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Peking und drei große Essenslieferplattformen haben vereinbart, Wartezeiten an roten Ampeln künftig automatisch von der für Fahrerbewertungen maßgeblichen Lieferzeit abzuziehen. Bislang lief die Uhr in den Liefer-Algorithmen auch bei Rotlicht weiter. Laut Pekinger Marktaufsichtsbehörde sollen die Plattformen dafür Ampeldaten der Verkehrsbehörden nutzen; ab September wird das System zunächst in Teilen der Stadt erprobt und soll danach schrittweise ausgeweitet werden.

Zusätzlich wollen die Plattformen die Lieferzeiten neu berechnen: Grundlage soll künftig eine Durchschnittsgeschwindigkeit von höchstens 15 km/h sein, bei Schlechtwetter oder schwierigen Verkehrsverhältnissen gibt es mehr Zeit. Chinesische Medien und die Staatsagentur Xinhua nennen als beteiligte Plattformen Meituan, Taobao Shanshou und JD Waimai – eine Angabe, die über die österreichischen Ausgangsquellen hinausgeht und nicht aus einem Originaldokument der Behörde stammt.

Direkte Abzüge wegen verspäteter Lieferung wurden bereits weitgehend zurückgedrängt, Fahrer berichten aber weiterhin von hohem Zeitdruck und Angst vor schlechteren Bewertungen. Offen bleibt, in welchen Bezirken der Pilotbetrieb genau startet und wie sein Erfolg gemessen werden soll.

Was passiert ist

Peking und drei große Essenslieferplattformen haben sich darauf verständigt, Wartezeiten an roten Ampeln künftig automatisch von der Lieferzeit abzuziehen, die für die Bewertung der Fahrer entscheidend ist. Bislang lief die Uhr in den Algorithmen der Plattformen auch dann weiter, wenn Kuriere an einer Kreuzung auf Grün warten mussten. Wie die Pekinger Marktaufsichtsbehörde mitteilte, einigten sich die Plattformen bei Gesprächen mit Behörden und Fahrervertretern darauf, dafür Ampeldaten der Verkehrsbehörden zu nutzen: Wartet ein Fahrer etwa 90 Sekunden an Rot, werden ihm 90 Sekunden auf die reguläre Lieferzeit aufgeschlagen. Ab September soll das System zunächst in Teilen der Stadt erprobt und danach schrittweise ausgeweitet werden.

Was die Quellen zeigen

Die Maßnahme geht über die Rotlicht-Regel hinaus: Die Plattformen wollen die Lieferzeiten insgesamt neu berechnen und dabei künftig höchstens 15 Kilometer pro Stunde Durchschnittsgeschwindigkeit zugrunde legen. Bei schlechtem Wetter oder schwierigen Verkehrsverhältnissen soll es zusätzliche Zeit geben, ebenso wenn Aufträge zwischen Fahrern weitergegeben werden. Zusätzlich zu den drei österreichischen Medienberichten im Cluster zeigen chinesische Quellen – darunter die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua sowie mehrere Pekinger Medien – übereinstimmend, dass es sich bei den beteiligten Plattformen um Meituan, Taobao Shanshou und JD Waimai handelt und dass die Pekinger Marktaufsicht damit nach eigenen Angaben einen landesweit ersten ständigen Dialogmechanismus zwischen Plattformen, Plattformbeschäftigten und Verbänden verankert. Diese Details liefern zusätzlichen Kontext, stammen aber ausschließlich aus Medien- und Agenturberichten, nicht aus einem selbst eingesehenen Originaldokument der Behörde.

Was unklar bleibt

Offen ist, in welchen konkreten Bezirken der Pilotbetrieb im September genau startet – chinesische Medien nennen dazu leicht unterschiedliche Angaben – und nach welchem Zeitplan eine Ausweitung auf ganz Peking oder andere Städte erfolgen soll. Unklar bleibt auch, anhand welcher Kriterien die Behörden und Plattformen den Erfolg der neuen Regeln messen wollen und ob unabhängige Fahrervertretungen oder Arbeitsrechtsorganisationen die Maßnahme eigenständig bewerten. Wie stark sich der tatsächliche Zeitdruck für die geschätzt Millionen Essenskuriere in Chinas Großstädten dadurch im Alltag verändert, lässt sich aus den vorliegenden Berichten nicht ablesen.

Einordnung

Essenslieferungen in China werden weitgehend algorithmisch gesteuert: Systeme teilen Bestellungen zu, berechnen Routen und legen Lieferfristen fest, wovon für viele Fahrer der Verdienst unmittelbar abhängt. Direkte Abzüge wegen verspäteter Lieferung wurden Berichten zufolge bereits weitgehend zurückgedrängt, dennoch berichten Fahrer weiter von hohem Zeitdruck und der Sorge vor schlechteren Bewertungen. Die neue Regel reiht sich in eine Serie chinesischer Eingriffe der vergangenen Jahre ein, mit denen Behörden auf wiederholte öffentliche Kritik an den Arbeitsbedingungen in der Plattformökonomie reagiert haben. Ob die Maßnahme den Zeitdruck spürbar senkt oder vor allem symbolischen Charakter hat, lässt sich erst nach dem Pilotbetrieb im September beurteilen.