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Österreichs Krankenversicherungsträger haben ihren für 2026 erwarteten Gesamtabgang gegenüber der Prognose vor drei Monaten fast halbiert: Statt 204,8 Millionen Euro wird nun ein Defizit von 111,2 Millionen Euro erwartet. Die ÖGK verbessert sich auf ein Minus von 151,5 Millionen Euro, die BVAEB auf 65,1 Millionen Euro Verlust. Einzig die SVS bilanziert positiv, mit einem etwas geringeren Gewinn von 105,4 Millionen Euro. Auch die Vorschau bis 2030 hat sich verbessert, zeigt aber weiter ein Defizit, zuletzt beziffert mit 855,8 Millionen Euro.

Dachverband-Chef Peter McDonald führt die Entwicklung auf Gehaltsabschlüsse unter der Inflation, den Abbau von 300 ÖGK-Dienstposten, reduzierte Verwaltungsflächen, niedrigere Abschlüsse mit Vertragspartnern und einen höheren Pensionistenbeitrag zurück. Er hält an einer ‘schwarzen Null’ als Ziel fest. Arbeitnehmervertreter Andreas Huss nennt die Entwicklung erfreulich, mahnt aber, man sei von einem ausgeglichenen Ergebnis noch weit entfernt.

Offen bleibt, wie stark einzelne Maßnahmen tatsächlich zur Verbesserung beigetragen haben und wie belastbar die weiterhin negativen Prognosen für die kommenden Jahre sind. Eine unabhängige Einschätzung zur Nachhaltigkeit des Turnarounds liegt bislang nicht vor.

Was passiert ist

Österreichs Krankenversicherungsträger haben ihren für 2026 erwarteten Gesamtabgang gegenüber der letzten Prognose vor drei Monaten fast halbiert. Statt eines Minus von 204,8 Millionen Euro geht die nunmehrige vorläufige Erfolgsrechnung nur noch von einem Defizit von 111,2 Millionen Euro aus. Auch die Prognosen für die kommenden Jahre fallen weiterhin negativ aus, haben sich aber ebenfalls verbessert. Dachverband-Chef Peter McDonald, der turnusmäßig in diesem Halbjahr an der Spitze des Sozialversicherungsdachverbands steht und als Dienstgebervertreter in der ÖGK fungiert, hält an einer ‘schwarzen Null’ als mittelfristigem Ziel fest.

Die Zahlen der einzelnen Träger

Von den drei Krankenversicherungsträgern verbessert sich die Prognose für die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) auf ein Minus von 151,5 Millionen Euro, nachdem zuletzt noch 217,8 Millionen Euro Verlust erwartet worden waren. Bei der Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau (BVAEB) wird nun ein Verlust von 65,1 Millionen Euro erwartet, verglichen mit zuvor 102,7 Millionen Euro. Einzig die Sozialversicherungsanstalt der Selbstständigen (SVS) bilanziert positiv, allerdings mit einem gegenüber der Vorprognose etwas geringeren Gewinn von 105,4 statt 115,6 Millionen Euro. Auch die mehrjährige Vorschau hat sich verbessert, zeigt aber weiter deutlich nach unten: Für 2030 wird nun ein Defizit von 855,8 Millionen Euro erwartet, zuvor waren es 1.127,8 Millionen Euro.

Wie es laut Dachverband dazu kam

McDonald erklärte gegenüber der APA, dass die Verbesserung nicht auf frühere Prognosefehler zurückzuführen sei, sondern auf konkret gesetzte Maßnahmen im Kassenbereich. Genannt werden Gehaltsabschlüsse unter der Inflationsrate, die Streichung von 300 Dienstposten in der ÖGK sowie eine Reduktion von Verwaltungsflächen. Zusätzlich hätten sich niedriger als erwartet ausgefallene Abschlüsse mit Vertragspartnern sowie ein um 0,9 Prozentpunkte erhöhter Krankenversicherungsbeitrag für Pensionistinnen und Pensionisten ausgewirkt. Vor eineinhalb Jahren war für 2026 noch ein Abgang von über einer Milliarde Euro befürchtet worden – dieser konnte laut McDonald nun um neun Zehntel gesenkt werden.

Reaktionen

Andreas Huss, Arbeitnehmervertreter und turnusmäßiger ÖGK-Obmann, bezeichnete die Entwicklung in einer Aussendung als erfreulich. Er hielt zugleich fest, man sei noch weit von einem ausgeglichenen Ergebnis entfernt. Die unterschiedliche Tonlage der beiden Sozialpartner-Vertreter deutet darauf hin, dass die Bewertung des Turnarounds innerhalb der Sozialversicherung nicht ganz einheitlich ausfällt, auch wenn beide Seiten die Zahlen selbst nicht infrage stellen.

Was unklar bleibt

Offen ist, welchen Anteil die einzelnen von McDonald genannten Maßnahmen jeweils konkret zur Verbesserung beigetragen haben – eine unabhängige Aufschlüsselung liegt nicht vor. Ebenso unklar bleibt, wie belastbar die weiterhin negativen Prognosen bis 2030 sind, nachdem frühere Schätzungen bereits mehrfach deutlich nach unten korrigiert werden mussten. Eine Einschätzung unabhängiger Gesundheitsökonomen zur Nachhaltigkeit des Turnarounds liegt in den vorliegenden Quellen nicht vor, ebenso wenig ein konkreter Zeitplan für das Erreichen der ‘schwarzen Null’.