Textlänge

Nach dem Rücktritt von Walter Ruck als Präsident der Wirtschaftskammer Wien und Obmann des Wirtschaftsbundes Wien hat seine bisherige Stellvertreterin Margarete Kriz-Zwittkovits Ende Juli 2026 zunächst informell beide Funktionen übernommen und wurde am 5. August 2026 in einer offiziellen Zeremonie als Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien angelobt. Bürgermeister Michael Ludwig hatte sie bereits am 31. Juli zu einem Antrittsbesuch im Wiener Rathaus empfangen. Ruck war zuvor durch ein geleaktes Gesprächsprotokoll unter Druck geraten, das ihm Postenschacher und sexistische Äußerungen vorwarf, und aus der ÖVP ausgeschlossen worden; laut Die Presse soll er sich darin auch abwertend über Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer und Industrievertreter geäußert haben.

Bei ihrer Angelobung kündigte Kriz-Zwittkovits laut DER STANDARD, Die Presse und eigenen Kammer-Aussendungen einen ‘neuen Stil’ an, sprach von ‘verspieltem Vertrauen’ und veranlasste als erste Amtshandlung die Erarbeitung eines Verhaltenskodex für Funktionäre. Sie betonte ihr Engagement für Gleichstellung und Frauenrechte und erklärte, den laufenden Reformkurs – etwa die Senkung von Kammerbeiträgen – gemeinsam mit Vizepräsidentin Martha Schultz fortsetzen zu wollen. Die Presse ordnet dies als Stilwechsel bei inhaltlich ähnlicher Linie ein und verweist auf das Protokoll, wonach Kriz-Zwittkovits 2025 zugunsten von Rucks Sohn auf eine Kandidatur verzichtet haben soll – ein Vorwurf, dem sie zunächst öffentlich widersprochen hatte.

Offen bleibt, welche konkreten Inhalte der angekündigte Verhaltenskodex erhält, wie sich der Reformkurs tatsächlich von der bisherigen Linie unterscheidet und wie ÖVP-Opposition sowie Kammer-Mitglieder auf die neue Führung reagieren.

Was passiert ist

Nach dem Rücktritt von Walter Ruck als Präsident der Wirtschaftskammer Wien und als Obmann des Wirtschaftsbundes Wien Ende Juli 2026 hat seine bisherige Stellvertreterin Margarete Kriz-Zwittkovits zunächst informell beide Funktionen übernommen. Bereits am 31. Juli 2026 empfing Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) sie zu einem Antrittsbesuch im Wiener Rathaus; laut der städtischen Aussendung stand dabei eine ‘starke Partnerschaft zwischen Stadt und Wirtschaft’ im Mittelpunkt des Gesprächs. Am 5. August 2026 wurde Kriz-Zwittkovits dann in einer offiziellen Zeremonie als Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien angelobt – damit ist der zuvor bereits vollzogene Führungswechsel formal abgeschlossen. Wie berichtet, war Ruck zuvor durch ein geleaktes internes Gesprächsprotokoll unter Druck geraten, das ihm Postenschacher und ein als sexistisch kritisiertes Auftreten vorwarf, und Ende Juli auch aus der ÖVP ausgeschlossen worden. Die Presse berichtet ergänzend, der Rücktritt gehe auf von den Magazinen ‘profil’ und ‘Krone’ veröffentlichte Protokoll-Passagen zurück, in denen Ruck sich demnach zudem abwertend über Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und Vertreter der Industrie geäußert haben soll – dieses Detail ist bislang nur durch eine einzelne Redaktion belegt.

Wer ist Margarete Kriz-Zwittkovits

Laut einer über die Wirtschaftskammer selbst verbreiteten Meldung ist Kriz-Zwittkovits seit 2015 in der Wirtschaftskammer Wien aktiv und seit 2020 deren Vizepräsidentin; von 2020 bis 2025 stand sie zudem der Interessenvertretung ‘Frau in der Wirtschaft’ Wien vor und war bis zuletzt Bezirksgruppenobfrau in Döbling. Die Presse beschreibt sie als 67-jährige Unternehmerin, die 1986 ihr erstes Unternehmen gegründet hat und unter anderem im Immobilienbereich tätig ist; von 2021 bis 2026 saß sie demnach für die Wiener ÖVP im Gemeinderat, seit 2018 gehöre sie dem Aufsichtsrat der Asfinag Bau Management GmbH an. Seit ihrer Angelobung übt sie zudem auch die Funktion der Chefin des Wiener ÖVP-Wirtschaftsbundes aus. Diese biografischen Details stammen bislang jeweils nur aus einzelnen Quellen und sind nicht durch eine zweite, unabhängige Berichterstattung bestätigt.

