Die seit 3. August laufende Entsendung von Polizeikräften aus den Bundesländern nach Wien wird ab September deutlich ausgeweitet. Zu den bisher vier beteiligten Bundesländern Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark und Burgenland kommen laut einer Presseaussendung des Innenministeriums ab September auch Salzburg und Kärnten hinzu. Die Gesamtzahl der entsandten Beamtinnen und Beamten steigt von 24 auf 48, und die bisher tageweise Zuteilung wird auf eine durchgehende Dauer von bis zu drei Monaten umgestellt – aus Sicht des Ministeriums ökonomischer, unter anderem wegen eingesparter Reisezeiten. Die Kräfte unterstützen weiterhin Schwerpunktaktionen der Einsatzgruppe gegen Jugendkriminalität (EJK), vor allem in den Nachtstunden im gesamten Wiener Stadtgebiet. Ein mittlerweile vorliegender Volltextauszug eines bereits zitierten Kurier-Berichts bestätigt diese Eckdaten und ergänzt ein Zitat von Bundespolizeidirektor Michael Takács, der die Maßnahme mit der österreichweiten, flexiblen Organisation der Bundespolizei begründete: “Kirchturmdenken” gehöre der Vergangenheit an.
Als Grund für die Ausweitung nennt die Bundespolizeidirektion Wien laut einem Bericht von Der Standard, der sich auf ein der APA vorliegendes Schreiben beruft, das “geballte Auftreten von migrantischen Jugendgruppierungen” – eine Formulierung, die bislang nur aus einer Quelle stammt und nicht unabhängig geprüft oder quantifiziert werden konnte. Laut einem Kurier-Bericht wurden 2025 in Wien 7.386 Verdächtige im Alter von 18 bis unter 21 Jahren angezeigt (713 mehr als 2024), bei den 14- bis 17-Jährigen stieg die Zahl von 9.522 auf 10.164; auch diese Zahlen sind bislang nur einfach belegt.
Personalvertreter aus mehreren Bundesländern und Wien sowie ein FPÖ-Mandatar hatten die ursprüngliche Entsendung bereits als Hinweis auf Personalengpässe bei der Wiener Polizei bzw. als zusätzliche Belastung für die Bundesländer kritisiert; ob sich diese Kritik angesichts der Ausweitung erneuert hat, ist nicht bekannt. Warum konkret eine so deutliche Verstärkung nötig ist, obwohl laut Innenministerium so viele Polizistinnen und Polizisten wie noch nie im Dienst stehen, sowie eine eigene Stellungnahme der neu betroffenen Landespolizeidirektionen Salzburg und Kärnten bleiben offen.
Was sich geändert hat
Die seit August laufende Entsendung von Polizeikräften aus den Bundesländern nach Wien wird ab September deutlich ausgeweitet. Wie das Innenministerium bekanntgab, kommen zu den bisher vier beteiligten Bundesländern Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark und Burgenland ab September auch Salzburg und Kärnten hinzu. Die Gesamtzahl der entsandten Beamtinnen und Beamten steigt von 24 auf 48. Zugleich wird die bisher tageweise Zuteilung auf eine durchgehende Zuteilungsdauer von bis zu drei Monaten umgestellt – aus Sicht des Ministeriums sinnvoller und ökonomischer, unter anderem wegen eingesparter Reisezeiten. Ein mittlerweile vorliegender Volltextauszug eines bereits zitierten Kurier-Berichts bestätigt diese Eckdaten und ergänzt ein Zitat von Bundespolizeidirektor Michael Takács zur Begründung der Maßnahme; inhaltlich Neues zu den weiterhin offenen Fragen – etwa zu Stellungnahmen der neu betroffenen Landespolizeidirektionen – liefert dieser Bericht nicht.
