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Die Industriellenvereinigung (IV) hat gegenüber der APA erklärt, dass 70 Prozent der Wasserentnahmen in Österreich auf die Industrie entfallen, vor allem auf Lebensmittel-, Textil-, Papier-, Chemie-, Pharma- und Glasindustrie sowie Metallerzeugung. Ein „sehr großer Teil“ davon sei Kühlwasser, das ortsnah wieder in die Gewässer zurückgeführt werde – Wasser werde größtenteils gebraucht, nicht verbraucht. Zu Produktionskürzungen wegen der aktuellen Dürre habe man derzeit keine Wahrnehmung, einen generellen Wassersparzwang halte die IV nicht für sinnvoll.

Die Größenordnung deckt sich mit einer 2021 veröffentlichten Studie des Umweltbundesamts und der BOKU Wien, die Industrie und Gewerbe mit rund 2,21 Milliarden Kubikmetern jährlicher Entnahme als größten wasserentnehmenden Sektor Österreichs identifiziert, größtenteils aus Oberflächengewässern für Kühlzwecke. Laut IV soll das Wasserangebot bis 2050 im Schnitt weitgehend stabil bleiben, mit dem größten Bedarfsanstieg in der Landwirtschaft.

Offen bleiben aktuelle Zahlen zur laufenden Dürre 2026 sowie eine unabhängige Bewertung der Rückführungspraxis, etwa durch Umweltorganisationen.

Was die Industriellenvereinigung mitteilt

Inmitten der anhaltenden Dürre und Hitzewelle des Sommers 2026 hat sich die Industriellenvereinigung (IV) gegenüber der Nachrichtenagentur APA zur Wassernutzung der heimischen Industrie geäußert. Demnach entfallen 70 Prozent der Wasserentnahmen in Österreich auf die Industrie, insbesondere auf die Lebensmittel-, Textil-, Papier-, Chemie-, Pharma- und Glasindustrie sowie die Metallerzeugung. Diese Branchen stehen laut IV gemeinsam für rund 95 Prozent der Wassernutzung in der Warenproduktion.

Die IV betont dabei die Unterscheidung zwischen Entnahme und Verbrauch: Ein „sehr großer Teil“ der entnommenen Wassermenge sei Kühlwasser, das anschließend ortsnah wieder in die Gewässer zurückgeführt werde. Wasser werde in der Industrie größtenteils gebraucht, nicht verbraucht. Zu einem allgemeinen Wassersparzwang äußert sich der Verband ablehnend, da die Betriebe ohnehin auf sparsame Ressourcennutzung achteten. Zu Produktionskürzungen aufgrund von Wassermangel habe man aktuell keine Wahrnehmung.

Was unabhängige Daten zeigen

Die von der IV genannte Größenordnung deckt sich mit einer bereits 2021 veröffentlichten Studie des Umweltbundesamts, erstellt gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) und einem Ingenieurbüro. Die Studie „Wasserschatz Österreichs“ weist Industrie und Gewerbe mit rund 2,21 Milliarden Kubikmetern jährlicher Wasserentnahme als mit Abstand größten wasserentnehmenden Wirtschaftssektor Österreichs aus – davon rund 330 Millionen Kubikmeter aus Grundwasser, der weitaus größere Rest aus Oberflächengewässern, wie sie primär für Kühlzwecke genutzt werden.

Damit stützt eine von der Industrie unabhängige, amtlich beauftragte Untersuchung sowohl die grobe Größenordnung der 70-Prozent-Zahl als auch das Bild einer stark kühlwassergeprägten Nutzung. Die Studiendaten stammen allerdings aus dem Jahr 2021 und lassen keinen direkten Schluss auf die tagesaktuelle Situation während der Dürre 2026 zu.

Ausblick bis 2050

Laut IV wird sich das Wasserangebot in Österreich im Durchschnitt bis 2050 nur unwesentlich verändern, wobei räumlich und saisonal unterschiedliche Entwicklungen einzelner Wasserhaushaltskomponenten zu erwarten seien. Vorsorgemaßnahmen etwa im Hinblick auf das Abschmelzen von Gletschern hält der Verband für wichtig. Der Wasserbedarf der Produktion soll demnach bis 2050 im Vergleich zu heute in etwa stabil bleiben, während der größte Bedarfsanstieg im Agrarsektor erwartet wird. Diese Einschätzung passt zu Ergebnissen der Umweltbundesamt-Studie, die für den Industriesektor ebenfalls nur geringe Veränderungen bis 2050 prognostiziert – welche Quelle die IV für ihre Aussage konkret heranzieht, wird in den Medienberichten aber nicht namentlich genannt.

Was unklar bleibt

Offen bleibt, wie sich die Wasserentnahme der Industrie unter den Bedingungen der aktuellen Dürre 2026 in aktuellen, amtlichen Zahlen darstellt – die vorliegende unabhängige Studie datiert aus dem Jahr 2021. Ebenso fehlt bislang eine Stellungnahme von Umwelt- oder Naturschutzorganisationen dazu, wie die Rückführungspraxis von Kühlwasser und die Einschätzung der IV zu bewerten sind. Auch die genaue Aufschlüsselung nach einzelnen Branchen, Regionen und Gewässern liegt derzeit nicht vor.

Einordnung

Die Aussagen stammen von der Industriellenvereinigung, also der Interessenvertretung der Industrie selbst, und fallen in eine Phase, in der die Wasserknappheit durch die Dürre öffentlich intensiv diskutiert wird. Ein gewisses Eigeninteresse daran, Forderungen nach Produktionskürzungen oder Sparauflagen entgegenzutreten, liegt nahe. Dass eine unabhängige, von Umweltbundesamt und BOKU erstellte Studie zu einer ähnlichen Größenordnung kommt, stützt die grundsätzliche Einordnung der Industrie als größten wasserentnehmenden Sektor, ersetzt aber keine tagesaktuelle, unabhängige Bewertung der Lage im Sommer 2026.