Reaktionen aus Rathaus und Kammer

Neben der Aussendung zum Antrittsbesuch bei Ludwig gratulierte auch SPÖ-Vizebürgermeisterin Barbara Novak, laut Kurier mit einem Instagram-Posting an der Seite von Kriz-Zwittkovits und dem Satz ‘Zwei starke Döblingerinnen mit einem gemeinsamen Ziel: Starke Frauen. Starke Wirtschaft. Starkes Wien’. Der sozialdemokratische Wirtschaftsverband (SWV) Wien sprach in einer eigenen Aussendung von einem ‘Neustart’ und forderte, ein angekündigter Reformprozess in der Kammer müsse ‘jetzt umgesetzt werden’ – ein Hinweis darauf, dass auch parteipolitische Mitbewerber in der Kammer den Führungswechsel als Gelegenheit für eigene Anliegen nutzen. Zu den konkreten Ankündigungen von Kriz-Zwittkovits bei ihrer Angelobung liegt bislang keine Stellungnahme von Kammer-Mitgliedern, Fraktionen oder der ÖVP-Opposition vor.

Angelobung: „Neuer Stil“ und Verhaltenskodex

Bei ihrer offiziellen Angelobung am 5. August 2026 kündigte Kriz-Zwittkovits laut übereinstimmenden Berichten von DER STANDARD und Die Presse sowie einer eigenen Aussendung der Kammer einen ‘neuen Stil’ an. In einer Videobotschaft sprach sie von ‘verspieltem Vertrauen’ und einem ‘gesellschaftlichen Bild’, für das weder die Kammer noch sie selbst stünden; sie könne sich nicht für die Worte anderer entschuldigen, wolle aber ‘die Dinge wieder in Ordnung bringen’. Als erste Amtshandlung ließ sie laut diesen Quellen die Erarbeitung eines Verhaltenskodex für Funktionäre der Kammer veranlassen und betonte, sie verstehe ‘bei Gleichstellung und Frauenrechten wenig Spaß’. Zugleich kündigte sie an, den eingeschlagenen Reformweg – etwa die geplante Senkung von Kammerbeiträgen – gemeinsam mit Vizepräsidentin Martha Schultz ‘entschlossen’ fortzusetzen, und formulierte das Ziel einer ‘offenen Kammer’, in der Ein-Personen-Unternehmen ebenso wie KMU und Großunternehmen gleichermaßen wertgeschätzt würden. Diese Ankündigungen sind bislang Selbstdarstellungen der neuen Präsidentin; eine externe Bewertung, ob und wie sie umgesetzt werden, liegt noch nicht vor.

Kontinuität oder Umbruch?

Die Presse ordnete den Wechsel bereits vor der Angelobung in einem Porträt so ein, dass Kriz-Zwittkovits zwar einen anderen, kooperativeren Führungsstil pflege als Ruck, inhaltlich aber dessen Linie weiterführen werde. Dieselbe Zeitung sowie der Kurier verweisen dabei auf das im Juli 2026 öffentlich gewordene Gesprächsprotokoll, wonach Kriz-Zwittkovits 2025 zugunsten von Rucks Sohn auf eine Wiederkandidatur bei der Wien-Wahl verzichtet haben soll – mit den im Protokoll kolportierten Worten, sie habe ‘einen Befehl bekommen, sie hat salutiert und hat gesagt: Okay, ich verzichte’. Kriz-Zwittkovits hatte Ruck nach Bekanntwerden der Vorwürfe zunächst öffentlich in Schutz genommen und Berichten über die Verzichtserklärung widersprochen, ging dann aber zunehmend auf Distanz. Bei ihrer Angelobung formulierte sie das deutlich: Die Ereignisse der vergangenen Wochen hätten der Kammer laut ihren eigenen Worten großen Schaden zugefügt. Diese Einordnung beruht auf der Auswertung des geleakten Protokolls durch zwei Medien und ist unabhängig davon nicht überprüft.

Was unklar bleibt

Offen ist, welche konkreten Inhalte und welchen Zeitplan der von Kriz-Zwittkovits angekündigte Verhaltenskodex für Kammerfunktionäre erhalten wird – dazu liegen bislang keine Details vor. Ebenso unklar ist, wie genau sich ihr angekündigter Reformkurs über die reine Ankündigung hinaus von der bisherigen Ausrichtung Rucks unterscheiden wird und wie die Wiener ÖVP-Opposition, die auf mehr Rückhalt durch die Kammer hofft, sowie Kammer-Mitglieder und andere Fraktionen auf die neue Führung und ihre Ankündigungen reagieren. Eine unabhängige Bestätigung der im Ruck-Protokoll behaupteten erzwungenen Verzichtserklärung von 2025 steht ebenfalls weiterhin aus.

Einordnung

Der Führungswechsel ist die unmittelbare Folge der Causa Ruck, über die ‘Neue Nachrichten’ bereits berichtet hat: Der Bundesparteivorstand der ÖVP hatte Walter Ruck am 24. Juli 2026 nach Bekanntwerden von Vorwürfen wegen Postenschachers und eines als sexistisch kritisierten Führungsstils aus der Partei ausgeschlossen; wenige Tage später legte er auch seine Kammerfunktionen zurück. Mit der Angelobung am 5. August 2026 ist Kriz-Zwittkovits nun formal die erste Frau an der Spitze der Wirtschaftskammer Wien.