Das US-Justizministerium hat eingeräumt, dass der Schaden am Reflecting Pool beim Lincoln Memorial in Washington nicht durch Vandalismus, sondern durch mangelhafte Arbeiten des beauftragten Bauunternehmens verursacht wurde. Die Staatsanwaltschaft beantragte, die Anklage wegen Sachbeschädigung gegen den früheren US-Olympia-Kanuten David Hearn (67) fallen zu lassen; Staatsanwältin Jeanine Pirro erklärte laut ORF, die Beweisgrundlage gegen ihn sei entfallen. Der Pool war zuvor im Rahmen eines rund 14,7 Millionen Dollar teuren, ohne Ausschreibung vergebenen Auftrags an die Firma Atlantic Industrial Coatings neu abgedichtet worden – unter Zeitdruck vor den Feierlichkeiten zum 250. Jahrestag der USA fertiggestellt. Laut einzelnen Berichten könnten zudem Chemikalien, die zur Bekämpfung von Algenbefall ins Becken eingeleitet wurden, zusätzlich zur Ablösung des Bodenbelags beigetragen haben; unabhängig bestätigt ist das bislang nicht.
Hearns Anwälte erklärten nach der Verfahrenseinstellung, der Fall hätte „niemals vor Gericht gebracht werden dürfen“, sprachen von „Missbrauch staatlicher Macht“ und forderten von der Trump-Regierung eine Entschuldigung bei ihrem Mandanten. US-Präsident Trump ging derweil öffentlich auf Distanz zur eigenen Bundesanwältin: Auf Truth Social schrieb er, er sei „vollkommen anderer Meinung“ als Pirro und wisse nicht, „was ihr durch den Kopf gegangen ist“. Er räumte ein, es könne „vielleicht Probleme mit dem Bauunternehmer“ gegeben haben, hielt aber zugleich daran fest, dass seiner Ansicht nach der Hauptschaden von Vandalen verursacht worden sei – ohne dafür Beweise vorzulegen.
Offen bleibt, ob ein Gericht dem Einstellungsantrag formell und nachweisbar stattgibt, wie Pirro auf Trumps Kritik reagiert, ob die Regierung der Entschuldigungsforderung nachkommt und welche Konsequenzen die eingeräumten Baumängel für Atlantic Industrial Coatings haben. Auch wie es zur ursprünglichen Vergabe ohne Ausschreibung kam, ist weiterhin nicht abschließend geklärt.
Was passiert ist
Das US-Justizministerium hat in einer am Freitag eingereichten Gerichtsunterlage eingeräumt, dass der Schaden am historischen Reflecting Pool beim Lincoln Memorial in Washington nicht auf Vandalismus, sondern auf mangelhafte Arbeiten des beauftragten Bauunternehmens zurückzuführen ist. Die Staatsanwaltschaft beantragte, die Anklage wegen Sachbeschädigung gegen den früheren US-Olympia-Kanuten David Hearn (67) fallen zu lassen. Staatsanwältin Jeanine Pirro erklärte laut einem ORF-Bericht unter Berufung auf die „Washington Post“, die Beweisgrundlage gegen Hearn sei entfallen. Hearn war vorgeworfen worden, im Sommer die schützende Auskleidung des frisch sanierten Beckenbodens absichtlich herausgerissen zu haben; er hatte dies stets bestritten.
Hintergrund: die Sanierung des Reflecting Pool
Der Reflecting Pool war zuvor im Rahmen eines rund 14,7 Millionen Dollar (umgerechnet rund 12,2 Mio. Euro) schweren Auftrags neu abgedichtet worden, den die Behörden ohne öffentliche Ausschreibung an die Firma Atlantic Industrial Coatings vergeben hatten. Laut US-Medienberichten war das Projekt ursprünglich mit rund 1,8 Millionen Dollar veranschlagt, ehe sich die Kosten deutlich erhöhten. Die Arbeiten sollen unter Zeitdruck rechtzeitig vor den Feierlichkeiten zum 250. Jahrestag der USA rund um den 4. Juli 2026 abgeschlossen worden sein. Genau dieser Zeitdruck sowie eine aus Sicht des Justizministeriums fehlerhafte Verlegung durch die Baufirma gelten den Gerichtsunterlagen zufolge als Ursache für die sichtbaren Schäden am Beckenboden. Berichten zufolge kam als möglicher weiterer Faktor hinzu, dass öffentliche Bedienstete zur Bekämpfung von Algenbefall im Becken Chemikalien eingesetzt haben sollen – laut nicht näher genannten Fachleuten kann das ebenfalls zur Ablösung des Bodenbelags beitragen. Unabhängig bestätigt ist dieser Zusammenhang bislang nicht.
