Der Abstand zwischen ÖVP und FPÖ in Niederösterreich schrumpft laut einer neuen Umfrage des Instituts für Demoskopie und Datenanalyse (IFDD) im Auftrag von ORF Niederösterreich. Bei der Sonntagsfrage kommt die ÖVP auf 35, die FPÖ auf 30 Prozent – ein historischer Höchstwert für die Freiheitlichen. SPÖ (19 Prozent), Grüne (9) und NEOS (5) liegen nahe an ihren Werten der Landtagswahl 2023. Befragt wurden zwischen 27. Juli und 7. August 2026 rund 1.100 Wahlberechtigte, die Schwankungsbreite liegt bei bis zu 3,4 Prozentpunkten.
Rechnerisch kämen FPÖ und SPÖ zusammen auf 49 Prozent. Laut dem zitierten Meinungsforscher Christoph Haselmayer könnten beide Parteien damit erstmals gemeinsam eine knappe Mehrheit im Landtag – und wegen des Proporzsystems auch in der Landesregierung – stellen, ohne die ÖVP. Bei den Befragten selbst ist diese Variante aber unbeliebt: Nur acht Prozent wünschen sich eine FPÖ-SPÖ-Zusammenarbeit, deutlich mehr befürworten eine Fortsetzung von ÖVP-FPÖ (35 Prozent) oder eine ÖVP-SPÖ-Koalition (32 Prozent).
Offen bleibt, wie die Parteien selbst auf die Zahlen reagieren, wie sich der Trend gegenüber früheren Umfragen entwickelt hat und wann genau die nächste Landtagswahl stattfindet.
Was passiert ist
Der Abstand zwischen ÖVP und FPÖ in Niederösterreich schrumpft laut einer neuen Umfrage, die das Institut für Demoskopie und Datenanalyse (IFDD) im Auftrag von ORF Niederösterreich durchgeführt hat. Bei der Sonntagsfrage zur Landtagswahl käme die ÖVP demnach auf 35 Prozent, die FPÖ auf 30 Prozent. Die SPÖ liegt bei 19 Prozent, die Grünen bei neun, die NEOS bei fünf Prozent, zwei Prozent würden eine andere Partei wählen. Für die Erhebung wurden zwischen 27. Juli und 7. August 2026 telefonisch und online insgesamt 1.098 wahlberechtigte Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher ab 16 Jahren befragt, bei der eigentlichen Sonntagsfrage machten 820 Personen eine Angabe. Die maximale Schwankungsbreite liegt laut Institut bei plus/minus 3,4 Prozentpunkten.
Historischer Höchstwert und rechnerische Mehrheit
Im Vergleich zur Landtagswahl 2023, bei der die ÖVP 39,9 Prozent und die FPÖ 24,2 Prozent erreicht hatten, würde die Volkspartei damit deutlich verlieren, während die Freiheitlichen laut den Berichten einen historischen Höchstwert in Niederösterreich erzielen würden. Die SPÖ läge leicht unter ihrem Ergebnis von 20,7 Prozent aus 2023, die Grünen (damals 7,6 Prozent) würden zulegen, die NEOS (damals 6,7 Prozent) verlieren. Rechnerisch kämen FPÖ und SPÖ gemeinsam auf 49 Prozent der Stimmen. Der von ORF Niederösterreich zitierte Meinungsforscher Christoph Haselmayer sieht darin die Möglichkeit, dass die beiden Parteien aufgrund der Mandatsverteilung erstmals gemeinsam – wenn auch hauchdünn – eine Mehrheit im Landtag erreichen könnten, und zwar ohne die ÖVP. Da in Niederösterreich das Proporzsystem gilt, wonach die Landesregierung entsprechend der Landtagsstärke der Parteien besetzt wird, würde sich eine solche Mehrheit auch auf die Zusammensetzung der Landesregierung auswirken.
Wenig Rückhalt für Blau-Rot
Dass eine FPÖ-SPÖ-Mehrheit laut Umfrage rechnerisch möglich wäre, heißt nicht, dass sie von den Befragten auch gewünscht wird. Nur acht Prozent sprachen sich für eine Zusammenarbeit von FPÖ und SPÖ aus. Deutlich mehr Zustimmung gibt es für eine Fortsetzung der seit der Landtagswahl 2023 bestehenden ÖVP-FPÖ-Koalition (35 Prozent) sowie für eine ÖVP-SPÖ-Zusammenarbeit (32 Prozent); ein Viertel der Befragten machte dazu keine Angabe. Haselmayer führte den niedrigen Zuspruch für Blau-Rot laut ORF Niederösterreich unter anderem darauf zurück, dass eine Landesregierung ohne ÖVP-Beteiligung in Niederösterreich bislang kaum vorstellbar gewesen sei.
Was unklar bleibt
Aus den vorliegenden Berichten geht nicht hervor, wie ÖVP, FPÖ, SPÖ, Grüne oder NEOS in Niederösterreich auf die Umfrage reagieren. Auch ein Vergleich mit unmittelbar vorangegangenen Umfragen aus 2025 oder 2026, der eine genauere Trendlinie zeichnen würde, liegt nicht vor. Der genaue Termin der nächsten Landtagswahl wird uneinheitlich beziffert: ORF Niederösterreich spricht von „eineinhalb Jahre“ bis dahin, andernorts ist von 2028 die Rede, ein offizielles Datum wurde in den gesichteten Quellen nicht genannt.
Einordnung
Eine Sonntagsfrage bildet eine Stimmungslage zum Befragungszeitpunkt ab, ist aber keine Prognose für den tatsächlichen Wahlausgang – bis zur nächsten Landtagswahl können sich die Werte noch deutlich verschieben. Auffällig ist zudem, dass die rechnerisch mögliche Mehrheit ohne die bisher dominierende ÖVP bei den Befragten selbst auf wenig Zustimmung stößt: Parteipolitische Konstellationen und tatsächliche Koalitionspräferenzen der Wählerinnen und Wähler können demnach deutlich auseinanderfallen.
