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In einem Restaurant am Kudrinskaja-Platz im Zentrum Moskaus ist am Samstagabend eine Explosion mit ursprünglich drei bestätigten Todesopfern verursacht worden. Russlands Nationales Antiterrorkomitee erklärte laut der Staatsagentur TASS, ein selbstgebauter Sprengsatz habe die Detonation im Café-Restaurant „Balzi Rossi“ ausgelöst – ursprünglich war ein Gasleck vermutet worden. Nach bisherigen Ermittlungen soll eine Frau versucht haben, den Sprengsatz ins Lokal zu bringen; ein Wachmann, der sie stoppte, sowie ein Gast kamen gemeinsam mit ihr ums Leben. Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin bezeichnete den Anschlag am 2. August auf Telegram als „brutalen Terrorakt“. Mehrere Medien berichteten in der Folge unter Berufung auf Telegram-Kanäle von fünf statt drei Toten sowie zunächst von 21, teils zuvor 15 Verletzten – Zahlen, die weiterhin nicht einheitlich offiziell bestätigt sind. Die Zeitung „Kommersant“ berichtete zudem unter Berufung auf eigene Quellen, Ziel der Attacke seien Gäste einer privaten Veranstaltung gewesen; die mit Metallkugeln gefüllte Bombe sei per Fernsteuerung gezündet worden. Auch diese Angaben sind bislang nicht unabhängig bestätigt.

Am 3. August hat die russische Botschaft in Italien in einer über soziale Netzwerke verbreiteten Mitteilung erstmals offiziell die Ukraine beschuldigt, hinter dem Anschlag zu stecken, mit dem Ziel, in Russland arbeitende Italiener einzuschüchtern. Bislang hatte Moskau die Ukraine und Präsident Wolodymyr Selenskyj nicht offiziell beschuldigt. Die Botschaft nannte in ihrer Mitteilung zudem fünf Tote und 19 Verletzte – eine dritte, von den zuvor berichteten Zahlen abweichende Angabe. Beweise für die Beschuldigung legte die Botschaft nicht vor, eine Stellungnahme der Ukraine liegt weiterhin nicht vor, und auch das russische Antiterror-Komitee selbst hat bisher keine Täterschaft benannt.

Ob dem Vorfall tatsächlich ein politisches Motiv zugrunde liegt, bleibt damit offen. Auch Identität und Beweggründe der mutmaßlichen Attentäterin sind weiterhin unbekannt, ebenso wie die Art der privaten Feier im Restaurant – neben einer Hochzeitsgesellschaft wurde international unbestätigt auch der 55. Geburtstag eines ranghohen russischen Luftwaffenkommandeurs genannt. Internationale Medien wie CNN, Al Jazeera, Washington Post und The Moscow Times griffen den Fall unabhängig auf, stützen sich in der Substanz aber wie die österreichische Berichterstattung überwiegend auf dieselben behördlichen, diplomatischen und teils unbestätigten Quellen. Eine erneute Prüfung der Quellenlage vom 4. August ergab keine neuen Erkenntnisse zu diesem Anschlag; Meldungen über „fünf Tote bei einem Drohnenangriff in der Region Moskau“ aus denselben Tagen betreffen laut Recherche einen separaten ukrainischen Drohnenangriff auf ein Industriegebiet bei Tschechow und stehen in keinem Zusammenhang mit dem Restaurant-Anschlag.

Was passiert ist

In einem Restaurant im Zentrum Moskaus ist es am Samstagabend zu einer folgenschweren Explosion gekommen. Nach übereinstimmenden Berichten ereignete sich die Detonation gegen 20.10 Uhr Ortszeit im oder beim italienischen Café-Restaurant „Balzi Rossi“ am Kudrinskaja-Platz, im erweiterten Zentrum der russischen Hauptstadt nahe dem Gartenring. Das Gebäude gehört zu den sogenannten „Sieben Schwestern“, den bekannten Moskauer Hochhäusern aus der Stalin-Zeit. Ursprünglich bestätigten die Behörden drei Todesopfer; seither berichten mehrere Medien unter Berufung auf Telegram-Kanäle von fünf Toten, eine Zahl, die inzwischen auch die russische Botschaft in Italien in einer eigenen Mitteilung genannt hat (siehe unten). Die umliegenden Straßen wurden abgeriegelt, Rettungskräfte und Ermittler rückten mit zahlreichen Fahrzeugen an.

