Im neuen, siebenten Businesspark der Landesholding Burgenland bei Nickelsdorf im Bezirk Neusiedl am See wird über die Ansiedlung eines Großrechenzentrums spekuliert, das laut übereinstimmenden Medienberichten viel Strom und Wasser benötigen würde. Bürgermeister Gerhard Zapfl (SPÖ) sagte, im Zuge der Umwidmung des rund 41 bis 50 Hektar großen Grundstücks bei der Autobahnabfahrt Mönchhof sei ihm von der Wirtschaftsagentur Burgenland vermittelt worden, dass dort ein Rechenzentrum entstehen solle. Konkretes will er erst bei einem Termin Mitte August erfahren.
Die Landesholding und die Wirtschaftsagentur bestätigen bislang keine ‘umsetzungsreifen’ Pläne, sprechen aber von laufenden Gesprächen mit Interessenten. Die Netz Burgenland GmbH bestätigt mehrere Anfragen für große Rechenzentren, ohne Details zu nennen. Kritik kommt vom früheren Agrarlandesrat Werner Falb-Meixner (ÖVP), der wegen bestehender Wassernutzungskonflikte skeptisch ist, sowie vom Bürgermeister selbst, der mangelnde Information seiner Gemeinde beklagt.
Ob, von wem und in welcher Dimension ein Rechenzentrum tatsächlich gebaut werden soll, ist offen – anders als beim vergleichbaren Google-Projekt im oberösterreichischen Kronstorf gibt es in Nickelsdorf bislang weder Investor noch Genehmigungsantrag.
Was passiert ist
In Nickelsdorf im Bezirk Neusiedl am See wird über die Ansiedlung eines Großrechenzentrums spekuliert. Auslöser war ein Bericht des Magazins profil, wonach im jüngsten, mittlerweile siebenten Businesspark der Landesholding Burgenland – gelegen an der A4-Abfahrt Mönchhof auf Nickelsdorfer Gemeindegebiet – ein Rechenzentrum entstehen könnte, das viel Strom und Wasser benötigen würde. Bürgermeister Gerhard Zapfl (SPÖ) sagte dem Kurier, im Zuge des Umwidmungsprozesses sei ihm von der Holding-Tochter Wirtschaftsagentur Burgenland vermittelt worden, dass hier ein Rechenzentrum entstehen solle. Gegenüber dem ORF Burgenland bestätigte er, dass es schon länger Überlegungen gegeben habe, am Industriestandort etwas ‘Sinnvolles’ zu machen, ohne dabei Details zu nennen. Konkreteres soll er erst bei einem Termin Mitte August erfahren.
Was die Quellen zeigen
Sowohl die Landesholding als auch die ihr unterstellte Wirtschaftsagentur Burgenland wichen auf Anfrage aus: Man könne ‘konkrete Planungen für ein Großrechenzentrum nicht bestätigen’, es gebe ‘keinen umsetzungsreifen Plan’ für ein solches Projekt. Für das Grundstück in Nickelsdorf würden aber ‘laufend’ Gespräche mit unterschiedlichen Interessenten geführt. Das betroffene Grundstück bei der A4-Abfahrt Mönchhof umfasst laut profil zwischen 41 und 50 Hektar; die Flächenwidmung als Betriebsbauland wurde nach Kurier-Angaben bereits im Vorjahr von der Raumplanungsbehörde des Landes genehmigt. Die Netz Burgenland GmbH, eine Tochter der Burgenland Energie, die für die Anbindung ans Stromnetz zuständig wäre, erklärte gegenüber Kurier und ORF, aktuell lägen ‘mehrere Anfragen’ für solche Großprojekte vor – nähere Angaben verweigerte sie mit Verweis auf ‘zwingende regulatorische Vorgaben’. Wie viele Gemeinden an dem als interkommunal geplanten Businesspark beteiligt sind, war nicht zu erfahren.
Kritik und Bedenken
Kritische Stimmen gibt es vor allem wegen des hohen Wasserbedarfs solcher Anlagen. Der Landwirt und frühere Agrarlandesrat Werner Falb-Meixner (ÖVP) sieht die mögliche Ansiedlung angesichts bereits bestehender Konflikte um die Wassernutzung in der Region kritisch, berichtete der Kurier. Bürgermeister Zapfl selbst bemängelte, dass seine Gemeinde bislang kaum in den Prozess eingebunden worden sei: Er wolle wissen, wie viele Arbeitsplätze entstünden und wie viel Energie und Wasser benötigt werde. Dem Kurier zufolge sei das Land in der Sache um ‘Geheimhaltung’ bemüht gewesen.
Einordnung
Die Debatte erinnert an das deutlich weiter fortgeschrittene Rechenzentrums-Projekt von Google im oberösterreichischen Kronstorf, für dessen zweite Ausbaustufe laut ORF-Berichten bereits ein Bewilligungsantrag eingereicht wurde und das wegen hohen Stromverbrauchs sowie der Einleitung erwärmten Kühlwassers in die Enns seit Monaten kontrovers diskutiert wird. Ob Nickelsdorf tatsächlich eine ähnliche Dimension erreicht, ist derzeit offen: Anders als in Kronstorf gibt es dort bislang weder einen bestätigten Investor noch einen eingereichten Genehmigungsantrag.
Was unklar bleibt
Offen ist, ob und von wem ein Rechenzentrum in Nickelsdorf tatsächlich realisiert werden soll, welche Kapazität es hätte und wie hoch der genaue Strom- und Wasserbedarf wäre. Unklar ist auch, wie viele Arbeitsplätze entstehen könnten, wie viele Gemeinden am Businesspark beteiligt sind und ob bereits ein Investor feststeht. Klarheit soll frühestens der für Mitte August angesetzte Termin zwischen Gemeinde und Wirtschaftsagentur bringen.
