In der Nacht auf Donnerstag, 6. auf 7. August, meldeten mehrere internationale Medien zwei Explosionen auf der iranischen Insel Qeshm. Die halbamtliche Agentur Tasnim sprach von einer Konfrontation mit „feindlichen Zielen“ vor der Straße von Hormus, nannte aber keine weiteren Details. Der Vorfall lenkt erneut den Blick auf die Rolle der größten Insel im Persischen Golf: Unter ihren Felsformationen soll laut übereinstimmenden Berichten mehrerer unabhängiger Medien ein unterirdisches Tunnelnetzwerk liegen, das als „Raketenstadt“ der Revolutionsgarden gilt und Seezielflugkörper, Seeminen, Marinedrohnen und Schnellboote beherbergt. Einzelheiten zu Lage, genauem Inhalt und einer möglichen U-Boot-Stationierung stammen jedoch überwiegend aus iranischem Propagandamaterial und unbenannten Experteneinschätzungen und sind unabhängig nicht überprüft.
Bereits kurz nach Kriegsbeginn im Februar 2026 soll eine Meerwasserentsalzungsanlage auf der Insel beschädigt worden sein, die rund 30 Dörfer versorgt. Im Juli folgte eine umfangreiche neue US-Angriffswelle gegen Überwachungsanlagen, Raketenstellungen und unterirdische Waffenlager, bei der Teile der Marinebasis der Revolutionsgarden zerstört wurden – das tief im Gestein verborgene Kernarsenal blieb dieser Einschätzung zufolge jedoch bislang unangetastet, Schnellboote operieren weiter von der Insel aus.
Zugleich ist der einst florierende Tourismus der Insel, die als UNESCO Global Geopark mit Salzhöhlen und Sandsteincanyons bekannt war, laut mehreren Berichten praktisch zusammengebrochen: Hotelbetriebe melden eine Auslastung nahe null und drohende Schließungen. Wie im bisherigen Bericht zur Eskalation an der Straße von Hormus dargestellt, reiht sich Qeshm damit in eine längere Serie von Angriffszielen und Kollateralschäden des Konflikts ein.
Neue Explosionen, altbekanntes Ziel
In der Nacht auf Donnerstag, 6. auf 7. August, meldeten mehrere internationale Medien zwei Explosionen auf Qeshm. Die halbamtliche iranische Nachrichtenagentur Tasnim berief sich auf informierte Kreise und sprach von einer Konfrontation der iranischen Streitkräfte mit „feindlichen Zielen“ nahe der Einfahrt zur Straße von Hormus – konkrete Angaben zu Ort, Ziel oder Schaden blieben aus. Damit reiht sich der jüngste Vorfall in eine seit Kriegsbeginn wiederkehrende Serie von Angriffen und Explosionsmeldungen auf der Insel ein, ohne dass Teheran bislang eigene Details bestätigt hätte.
Was sich unter der Insel verbergen soll
Im Zentrum der jüngeren Berichterstattung steht die Frage, was genau unter den Felsformationen der mit knapp 1500 Quadratkilometern größten Insel im Persischen Golf verborgen liegt. Von den Revolutionsgarden verbreitetes Propagandamaterial zeigt neonbeleuchtete, unterirdische Gänge, in denen laut Auswertung mehrerer Medien Seezielflugkörper, Küstenraketenbatterien, Marinedrohnen, Seeminen und Schnellboote gelagert sein sollen. International wird die Anlage als eine von mehreren „missile cities“ der Revolutionsgarden beschrieben; einige Beobachter bezeichnen Qeshm wegen seiner Lage am Eingang der Meerenge als „unsinkbaren Flugzeugträger“ des Iran. Wer genau diese Einschätzung trifft und auf welcher Grundlage, wird in der zugrundeliegenden Berichterstattung nicht namentlich ausgewiesen. Ebenso wenig lässt sich unabhängig einordnen, was hinter Hinweisen auf einen möglichen Drohnenflugplatz oder eine U-Boot-Stationierung steht – hier stützen sich die Angaben auf nicht näher spezifizierte Satellitenbilder.
US-Angriffe: viel getroffen, Kernarsenal offenbar nicht
Bereits wenige Tage nach Kriegsbeginn im Februar 2026 soll laut Die Presse eine Meerwasserentsalzungsanlage auf Qeshm beschädigt worden sein, die rund 30 Dörfer und einen Militärposten der Revolutionsgarden mit Trinkwasser versorgt. Im Juli folgte nach übereinstimmenden Berichten mehrerer internationaler Medien eine neue, umfangreiche Angriffswelle: US-Streitkräfte griffen Überwachungsanlagen, Raketen- und Drohnenabschussstellungen, Radaranlagen sowie unterirdische Waffenlager auf und um die Insel an. Einzelne Gebäude der Marinebasis der Revolutionsgarden wurden dabei den Berichten zufolge zerstört. Das im Gestein verborgene Kernarsenal der „Raketenstadt“ selbst blieb nach Einschätzung von Die Presse bislang jedoch unversehrt – Schnellboote sollen weiterhin von der Insel aus operieren. Eine unabhängige, mit Schadensdokumentation belegte Bestätigung dieser Einschätzung liegt nicht vor.
Tourismus bricht ein
Qeshm war vor dem Krieg auch als Reiseziel bekannt: Die Insel trägt den Status eines UNESCO Global Geopark, bekannt für Mangrovenwälder, die als längste der Welt beschriebene Salzhöhle Namakdan und das „Tal der Sterne“ mit seinen Sandsteincanyons. Mit der militärischen Eskalation ist dieser Wirtschaftszweig laut mehreren übereinstimmenden Berichten praktisch zum Erliegen gekommen. Hotel- und Öko-Lodge-Betreiber melden eine Auslastung nahe null; laufende Fixkosten wie Personal, Energie und Instandhaltung bestehen unterdessen weiter, was mehrere Betriebe den Berichten zufolge in wirtschaftliche Notlage bis hin zur drohenden Schließung treibt.
Vorgeschichte
Qeshm liegt seit Beginn der Angriffsserie auf iranische Ziele im Fokus der US-Streitkräfte, wie im bisherigen Bericht zur Eskalation an der Straße von Hormus dargestellt – etwa im Zusammenhang mit der Trinkwasserkrise im Küstenort Jask, iranischen Angriffen auf Golfstaaten und wiederholten nächtlichen US-Angriffswellen gegen iranische Militärinfrastruktur. Die dortige Berichterstattung ordnet die Insel bereits als wiederholtes Angriffsziel ein; der vorliegende Artikel vertieft speziell die Rolle Qeshms als unterirdisches Arsenal und die jüngste Explosionsmeldung.