Der frühere Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer ist nicht mehr Mitglied des Aufsichtsrats des Holzhausbauers Gropyus. Nach einer Hauptversammlung teilte das Unternehmen mit, dass Co-Gründer Markus Fuhrmann aus der Geschäftsführung in das Kontrollgremium wechselt und dort Mahrers bisherige Funktion als stellvertretender Vorsitzender übernimmt. Der bisherige Co-CEO Philipp Erler führt Gropyus künftig allein, Daniel Riedl bleibt Aufsichtsratsvorsitzender. Das Unternehmen schreibt derzeit Verluste und will laut eigenen Angaben 2027 profitabel werden.
Der Wechsel fällt in eine Zeit, in der Gropyus mit Ex-Investor Florian Fritsch im Streit liegt: Laut einer Unternehmensangabe wurde 2022 eine interne Untersuchung zu mutmaßlich falschen Kostenabrechnungen eingeleitet, Berichten zufolge laufen inzwischen auch strafrechtliche Ermittlungen gegen Fritsch. Laut einem Bericht des „Standard“ prüfen Ermittler in diesem Zusammenhang zudem Privatjetreisen, an denen Mahrer beteiligt gewesen sein soll.
Ob Mahrers Abgang mit diesen Ermittlungen zusammenhängt, nennen die vorliegenden Quellen nicht; eine Stellungnahme von Mahrer oder Fritsch liegt nicht vor. Auch der Ausgang des Rechtsstreits bleibt offen.
Was passiert ist
Der frühere Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer ist nicht mehr Mitglied des Aufsichtsrats des deutsch-österreichischen Holzhausbauers Gropyus. Das Unternehmen teilte dies nach einer Hauptversammlung am Mittwoch mit. Co-Gründer Markus Fuhrmann wechselt aus der Geschäftsführung in das Kontrollgremium und übernimmt dort die Funktion des stellvertretenden Vorsitzenden, die zuvor Mahrer innehatte. Der bisherige Co-CEO Philipp Erler führt das Unternehmen künftig allein, Daniel Riedl bleibt Aufsichtsratsvorsitzender. Gropyus stellt seriell gefertigte Holzmodule für den Hausbau her und schreibt nach eigenen Angaben derzeit Verluste; profitabel werden soll das Unternehmen laut Firmenangaben 2027.
Der Hintergrund: Rechtsstreit mit Ex-Investor Fritsch
Der Führungswechsel fällt in eine Zeit, in der Gropyus mit seinem früheren Investor und Ex-Aufsichtsratschef Florian Fritsch im Streit liegt. Laut einer von Medien zitierten Unternehmensangabe hatte Gropyus bereits 2022 wegen Hinweisen auf mögliches betrügerisches Verhalten eine interne Untersuchung zu falschen Kostenabrechnungen eingeleitet – es soll dabei um Urlaube, Beraterkosten und andere Ausgaben zulasten des Unternehmens gegangen sein. Berichten zufolge laufen inzwischen auch strafrechtliche Ermittlungen gegen Fritsch, unter anderem in Liechtenstein, sowie ein Verfahren in Wien. Fritsch war den Berichten zufolge bereits 2021 aus dem Aufsichtsrat von Gropyus ausgeschieden. Eine eigene Stellungnahme von Fritsch zu diesen Vorwürfen liegt nicht vor.
Privatjetreisen: Was Ermittler zu Mahrer prüfen
Laut einem Bericht des „Standard“ beschäftigen sich Ermittler in der Causa Gropyus auch mit Privatjetreisen, an denen der damalige WKÖ-Chef Mahrer beteiligt gewesen sein soll. Details zu Umfang, rechtlichem Status und einer möglichen persönlichen Betroffenheit Mahrers gehen aus den vorliegenden Quellen nicht hervor; eine Stellungnahme Mahrers dazu liegt nicht vor. Mahrer war zwischen 2019 und 2021 auch als Investor an Gropyus beteiligt.
Was unklar bleibt
Offen ist, ob und inwiefern Mahrers Rückzug aus dem Aufsichtsrat mit den laufenden Ermittlungen zusammenhängt – eine offizielle Begründung für seinen Abgang nennen die vorliegenden Quellen nicht. Ebenso wenig ist bekannt, in welchem Verfahrensstadium sich die Prüfung der Privatjetreisen befindet und welche Rolle Mahrer dabei zugeschrieben wird. Auch der weitere Ausgang des Rechtsstreits mit Fritsch, etwa ein möglicher Prozesstermin, ist aus den Quellen nicht ersichtlich.
Einordnung
Der Führungswechsel selbst ist eine gut dokumentierte Meldung aus einer Hauptversammlung. Bemerkenswert ist der zeitliche und personelle Zusammenhang mit einem seit Jahren schwelenden Rechtsstreit um mutmaßlich falsche Kostenabrechnungen bei einem bekannten heimischen Start-up – einen Zusammenhang stellt jedoch keine der vorliegenden Quellen ausdrücklich her. Solange weder eine Stellungnahme der Betroffenen noch ein belastbarer Ermittlungsstand vorliegt, sollten die Vorwürfe rund um Fritsch und die Prüfung der Privatjetreisen nicht vorschnell mit dem Führungswechsel gleichgesetzt werden.