Das Land Mecklenburg-Vorpommern und ein Unternehmen der Schwarz Gruppe haben laut gemeinsamer Presseaussendung eine Partnerschaft für Investitionen in Infrastruktur und Digitalisierung geschlossen. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig verkündete die Ansiedlung rund drei Wochen vor der Landtagswahl im Land: Schwarz Digits, die IT-Sparte der Schwarz Gruppe mit Lidl, Kaufland und StackIT, plant im Gewerbegebiet von Dummerstorf bei Rostock ein Rechenzentrum mit 240 Megawatt Anschlussleistung, vor allem für KI-Systeme. Mehrere unabhängige Medien berichten übereinstimmend, dass dafür bis 2033 rund 5,6 Milliarden Euro investiert werden sollen.
Der Standort liegt nahe einem Umspannwerk mit Anschluss an Offshore-Windkraft. Die Abwärme soll laut einer – bislang unverbindlichen – Absichtserklärung künftig als Fernwärme für Rostock dienen, wo ein solches Netz bereits rund 40 Prozent des Wärmebedarfs deckt. Schwarz Digits baut parallel ein weiteres großes Rechenzentrum in Brandenburg und will sich zu einem führenden Cloud-Anbieter in Europa entwickeln.
Offen bleiben ein möglicher späterer Ausbau auf bis zu ein Gigawatt, eine mögliche Bewerbung um EU-Fördermittel als „AI Gigafactory“ sowie Details zu Genehmigung, Fördermitteln und Netzbelastung.
Was passiert ist
Das Land Mecklenburg-Vorpommern und ein Unternehmen der Schwarz Gruppe haben laut gemeinsamer Presseaussendung eine Partnerschaft für Investitionen in Infrastruktur und Digitalisierung geschlossen. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig verkündete die Gewerbeansiedlung rund drei Wochen vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. Konkret plant Schwarz Digits, die IT-Sparte der Schwarz Gruppe, zu der unter anderem Lidl, Kaufland und der Cloud-Anbieter StackIT gehören, im Gewerbegebiet von Dummerstorf bei Rostock ein Rechenzentrum mit einer Anschlussleistung von 240 Megawatt. Mehrere voneinander unabhängige Medien berichten übereinstimmend, dass die Schwarz Gruppe dafür bis 2033 rund 5,6 Milliarden Euro investieren will – der Großteil dürfte in Server für KI-Anwendungen fließen. Der Standort liegt am Autobahnkreuz A19/A20, rund acht Kilometer vom Rostocker Stadtzentrum entfernt.
Was die Quellen zeigen
Nahe Dummerstorf liegen mit der Konverterstation Bentwisch ein Anschluss an Offshore-Windkraft sowie ein großes Umspannwerk; in Mecklenburg-Vorpommern wird deutlich mehr Strom aus Wind- und Solarkraft erzeugt, als die Region selbst verbraucht. Laut einer Absichtserklärung soll die Abwärme des geplanten Rechenzentrums künftig als Fernwärme für Rostock genutzt werden – ein Netz, das schon jetzt rund 40 Prozent des städtischen Wärmebedarfs deckt, wobei ein verbindlicher Vertrag dazu bislang nicht vorliegt. Schwarz Digits baut parallel bereits an einem ähnlich großen Rechenzentrum im brandenburgischen Lübbenau mit rund 200 Megawatt Leistung und einem berichteten Investitionsvolumen von etwa 11 Milliarden Euro, auch dort mit geplanter Abwärmenutzung, und hat kürzlich im baden-württembergischen Bad Friedrichshall bei Heilbronn einen neuen Campus für 3500 Mitarbeiter eröffnet. Das Unternehmen positioniert sich damit als angehender großer Cloud-Anbieter in Europa.
Was unklar bleibt
Ob und wann ein von der Schwarz Gruppe erwogener späterer Ausbau des Standorts auf bis zu ein Gigawatt Anschlussleistung tatsächlich kommt, ist offen; die Quellen nennen dafür keinen einheitlichen Zeithorizont. Unklar ist auch, ob sich Schwarz Digits – laut einem Medienbericht „so gut wie sicher“, aber offiziell unbestätigt – gemeinsam mit der Deutschen Telekom um eine der von der EU-Kommission Ende Juli ausgeschriebenen „AI Gigafactories“ bewirbt. Wer die Ansiedlungspläne für das Gewerbegebiet ursprünglich vorangetrieben hat, wird in Presseberichten dem Projektentwickler Freo Group zugeschrieben, ohne dass dies aus den vorliegenden Quellen unabhängig bestätigt ist. Offen bleiben zudem die konkreten vertraglichen Zusagen des Landes im Rahmen der „Partnerschaft“, mögliche Fördermittel, der Genehmigungsstand sowie Auswirkungen auf die regionale Stromnetzbelastung, zu denen bislang keine Stellungnahme von Netzbetreibern oder unabhängige Prüfungen vorliegen.
Einordnung
Das Projekt reiht sich in eine Serie großer Rechenzentrums-Investitionen in Deutschland ein, etwa von Microsoft im Rheinischen Revier mit bis zu rund 520 Megawatt, von NTT im rheinland-pfälzischen Nierstein mit 480 Megawatt und von Telis im niedersächsischen Mehrum mit 500 Megawatt. Die deutsche Bundesregierung verfolgt das Ziel, die heimische Rechenzentrumskapazität deutlich zu erhöhen, an der Umsetzung dieser Pläne gibt es jedoch auch Kritik. Dass die Ankündigung wenige Wochen vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern erfolgte, wurde in der Medienberichterstattung als zeitlicher Zusammenhang festgehalten; ob und welche politische Bedeutung dem zukommt, lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht abschließend beurteilen.