Bürgermeister spricht von „Terrorakt“

Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin bezeichnete den Anschlag am 2. August auf seinem Telegram-Kanal als „brutalen Terrorakt“ und kündigte an, die Verantwortlichen würden gefunden und bestraft. Er sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Zu den Hintergründen der Tat hielten sich die russischen Ermittlungsbehörden zunächst bedeckt: Das Nationale Antiterror-Komitee (NAK) teilte lediglich mit, die nötigen Ermittlungen zu der Explosion liefen, ohne Täterschaft oder Motiv zu benennen.

Was die Ermittler zur Ursache sagen

Russlands Nationales Antiterrorkomitee erklärte laut der Staatsagentur TASS, die Untersuchung habe ergeben, dass ein selbstgebauter Sprengsatz die Explosion ausgelöst habe. Zunächst war, unter anderem über einen der Sicherheitsbehörde nahestehenden Telegram-Kanal, spekuliert worden, ein Gasleck in einer der Küchen des Lokals könnte die Ursache gewesen sein – diese Vermutung wurde durch die behördliche Einstufung als Anschlag mit Sprengsatz revidiert. Nach den bisherigen Ermittlungen soll eine Frau versucht haben, den Sprengsatz ins Restaurant zu bringen. Ein Wachmann habe sie daran gehindert, wurde dabei aber gemeinsam mit ihr getötet; als drittes Todesopfer wird ein Gast des Lokals genannt. Zur Identität der Frau und ihren möglichen Beweggründen machten die Behörden bislang keine Angaben.

Neue Details laut Kommersant – bislang unbestätigt

Die russische Tageszeitung „Kommersant“ berichtete unter Berufung auf eigene, nicht näher benannte Quellen, dass Ziel des Anschlags Gäste einer privaten Veranstaltung im Restaurant gewesen sein sollen. Die Bombe sei mit Metallkugeln gefüllt und über eine Fernsteuerung gezündet worden, just als die Frau vom Sicherheitsdienst kontrolliert wurde. Möglicherweise habe die Frau selbst vom Inhalt des Pakets, das sie bei sich trug, nichts gewusst und es für eine gewöhnliche Geschenklieferung gehalten. Diese Angaben stammen bislang ausschließlich aus einer einzelnen Zeitungsquelle und wurden weder von russischen Behörden noch von anderer Seite unabhängig bestätigt.

Widersprüchliche Opferzahlen: drei bis fünf Tote, 15 bis 21 Verletzte – und jetzt eine dritte Zahl

Zur Zahl der Toten und Verletzten kursieren weiterhin unterschiedliche Angaben. Offiziell vom Antiterror-Komitee bestätigt sind bislang drei Tote; mehrere Nachrichtenkanäle und darauf gestützte internationale Medienberichte sprachen zwischenzeitlich von fünf Toten, weil zwei zunächst Verletzte im Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen sein sollen. Diese Zahl hat nun auch die russische Botschaft in Italien in ihrer Stellungnahme vom 3. August genannt – eine unabhängige Bestätigung durch das Antiterror-Komitee selbst liegt aber weiterhin nicht vor. Bei den Verletzten wiederum nennt eine breitere Welle an Berichten – unter anderem von Der Standard, Die Presse, ORF, Kurier und Kleine Zeitung – 21 Verletzte unter Berufung auf das Antiterror-Komitee beziehungsweise TASS. Frühere Meldungen, teils ebenfalls von Kurier sowie von CNN und Al Jazeera unter Berufung auf die Moskauer Polizei, hatten von 15 Verletzten gesprochen. Die russische Botschaft in Italien nannte nun in ihrer Mitteilung eine dritte Zahl: 19 Verletzte. Eine Erklärung für diese fortlaufenden Diskrepanzen liegt in keiner eingesehenen Quelle vor.

