Israel hat am 25. August 2026 mit der Räumung des UNRWA-Ausbildungszentrums Kalandia im Ost-Jerusalemer Stadtteil Kafr Aqab begonnen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ordnete den Schritt an und erklärte, Israel werde gegen UNRWA „mit allen Mitteln“ vorgehen, weil Mitarbeiter der Organisation in Terror und das Massaker vom 7. Oktober verwickelt gewesen seien. Formal beruft sich Israel auf ein 2024 beschlossenes Gesetz, das UNRWA die Tätigkeit im Land untersagt. Auf dem Gelände soll laut israelischen Angaben zunächst eine Schule für Burschen entstehen, langfristig auch weitere Schulen, eine Moschee sowie Sport- und Gesundheitseinrichtungen.
UNRWA weist das Vorgehen zurück und spricht von unbefugtem Zugriff auf eine UN-Einrichtung mit völkerrechtlichem Sonderstatus. Die Palästinensische Autonomiebehörde nennt die Räumung einen schwerwiegenden Verstoß gegen das Völkerrecht. Laut palästinensischen Medienberichten kam es dabei zu Konfrontationen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften, deren Ausmaß sich unabhängig nicht überprüfen lässt.
Der Aktion ging ein länger andauernder Konflikt zwischen Israel und UNRWA voraus, in dessen Zuge israelische Einsatzkräfte bereits im Jänner 2026 das UNRWA-Hauptquartier in Ost-Jerusalem zerstört hatten. Offen bleiben internationale Reaktionen sowie Beweise für die israelischen Terrorvorwürfe.
Was passiert ist
Israel hat am 25. August 2026 mit der Räumung eines Geländes des UNO-Palästinenserhilfswerks UNRWA in Ost-Jerusalem begonnen. Betroffen ist das sogenannte Kalandia-Ausbildungszentrum im Stadtteil Kafr Aqab, das UNRWA nach eigenen Angaben seit den 1950er-Jahren zur beruflichen Ausbildung palästinensischer Flüchtlinge nutzt. Israelische Sicherheitskräfte betraten das Gelände; internationale Medien berichteten von mehreren gepanzerten Fahrzeugen und Dutzenden eingesetzten Kräften. Polizeiminister Itamar Ben-Gvir, der an dem Einsatz beteiligt war, veröffentlichte ein Foto, das eine über dem Gebäude gehisste israelische Flagge zeigt.
Israels Begründung und Pläne
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ordnete die Räumung an. Der Staat Israel werde es einer Organisation, deren Mitarbeiter in Terror und das Massaker vom 7. Oktober verwickelt gewesen seien, nicht gestatten, auf israelischem Staatsgebiet tätig zu sein, und werde „mit allen Mitteln“ gegen sie vorgehen, erklärte er. Formal beruft sich Israel auf ein 2024 vom Parlament beschlossenes Gesetz, das UNRWA die Tätigkeit auf israelischem Staatsgebiet untersagt und israelischen Beamten die Zusammenarbeit mit der Organisation verbietet. Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums sprach von „Renovierungsarbeiten“; UNRWA besitze keine Eigentumsrechte an dem Gelände, hieß es weiter. Laut israelischen Angaben soll dort zunächst eine Schule für Burschen nach israelischem Lehrplan entstehen, in den kommenden Jahren sollen weitere Schulen, eine Moschee sowie Sport- und Gesundheitseinrichtungen für die arabisch geprägte Umgebung folgen.
Reaktionen von UNRWA und Palästinensischer Autonomiebehörde
UNRWA reagierte mit einer eigenen Stellungnahme und bezeichnete den Zugriff israelischer Kräfte als unbefugtes Eindringen in eine UN-Einrichtung, die nach Völkerrecht besondere Rechte und Immunität genieße. Die Organisation hatte im Vorfeld gewarnt, eine Räumung würde ernsthafte Fragen zu Israels Verpflichtungen als UN-Mitgliedstaat aufwerfen. Die Palästinensische Autonomiebehörde, die Teile des Westjordanlands verwaltet, sprach von einem „schwerwiegenden Verstoß gegen das Völkerrecht“. Laut palästinensischen Medienberichten kam es im Zuge der Räumung zu Konfrontationen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften; Umfang und Beteiligte lassen sich anhand der vorliegenden Quellen nicht unabhängig einordnen.
Vorgeschichte
Der Räumung ging ein monatelanger Konflikt zwischen Israel und UNRWA voraus. Israel wirft dem Hilfswerk vor, dass einzelne Mitarbeiter an Terroraktivitäten der islamistischen Hamas beteiligt gewesen seien – Belege dafür liegen in den vorliegenden Quellen nicht vor. Das israelische Parlament hatte daraufhin per Gesetz ein Arbeitsverbot für UNRWA auf israelischem Staatsgebiet verhängt. Bereits im Jänner 2026 hatten israelische Einsatzkräfte das UNRWA-Hauptquartier in Ost-Jerusalem zerstört, wie „Neue Nachrichten“ berichtete – ein Vorgang, gegen den unter anderem EU-Stellen und die UNO protestiert hatten.
Was unklar bleibt
Offen ist, wie internationale Akteure wie das UNO-Generalsekretariat oder die EU auf die aktuelle Räumung reagieren. Unklar bleibt auch, welche konkreten Beweise die israelischen Terrorvorwürfe gegen einzelne UNRWA-Mitarbeiter stützen und ob die angekündigten weiteren Bauprojekte – Schulen, Moschee, Sport- und Gesundheitseinrichtungen – tatsächlich umgesetzt werden. Auch der genaue Verlauf der berichteten Konfrontationen zwischen Palästinensern und israelischen Kräften ist unabhängig nicht bestätigt.