Der Fall gegen den Ex-Olympioniken
David Hearn nahm zwischen 1992 und 2000 dreimal als Kanute an Olympischen Spielen teil. Ihm war zur Last gelegt worden, den frisch verlegten Beckenboden mutwillig beschädigt zu haben, nachdem er bei einer Radtour ein Stück gelöster Farbe im Becken berührt hatte; ihm drohten bis zu zehn Jahre Haft. Nach der Anklageerhebung erhielt die Staatsanwaltschaft nach eigenen Angaben zusätzliche Unterlagen von zuständiger Stelle, die nahelegten, dass die Schäden auf die mangelhafte Verlegearbeit sowie den Zeitdruck bei der Fertigstellung zurückgehen. Jeanine Pirro – von Trump selbst als Bundesanwältin für den Bezirk Washington eingesetzt – erklärte laut übereinstimmenden Medienberichten, es sei angesichts der neuen Erkenntnisse schwierig, die großflächigen Schäden noch als vorsätzlichen Vandalismus zu werten.
Reaktion von Hearns Anwälten
Nach der Verfahrenseinstellung meldeten sich auch Hearns Anwälte zu Wort. Der Fall hätte laut ihrer Erklärung „niemals vor Gericht gebracht werden dürfen“; die Einstellung mache den „Missbrauch staatlicher Macht bei der Festnahme und Anklage eines patriotischen Amerikaners, der nichts Unrechtes getan hat“, nicht ungeschehen. Sie forderten von der Trump-Regierung eine Entschuldigung bei ihrem Mandanten. Eine Reaktion der Regierung auf diese Forderung liegt in den vorliegenden Quellen bislang nicht vor.
Trump kritisiert seine eigene Bundesanwältin
Nach Bekanntwerden der Verfahrenseinstellung meldete sich Trump selbst zu Wort und ging öffentlich auf Distanz zu Pirros Entscheidung. Auf seinem Onlinedienst Truth Social schrieb er, er sei „vollkommen anderer Meinung als Jeanine Pirro“ und wisse nicht, „was ihr durch den Kopf gegangen ist“. Er hielt daran fest, dass seiner Ansicht nach der Hauptschaden von Vandalen verursacht worden sei, räumte aber ein, es könne „vielleicht Probleme mit dem Bauunternehmer“ gegeben haben. Belege für seine Vandalismus-These legte er weiterhin nicht vor. Mehrere Medien werten die Äußerung als indirektes Eingeständnis dessen, was politisch Verantwortliche und Berichterstattung seit Wochen als wahrscheinlichste Ursache nennen – eine missglückte Renovierung. Trumps eigene Formulierung bleibt dabei jedoch widersprüchlich, da er die Hauptverantwortung weiterhin bei Vandalen sieht, obwohl seine eigene Behörde die Anklage deswegen fallen lässt. Eine eigene Stellungnahme Pirros zu Trumps Kritik liegt bislang nicht vor.
Was unklar bleibt
Offen ist, ob das zuständige Gericht dem Einstellungsantrag tatsächlich formell und nachweisbar stattgibt – der Antrag wurde am Freitag gestellt, ein eigens zitierter Gerichtsbeschluss liegt laut vorliegenden Quellen weiterhin nicht vor, auch wenn mehrere Medien, darunter ein neuerer ORF-Bericht, den Fall bereits als abgeschlossen darstellen. Weiterhin offen ist, wie Jeanine Pirro auf Trumps öffentliche Kritik reagiert und ob dieser seltene öffentliche Dissens zwischen Trump und einer von ihm selbst eingesetzten Bundesanwältin personelle oder politische Folgen hat. Unklar bleibt zudem, ob und wie die Trump-Regierung auf die Forderung von Hearns Anwälten nach einer Entschuldigung reagiert, welche Konsequenzen die eingeräumten Baumängel für Atlantic Industrial Coatings haben, und ob die berichtete Einleitung von Chemikalien zur Algenbekämpfung tatsächlich zur Ablösung des Bodenbelags beigetragen hat. Zur genauen Vergabepraxis und den Gründen für den Verzicht auf eine Ausschreibung liegen ebenfalls keine abschließenden, von den Behörden selbst bestätigten Angaben vor. Eine eigene Stellungnahme der Baufirma zu den Vorwürfen ist in den vorliegenden Quellen weiterhin nicht dokumentiert.
Einordnung
Der Fall reiht sich in eine Serie kritischer US-Medienberichte über die Sanierung des Reflecting Pool im Umfeld der America-250-Feierlichkeiten ein, in denen wiederholt Fragen zur Auftragsvergabe und zur Qualität der Arbeiten aufgeworfen wurden. Mit Trumps öffentlicher Kritik an seiner eigenen Bundesanwältin und der scharfen Reaktion von Hearns Anwälten bekommt die Geschichte eine zusätzliche politische Note: Ein von Trump selbst eingesetzter Amtsträger widerspricht seiner Darstellung öffentlich, während die Betroffenenseite der Regierung Machtmissbrauch vorwirft und Trump gleichzeitig an der ursprünglichen Vandalismus-These festhält. Für Österreich und die EU hat der Vorgang keine unmittelbare politische oder wirtschaftliche Relevanz; berichtet wird vor allem, weil ein prominentes historisches Wahrzeichen in Washington sowie eine öffentlichkeitswirksame Kehrtwende der US-Justiz und ein offener Dissens innerhalb der Trump-Regierung betroffen sind.
