabhängige technische oder medizinische Bewertung des von Kritikerinnen und Kritikern angeführten Risikos liegt weiterhin nicht vor, ebenso wenig eine Bestätigung, ob der berichtete Sechs-Monats-Zeitplan für Lieferung, Zubehör und Schulungen eingehalten wird. Zu ersten dokumentierten Einsätzen der Handschuhe liegen bislang keine Berichte vor.

Bei den Roboterhunden handelt es sich bislang um eine reine Beschaffungsankündigung, keinen bereits erteilten Zuschlag: Ob Boston Dynamics den Auftrag tatsächlich noch 2026 erhält, ist offen. Ebenso unklar ist, ob und wie ICE beziehungsweise Boston Dynamics auf mögliche öffentliche Kritik reagieren, wie sich der Einsatz mit dem 2022 abgegebenen Nicht-Bewaffnungsversprechen des Unternehmens verträgt und zu welchen konkreten Einsätzen es kommt, sobald die Roboter ausgeliefert sind.

Einordnung

Mit der Auftragsvergabe für die Elektroschock-Handschuhe und der nun angekündigten Beschaffung von Roboterhundern setzt ICE seinen Kurs einer technischen Aufrüstung fort, der in den vergangenen Monaten wiederholt für Kritik gesorgt hat. Beide Vorhaben werden von der Behörde offiziell mit Sicherheits- beziehungsweise Deeskalationszielen begründet; Kritikerinnen und Kritiker sehen darin dagegen ein Muster zunehmender Militarisierung einer Behörde, deren Vorgehen bei Abschiebe- und Festnahmeeinsätzen bereits mehrfach in die Kritik geraten war. Dass Senatorinnen und Senatoren nun explizit auf Gewaltvorfälle in mehreren Großstädten verweisen, deutet auf eine breitere politische Auseinandersetzung mit dem Vorgehen der Behörde hin. Wie ICE und das Ministerium auf diese Kritik reagieren, ob sich die aufgeworfenen Sicherheitsbedenken zu den Handschuhen in der Praxis bestätigen und wie sich die Roboterhunde-Beschaffung in den kommenden Monaten weiterentwickelt, ist bislang offen.