Der bisherige Einsatz seit August
Seit Montag, dem 3. August 2026, pendeln täglich 24 Polizeibedienstete aus den vier ursprünglich betroffenen Bundesländern von Montag bis Samstag nach Wien, um Schwerpunktaktionen der Einsatzgruppe gegen Jugendkriminalität (EJK) zu unterstützen. Das Innenministerium hatte die Maßnahme gegenüber der APA als Routine bezeichnet, wie sie auch bei Fußballspielen oder dem Song Contest üblich sei.
Die Position des Innenministeriums
Laut einer Presseaussendung des Innenministeriums haben seit Bekanntwerden der Zuteilungsmöglichkeit zahlreiche Polizistinnen und Polizisten aus allen Bundesländern von sich aus Interesse an einem freiwilligen, vorübergehenden Dienst in Wien geäußert. Man geht demnach davon aus, dass auch die ab September verlängerten Zuteilungen mit freiwilligen Kolleginnen und Kollegen gedeckt werden können. Die zusätzlichen Kräfte werden der Bereitschaftseinheit Wien zugeordnet und laut Ministerium unter anderem im Streifendienst an Kriminalitäts-Hotspots, bei Suchtmitteldelikten, Demonstrationen oder Fußballspielen eingesetzt – in Wien liegt der Schwerpunkt auf der Bekämpfung von Jugendkriminalität, mit Einsätzen vor allem in den Nachtstunden, weil im Sommer und in der schulfreien Zeit mehr Menschen zu späterer Stunde im öffentlichen Raum unterwegs seien. Ein Sprecher der Bundespolizeidirektion erklärte gegenüber dem Kurier zudem, dass mit dem Schulbeginn im September wieder mehr Betrieb in der Stadt zu erwarten sei, worauf die Einschätzung basiere, wo Schwerpunktaktionen nötig seien. Bundespolizeidirektor Michael Takács wird in diesem Zusammenhang mit den Worten zitiert, man setze ‘polizeiliche Schwerpunkte dort, wo sie erforderlich sind’; ‘Kirchturmdenken’ gehöre der Vergangenheit an, Flexibilität und Beweglichkeit seien heute wesentliche Grundsätze moderner Polizeiarbeit. Die österreichweite Organisation der Bundespolizei ermögliche es, Kräfte rasch bundesländerübergreifend einzusetzen.
Der genannte Grund: ‘migrantische Jugendgruppierungen’
Als Grund für die Ausweitung nennt die Bundespolizeidirektion Wien laut einem Bericht von Der Standard, der sich auf ein der Nachrichtenagentur APA vorliegendes Schreiben an die Landespolizeidirektionen beruft, das “geballte Auftreten von migrantischen Jugendgruppierungen”. Diese Formulierung stammt bislang nur aus einer Medienquelle, die sich auf ein internes, von uns nicht selbst eingesehenes Dokument stützt. Weder eine Quantifizierung noch eine unabhängige Einordnung dieser Begründung liegt vor; die Angabe wird hier ausschließlich als attribuiertes Zitat wiedergegeben.
Zahlen zur Jugendkriminalität in Wien
Laut einem Kurier-Bericht wurden in Wien 2025 insgesamt 7.386 Tatverdächtige im Alter von 18 bis unter 21 Jahren angezeigt – um 713 mehr als im Vorjahr. Bei den 14- bis 17-Jährigen soll die Zahl der Verdächtigen von 9.522 (2024) auf 10.164 (2025) gestiegen sein, bei den unter Zehnjährigen von 216 auf 243. Besonders bei den 10- bis 14-Jährigen hätten laut diesem Bericht Einbruchsdiebstähle und Körperverletzungen stark zugenommen. Diese Zahlen liegen bislang nur aus einer einzigen Quelle vor; eine eigenständige Prüfung anhand der amtlichen Kriminalstatistik oder eines Sicherheitsberichts wurde nicht vorgenommen.