Russland beschuldigt offiziell die Ukraine

Die russische Botschaft in Italien hat am 3. August in einer über soziale Netzwerke verbreiteten Mitteilung erstmals offiziell die Ukraine beschuldigt, hinter dem Anschlag zu stecken. Laut ORF war der Tenor der Mitteilung, Kiew habe versucht, in Russland arbeitende Italiener „einzuschüchtern“. Bemerkenswert daran ist, dass Moskau die Ukraine und deren Präsidenten Wolodymyr Selenskyj bis dahin nicht offiziell beschuldigt hatte – auch das russische Antiterror-Komitee selbst hatte in seinen bisherigen Mitteilungen keine Täterschaft benannt. Belege für die Zuschreibung an die Ukraine legte die Botschaft in ihrer Mitteilung nicht vor. Eine Stellungnahme der ukrainischen Seite zu den Vorwürfen liegt weiterhin nicht vor. Der Vorwurf erfolgt vor dem Hintergrund des seit 2022 laufenden russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, in dessen Verlauf wiederholt ranghohe russische Militärs und Propagandisten Ziel von Attentaten wurden und beide Kriegsparteien einander gegenseitig Anschläge vorwerfen.

Was weiterhin unklar bleibt

Ungeklärt ist weiterhin, welche private Veranstaltung im Restaurant stattfand. In sozialen Netzwerken und bei internationalen Medien kursierten Hinweise sowohl auf eine Hochzeitsgesellschaft als auch konkreter auf den 55. Geburtstag eines ranghohen russischen Luftwaffenkommandeurs, ohne dass die Behörden dies bestätigt oder dementiert hätten. Offen ist auch, ob der von der russischen Botschaft erhobene Vorwurf gegen die Ukraine zutrifft: Weder wurden Beweise vorgelegt, noch hat sich die Ukraine bislang dazu geäußert, noch haben russische Ermittlungsbehörden selbst eine Täterschaft benannt. Auch zur Identität der Frau, die den Sprengsatz mitgeführt haben soll, liegen weiterhin keine Angaben vor. Schließlich bleibt unklar, welche der kursierenden Opfer- und Verletztenzahlen (drei oder fünf Tote; 15, 19 oder 21 Verletzte) sich als verlässlich erweisen wird.

Einordnung

Der Vorfall wird inzwischen von einer breiten Zahl österreichischer Medien sowie von internationalen Häusern aufgegriffen, die den Fall jeweils unabhängig recherchiert und veröffentlicht haben. In der Substanz stützen sich jedoch weiterhin fast alle Berichte auf dieselben Ursprungsquellen: Angaben russischer Behörden, den Moskauer Bürgermeister sowie – bei den neuesten Details – Telegram-Kanäle, einen einzelnen Zeitungsbericht (Kommersant) und eine Mitteilung der russischen Botschaft in Italien. Die Einstufung als „Terrorakt“ ist eine politische Bewertung des Bürgermeisters, die Beschuldigung der Ukraine eine politische Zuschreibung einer am Krieg beteiligten Partei – beides sind hier als Aussagen der jeweiligen Akteure wiedergegeben, nicht als gerichtlich oder unabhängig festgestellte Tatsachen. Eine von russischen Stellen unabhängige, etwa gerichtliche oder forensische Bestätigung der Ursache, des Ablaufs, der genauen Opferzahlen oder der Täterschaft liegt weiterhin nicht vor. Eine erneute Recherche zur aktuellen Quellenlage (Stand 4. August) ergab hierzu keine neuen Fakten; Berichte über „fünf Tote bei einem Drohnenangriff in der Region Moskau“ aus denselben Tagen betreffen nach vorliegender Prüfung einen separaten Vorfall – einen ukrainischen Drohnenangriff auf ein Industriegebiet bei Tschechow – und keine Aktualisierung des Restaurant-Anschlags.