Der progressive Kandidat Abdul El-Sayed hat die Vorwahl der Demokraten für den US-Senatssitz in Michigan gewonnen. Die Nachrichtenagentur AP rief das äußerst knappe Rennen gegen die von der Parteiführung unterstützte Abgeordnete Haley Stevens für ihn – am Ende stand es 48,5 zu 47,5 Prozent. El-Sayed, ein früherer Epidemiologe, wird von Senator Bernie Sanders unterstützt und trat als Außenseiter gegen das Partei-Establishment an; Stevens gratulierte noch vor dem offiziellen Endergebnis und sagte ihm ihre Unterstützung zu. Laut Kurier führte Stevens den teuersten Vorwahlkampf der US-Geschichte, unterstützt von einem pro-israelischen Spendenkomitee mit rund 30 Millionen Dollar – eine bislang nur einzelquellenbelegte Angabe.
Der Wahlkampf legte tiefe Gräben zwischen dem sozialistischen und dem zentristischen Flügel der Partei offen. Laut Die Presse hielten sich Fraktionschef Chuck Schumer und Nancy Pelosi öffentlich zurück, sollen aber im Hintergrund für Stevens gewirkt haben; Bernie Sanders wertete den Ausgang unabhängig vom Ergebnis als „Transformation der Demokratischen Partei“. Der Gaza-Krieg war ein zentrales Thema: El-Sayed nannte die israelische Kriegsführung laut Kurier „Genozid“ und laut Die Presse „diabolisch“ und forderte ein Ende der US-Militärhilfe an Israel – eine bislang nur einzelquellenbelegte Position mit besonderem Gewicht in Michigans muslimischer Bevölkerung. Ein Sieg im November würde El-Sayed laut Der Standard zum ersten muslimischen US-Senator machen.
Nach dem Sieg eskalierte der Ton rasch: Rogers bezeichnete El-Sayed als „Extremisten“ mit „ideologischem Fanatismus“, El-Sayed forderte im Gegenzug fünf TV-Debatten und nannte Rogers einen „Feigling“. Auch Präsident Trump äußerte sich auf Truth Social kritisch und sprach laut Medienberichten von einem „Kommunisten“. Kurier ordnet den Sieg zudem als strategisches Risiko für die Demokraten ein: Laut nicht näher genannten Umfragen könnte El-Sayed den Sitz im November an die Republikaner verlieren – erstmals seit 30 Jahren in Michigan, sollte sich diese Einschätzung bestätigen. Offiziell zertifizierte Endergebnisse, Wahlbeteiligungszahlen, eine unabhängige Bestätigung der PAC-Summe und der Ausgang des angekündigten Debatten-Duells liegen weiterhin nicht vor.
Was passiert ist
Im Swing-State Michigan hat der progressive Kandidat Abdul El-Sayed die Vorwahl der Demokraten für den freien US-Senatssitz gewonnen. Die Nachrichtenagentur AP rief das Rennen am Mittwoch bei rund 99 Prozent ausgezählten Stimmen für ihn; am Ende stand es 48,5 zu 47,5 Prozent gegen die von der Parteiführung unterstützte Abgeordnete Haley Stevens. El-Sayed, ein früherer Gesundheitsbeamter und Epidemiologe, trat als Außenseiter gegen das Establishment der Demokratischen Partei an und wird von Senator Bernie Sanders und dessen progressiver Bewegung unterstützt. Noch bevor ein offizielles Endergebnis feststand, gratulierte Stevens El-Sayed und sagte ihm ihre Unterstützung für den Wahlkampf im November zu. In seiner Siegesrede richtete El-Sayed laut Die Presse eine versöhnliche Botschaft an Stevens’ Anhängerschaft – „gibt es mehr, was uns eint, als was uns trennt“ – verband dies aber mit einer direkten Kampfansage an seinen künftigen republikanischen Gegner: „Mike, wir sind hinter dir her.“
Was die Quellen zeigen
Österreichische Medien wie Die Presse, Der Standard, Kleine Zeitung, ORF und nun auch Kurier bestätigen übereinstimmend das knappe Ergebnis und ordnen es als Beleg für eine Verschiebung der Demokratischen Partei nach links ein. US-Medien wie NBC News, die Washington Post und die Detroit News hatten das AP-Ergebnis bereits zuvor bestätigt; eine dritte, zuvor ausgeschiedene Kandidatin, Senatorin Mallory McMorrow, kam auf rund vier Prozent der Stimmen und sprach sich danach für El-Sayed aus.
Neue Analysen zeichnen ein detaillierteres Bild des Wahlkampfs: Laut Kurier führte Stevens den – laut dieser Quelle – teuersten Vorwahlkampf in der Geschichte des Landes; ein pro-israelisches Spendenkomitee soll dabei rund 30 Millionen Dollar zu ihren Gunsten beigesteuert haben. Auch wenn Fraktionschef Chuck Schumer und die frühere Sprecherin Nancy Pelosi sich laut Die Presse mit öffentlichen Aussagen zurückhielten, sollen sie im Hintergrund für Stevens die Fäden gezogen haben – ein Hinweis auf die Gräben, die zwischen dem sozialistischen und dem zentristischen Flügel der Partei verlaufen. Bernie Sanders wertete den Ausgang in der Wahlnacht laut Die Presse unabhängig vom Ergebnis als Beleg für eine „Transformation der Demokratischen Partei“; Kurier ordnet El-Sayeds Sieg in eine Reihe mit dem Erfolg des New Yorker Bürgermeisters Zohran Mamdani ein, der sich ebenfalls gegen das Establishment durchgesetzt hatte.
