Nach dem Rücktritt von Gregor Schütze als stellvertretendem Vorsitzenden des ORF-Stiftungsrats hat das Kultur- und Medienministerium die Nachbesetzung des Postens ausgeschrieben. Bewerbungen sind bis 7. September 2026 möglich, die Stelle soll rasch für den Rest der laufenden Funktionsperiode besetzt werden. Da Schütze von der Bundesregierung nominiert worden war, liegt die Neubesetzung ebenfalls in deren Zuständigkeit.
Schütze hatte sein Amt am 11. August 2026 zurückgelegt, im Rahmen jener Sitzung, in der auch das Direktorenteam des designierten ORF-Chefs Clemens Pig bestellt wurde. Als Grund nannte er seinen Fokus auf eigene Unternehmen. Schütze leitete zugleich den ÖVP-„Freundeskreis“ und zählte zu mehreren Stiftungsräten, denen Unvereinbarkeiten zwischen ihrer PR-Tätigkeit und der Gremienfunktion vorgeworfen wurden – Vorwürfe, die sich bislang nicht erhärtet haben.
Offen bleibt, warum zwischen Rücktritt und Ausschreibung rund zwei Wochen vergingen und wie ORF-Führung sowie andere Gremienmitglieder die Nachbesetzung einschätzen. Der Stiftungsrat steht wegen separater Ermittlungen gegen seinen Vorsitzenden Heinz Lederer ohnehin bereits verstärkt im Fokus.
Was passiert ist
Rund zwei Wochen nach dem Rücktritt von Gregor Schütze als stellvertretendem Vorsitzenden des ORF-Stiftungsrats hat das Kultur- und Medienministerium die Nachbesetzung des Postens ausgeschrieben. Interessentinnen und Interessenten können sich demnach bis 7. September 2026 bewerben. Ziel ist es laut Ausschreibungstext, die vakante Stelle unverzüglich für den Rest der laufenden Funktionsperiode zu besetzen. Weil Schütze seinerzeit von der Bundesregierung in das Gremium entsandt worden war, liegt auch die Neubesetzung in der Zuständigkeit der Regierung beziehungsweise des Ministeriums.
Der Rücktritt von Gregor Schütze
Schütze hatte seine Funktion am 11. August 2026 im Rahmen jener Stiftungsratssitzung zurückgelegt, in der auch das künftige Direktorenteam des designierten ORF-Generaldirektors Clemens Pig bestellt wurde. Als Begründung ließ er wissen, seinen beruflichen Fokus wieder ausschließlich auf seine eigenen Unternehmen richten zu wollen. Neben seiner Rolle im Stiftungsrat leitete Schütze auch den ÖVP-„Freundeskreis“, einen parteinahen Zusammenschluss innerhalb des Gremiums.
Unvereinbarkeitsvorwürfe im Hintergrund
Schütze zählte zu mehreren Stiftungsratsmitgliedern, denen Unvereinbarkeiten zwischen ihrer beruflichen Tätigkeit in der PR-Branche und den damit verbundenen Geschäftsbeziehungen einerseits und ihrer Funktion im Aufsichtsgremium des ORF andererseits vorgeworfen wurden. Nach Angaben der vorliegenden Berichte haben sich diese Vorwürfe bislang nicht erhärtet. Eine unabhängige Prüfung oder eine offizielle Klärung der Frage ist aus den vorliegenden Quellen nicht ersichtlich.
Wie der Stiftungsrat besetzt wird
Der ORF-Stiftungsrat umfasst insgesamt 35 Mitglieder. Sie werden von der Bundesregierung (6 Sitze), den Parlamentsparteien (6), den Bundesländern (9), dem ORF-Publikumsrat (9) sowie dem ORF-Zentralbetriebsrat (5) entsandt. Da der nun vakante Sitz zu jenen sechs zählt, die von der Regierung besetzt werden, läuft die Ausschreibung über das Kultur- und Medienministerium und nicht über die anderen entsendenden Stellen.
Was unklar bleibt
Offen bleibt, warum zwischen Schützes Rücktritt und der Veröffentlichung der Ausschreibung rund zwei Wochen vergingen. Auch eine Stellungnahme der ORF-Führung, des designierten Generaldirektors Clemens Pig oder anderer Stiftungsratsmitglieder zur Nachbesetzung liegt in den vorliegenden Quellen nicht vor. Ebenso unklar ist, ob und wie sich die Unvereinbarkeitsvorwürfe gegen weitere Mitglieder des Gremiums seither weiterentwickelt haben. Der ORF-Stiftungsrat steht zuletzt ohnehin verstärkt im Fokus – etwa wegen laufender Ermittlungen gegen seinen Vorsitzenden Heinz Lederer wegen des Verdachts der Nötigung, wie berichtet. Dabei handelt es sich um einen eigenständigen Vorgang, der mit der Causa Schütze nicht unmittelbar zusammenhängt.