Kritik von Personalvertretung und FPÖ
Personalvertreter aus mehreren Bundesländern und aus Wien äußerten sich zur ursprünglichen Entsendung kritischer. Ein Vertreter der sozialdemokratischen Personalvertretung in Oberösterreich verwies darauf, dass trotz angeblich historisch hoher Personalstände zugeteilt werden müsse. Ein Vertreter der christlichen Personalvertretung in Wien nannte in diesem Zusammenhang 650 unbesetzte Planstellen im operativen Bereich der Wiener Polizei. Auch aus der SPÖ-nahen Personalvertretung in Wien hieß es, die Zuteilung sei zwar zu begrüßen, zeige aber ein personelles Grundproblem der Wiener Polizei auf, das durch die Verstärkung nicht gelöst werde. Kritik kam zudem von der FPÖ: Ein freiheitlicher Nationalratsabgeordneter und Personalvertreter sprach von “personellen Notmaßnahmen”, die zulasten der Sicherheit in den Bundesländern gingen, und verwies auf die zeitliche Belastung der Beamtinnen und Beamten durch Einsatzzeiten von 18 bis 3 Uhr zuzüglich An- und Abreise. Diese Einschätzungen liegen weiterhin nur aus einer Quelle vor und wurden nicht unabhängig bestätigt; ob und wie sich diese Kritik angesichts der nun beschlossenen Ausweitung erneuert oder verändert hat, ist bislang nicht bekannt.
Was unklar bleibt
Offen bleibt, warum genau eine so deutliche Ausweitung – von 24 auf 48 Beamtinnen und Beamte sowie von vier auf sechs Bundesländer – notwendig ist, wenn laut Innenministerium so viele Polizistinnen und Polizisten wie noch nie im Dienst stehen. Eine öffentlich einsehbare Anordnung oder Verordnung, die über die Presseaussendung und Sprecher-Statements hinausgeht, liegt weiterhin nicht vor. Auch eine eigene Stellungnahme der neu betroffenen Landespolizeidirektionen Salzburg und Kärnten sowie der übrigen Landespolizeidirektionen oder der Wiener Polizeiführung fehlt bislang, ebenso eine Aufschlüsselung, wie viele der 48 Planstellen ab September auf welches Bundesland entfallen. Unklar bleibt zudem, wie belastbar die im Zusammenhang mit der Maßnahme genannte Formulierung zu “migrantischen Jugendgruppierungen” ist und auf welcher Datengrundlage die im Kurier zitierten Kriminalstatistik-Zahlen beruhen. Zusätzlich berichtet wird weiterhin von einer seit rund zwei Jahren laufenden, separaten Entsendung von zehn bis 20 Beamtinnen und Beamten nach Vorarlberg – auch dazu gibt es bislang keine unabhängige Bestätigung.
Einordnung
Die Ausweitung von vier auf sechs Bundesländer und die Verlängerung der Zuteilungsdauer auf bis zu drei Monate zeigen, dass es sich bei der seit August laufenden Maßnahme nicht um eine kurzfristige Einzelaktion handelt, sondern um eine strukturell verstetigte Verstärkung der Wiener Polizei aus den Bundesländern. Der nun vorliegende Volltextauszug bestätigt diese Einschätzung: Das Innenministerium und der Bundespolizeidirektor stellen die Maßnahme explizit als Ausdruck einer österreichweit flexibel organisierten Bundespolizei dar, nicht als Ausnahmezustand. Die vom Innenministerium genannten Gründe – Schulbeginn, mehr Betrieb im öffentlichen Raum, ökonomischere Planung, organisatorische Flexibilität – stehen dabei neben einer sensiblen, bislang nur einfach belegten Begründung mit Bezug auf “migrantische Jugendgruppierungen”, die eigenständig nicht überprüfbar ist und hier bewusst nur als Zitat mit Quellenangabe wiedergegeben wird. Dass eine laut Innenministerium routinemäßige Maßnahme dennoch von Personalvertretern über Parteigrenzen hinweg sowie von der Opposition kritisiert wurde, deutet weiterhin auf eine angespannte Personalsituation zumindest an einzelnen Wiener Dienststellen hin. Eine abschließende Bewertung, ob es sich um Routine oder um eine strukturelle Notmaßnahme handelt, lässt sich auf Basis der vorliegenden Quellen weiterhin nicht treffen.