El-Sayed bezeichnete den Gaza-Krieg laut Kurier als „Genozid“ und laut Die Presse als „diabolisch“, moralisch auf einer Ebene mit der Hamas, und forderte ein Ende der US-Militärhilfe an Israel – eine Position mit besonderem Gewicht in Michigans großer muslimischer Bevölkerung; Der Standard verweist darauf, dass El-Sayed im Fall eines Wahlsiegs im November der erste muslimische US-Senator werden könnte.
Nach dem Vorwahlsieg eskalierte der Ton rasch: US-Medien wie CBS News Detroit und The Hill berichten, dass Rogers El-Sayed öffentlich als „Extremisten“ bezeichnete, der eine Bewegung „ideologischen Fanatismus“ anführe und die Gemeinschaften unsicherer und das Land unerschwinglicher mache. El-Sayed wiederum forderte fünf TV-Debatten und nannte Rogers einen „Feigling“, der „vor seinen eigenen Verfehlungen einknicken“ werde, sollte er sich der Debatte stellen. Auch Präsident Trump äußerte sich laut einem Medienbericht kritisch zu El-Sayeds Sieg auf Truth Social und bezeichnete ihn dabei als „Kommunisten“; zudem wird ihm eine Anspielung auf eine angeblich drohende „manipulierte Wahl“ zugeschrieben.
Kurier ordnet den Sieg zusätzlich strategisch ein: Weil El-Sayed bei der allgemeinen Wählerschaft laut dieser Quelle schlechter abschneide als Stevens, könnte der Sitz im November an die Republikaner gehen – was in Michigan seit 30 Jahren nicht mehr vorgekommen wäre. Diese Einschätzung stützt sich auf nicht näher genannte Umfragen und stammt aus nur einer Quelle.
Was unklar bleibt
Ein offiziell zertifiziertes Endergebnis der Vorwahl durch das Michigan Bureau of Elections beziehungsweise den Secretary of State liegt nach den vorliegenden Quellen weiterhin nicht vor, ebenso wenig Angaben zur Wahlbeteiligung. Auch die kolportierte Summe von rund 30 Millionen Dollar für ein pro-israelisches Spendenkomitee sowie die Einstufung von Stevens’ Kampagne als teuerste Vorwahl der US-Geschichte stammen aus nur einer Quelle und wurden nicht anhand offizieller Wahlkampffinanzierungs-Unterlagen (etwa der Federal Election Commission) gegengeprüft. Ob es tatsächlich zu den von El-Sayed geforderten fünf Debatten mit Rogers kommt, ist offen. Auch der genaue Wortlaut von Trumps Truth-Social-Beitrag und von Rogers’ Social-Media-Statement wurde nicht direkt eingesehen, sondern nur über einzelne Medienquellen mit Zitatwiedergabe. Welche konkreten Umfragen die Einschätzung stützen, El-Sayed könnte im November gegen Rogers unterliegen, bleibt unklar – die Angabe stammt aus nur einer Medienquelle ohne Nennung von Institut oder Erhebungszeitraum. Die genaue Rolle der muslimisch-amerikanischen Wählerschaft in Michigan bei der Entscheidung lässt sich aus den vorliegenden Quellen ebenso wenig im Detail belegen wie eine unabhängig bestätigte Zweitquelle für die Angabe, Schumer und Pelosi hätten im Hintergrund für Stevens gewirkt.
Einordnung
Das Ergebnis wird von Beobachtern weiterhin als Beleg für eine Verschiebung der Demokratischen Partei nach links gewertet, nachdem zuvor bereits andere Kandidaten aus dem Umfeld von Sanders, etwa der New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani, Erfolge erzielt hatten. Neue Analysen von Kurier und Die Presse verschärfen dieses Bild: Sie beschreiben die Demokratische Partei als ein Bündnis, das ideologisch von linken Sozialisten bis zu Zentristen reicht, und sehen in El-Sayeds Sieg zugleich ein Signal für nötige Erneuerung und ein strategisches Risiko. Denn ausgerechnet bei den Halbzeitwahlen im November, bei denen die Demokraten wegen schwacher Umfragewerte Trumps und wirtschaftlicher Folgen des Iran-Kriegs gute Chancen sehen, beide Kongresskammern zurückzuerobern, könnte El-Sayeds geringere Zustimmung bei der breiten Wählerschaft laut Kurier zum Verlust eines seit 30 Jahren demokratisch gehaltenen Sitzes führen – eine Einschätzung, die sich derzeit nur auf eine Quelle stützt und nicht mit konkreten, benannten Umfragen belegt ist. Wie tragfähig Stevens’ Unterstützungszusage angesichts der Rolle von Schumer, Pelosi und eines millionenschweren pro-israelischen Spendenkomitees im Hintergrund tatsächlich ist und wie sich die ideologisch aufgeladene Vorwahl auf die Erfolgsaussichten im November auswirkt, lässt sich nach derzeitigem Stand nicht abschließend beurteilen.
