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Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) hat angekündigt, die öffentliche Beschaffung von Bund und Ländern neu auszurichten. Der Staat kauft demnach jährlich für rund 67 Milliarden Euro Produkte und Dienstleistungen ein – dieses Geld soll künftig stärker heimische und europäische Produktion fördern und Abhängigkeiten von Anbietern außerhalb der EU verringern.

Grundlage ist eine Analyse des Lieferketteninstituts ASCII: Nur 0,6 Prozent aller Aufträge stehen für die Hälfte des Volumens, konzentriert bei staatsnahen Unternehmen von Bund und Ländern. Bei großen Vergaben zählt bisher vor allem der Preis. Künftig sollen Lebenszykluskosten, Qualität und Versorgungssicherheit stärker einfließen – ein bis Jahresende geplanter Leitfaden soll das für strategische Beschaffungen festschreiben. Das kann laut Minister und Studienautor auch höhere Anschaffungspreise bedeuten.

Wie groß das oft genannte China-Risiko tatsächlich ist, bleibt unklar: Ältere Wifo-Daten zeigen nur geringe direkte Anteile chinesischer Anbieter. Offen sind zudem die konkreten Rechtsänderungen, mögliche Mehrkosten sowie Reaktionen von Ländern, Verbänden und Opposition.

Was passiert ist

Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) hat am 26. August 2026 bei einer Pressekonferenz angekündigt, die öffentliche Beschaffung von Bund und Ländern neu auszurichten. Hintergrund ist die Anfang des Jahres präsentierte Industriestrategie der Regierung. Der Staat kauft laut Hattmannsdorfer jährlich für rund 67 Milliarden Euro Produkte und Dienstleistungen ein – Geld, das nach seinen Worten als „gewaltiger Hebel“ für den Wirtschaftsstandort genutzt werden soll. Ziel ist, mit diesem Volumen stärker Wertschöpfung, Produktion und Arbeitsplätze in Österreich und Europa zu fördern und Abhängigkeiten von Anbietern außerhalb der EU zu verringern.

Wo der Hebel liegt

Basis der Ankündigung ist eine Analyse des Lieferketteninstituts ASCII. Sie zeigt, dass sich das Beschaffungsvolumen stark konzentriert: Nur 0,6 Prozent aller Aufträge stehen demnach für die Hälfte der Ausgaben. Rund die Hälfte des Volumens entfällt auf staatsnahe Unternehmen des Bundes, weitere rund 22 Prozent auf jene der Länder. Bei großen Vergaben zählt der Preis laut ASCII-Ökonom Klaus Friesenbichler zu mehr als 70 Prozent – genau dort will die Regierung ansetzen. Rund ein Viertel der Beschaffungen gilt als technisch-strategisch; für diesen Bereich soll bis Jahresende ein Leitfaden erarbeitet werden, der Kriterien für mehr europäische Wertschöpfung festlegt.

Zielkonflikt zwischen Standort und Kosten

Künftig sollen bei Vergaben neben dem reinen Anschaffungspreis stärker Lebenszykluskosten, Qualität und Versorgungssicherheit gewichtet werden. Schon heute erlaubt das Vergaberecht solche Kriterien; neu wäre eine systematischere Anwendung bei großen strategischen Beschaffungen. Da europäische Produktion oft teurer ist als Angebote aus Drittstaaten, kann das laut den vorliegenden Berichten zu höheren Anschaffungspreisen führen. Hattmannsdorfer selbst spricht angesichts der angespannten Budgetlage von einem „Spannungsfeld“ zwischen Standortstärkung und Kosten. Wie groß dieser Effekt in der Praxis ausfällt, lässt sich anhand der bisher vorliegenden Berichte nicht beziffern.

Wie groß ist das oft genannte China-Risiko wirklich?

Wie viel der 67 Milliarden Euro tatsächlich außerhalb Österreichs und Europas landet, geht aus den bisher vorliegenden Angaben nicht eindeutig hervor. Ältere Wifo-Zahlen zeichnen ein differenzierteres Bild als die öffentliche Debatte nahelegt: Bis 2020 entfielen demnach nur 0,2 Prozent der österreichischen Vergaben direkt auf chinesische Anbieter, knapp 11 Prozent auf die USA und rund 8 Prozent auf andere Staaten außerhalb der EU. Ein Risiko dürfte damit weniger im Namen des unmittelbaren Auftragnehmers liegen als in vorgelagerten Lieferketten, die in diesen Zahlen nicht erfasst sind. Diese Einordnung stammt aus einem einzelnen Bericht und ist nicht unabhängig gegengeprüft.

Was unklar bleibt

Offen ist, welche konkreten Änderungen im Vergabe- und Förderrecht der angekündigte Leitfaden letztlich enthalten wird und wie verbindlich er für Bund und Länder sein soll. Auch zu möglichen Mehrkosten für die öffentliche Hand liegen bislang keine belastbaren Schätzungen vor. Stellungnahmen von Bundesländern, Wirtschaftsverbänden oder der Opposition zu dem Vorstoß sind in den bisher gesichteten Berichten nicht enthalten – bekannt ist bislang lediglich Zustimmung aus Gewerkschaftskreisen. Wie belastbar die zitierte ASCII-Studie im Detail ist, lässt sich ohne Einsicht in das Original nicht beurteilen.