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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am 8. August 2026 erstmals seit Kriegsbeginn Serbien besucht und in Belgrad seinen Amtskollegen Aleksandar Vučić getroffen. Beide Länder unterzeichneten eine Absichtserklärung zur Kooperation in Landwirtschaft und Lebensmittelsicherheit, ein Freihandelsabkommen soll bis Jahresende ausgearbeitet werden – eine Voraussetzung für Serbiens angestrebten WTO- und EU-Beitritt, nachdem die Ukraine ein solches Abkommen laut Die Presse seit 2005 wegen Agrarstreitigkeiten blockiert hatte. Selenskyj dankte Serbien zudem für humanitäre Hilfe im Medizin- und Energiebereich und erklärte laut einer Quelle, die Ukraine habe wegen russischer Angriffe praktisch keine intakten Wärmekraftwerke mehr.

Eine militärische Zusammenarbeit schloss Vučić ausdrücklich aus – eine gemeinsame Drohnenproduktion mit der Ukraine sei nicht geplant, wohl aber eine ähnliche Kooperation mit Israel. Beide Präsidenten bekräftigten zudem, die territoriale Integrität des jeweils anderen Landes zu respektieren, ohne das Kosovo dabei ausdrücklich zu nennen – sowohl Belgrad als auch Kiew erkennen dessen Unabhängigkeit nicht an.

Der Besuch erfolgt, nachdem Vučić erst Mitte Juli beim Ukraine-Südosteuropa-Gipfel in Kiew als einziger Teilnehmer eine gemeinsame Erklärung zur Ukraine-Unterstützung nicht unterzeichnet hatte. Serbien hält weiterhin an seiner Position fest, sich den EU-Sanktionen gegen Russland nicht anzuschließen, und ein ukrainischer Regierungsvertreter erklärte laut AFP, man müsse „die Serben von der Seite Russlands wegziehen“ – eine Einzelquellen-Aussage. Vučić steht zudem laut Die Presse in den kommenden Monaten vor vorgezogenen Wahlen. Wie das angekündigte Freihandelsabkommen konkret umgesetzt wird, ist noch offen.

Was passiert ist

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am 8. August 2026 erstmals seit Beginn des russischen Angriffskriegs Serbien besucht. In Belgrad traf er seinen serbischen Amtskollegen Aleksandar Vučić zu Gesprächen, bei denen es laut übereinstimmenden Berichten sowohl um bilaterale Wirtschaftskooperation als auch um den EU-Annäherungskurs beider Länder ging. Vertreter beider Staaten unterzeichneten eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit in Landwirtschaft und Lebensmittelsicherheit. Selenskyj kündigte zudem an, dass ein Freihandelsabkommen zwischen Ukraine und Serbien bis Ende des Jahres ausgearbeitet werden solle, und dankte Serbien für humanitäre Hilfe im Medizin- und Energiebereich. Für Serbien ist dieses Abkommen von zentraler Bedeutung, weil es eine Voraussetzung für den angestrebten Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) und zur Europäischen Union ist – die Ukraine hatte eine entsprechende Vereinbarung laut Die Presse seit 2005 wegen Streitigkeiten über Agrarquoten und -zölle blockiert.

Kooperation mit Grenzen

Eine militärische Zusammenarbeit stand laut Vučić nicht zur Debatte. Bei der gemeinsamen Pressekonferenz verneinte er explizit, dass Serbien mit der Ukraine gemeinsam Drohnen bauen wolle – eine solche Kooperation sei stattdessen mit Israel geplant. Damit markierte Vučić deutlich, wie weit die Annäherung an Kiew gehen soll und wo sie endet. Gleichzeitig erklärte er, sein Land unterstütze die territoriale Integrität der Ukraine, und dankte Kiew im Gegenzug für eine vergleichbare Position Serbiens – ohne dabei ausdrücklich das Kosovo zu nennen, auf das sich diese Aussage aber erkennbar bezog. Sowohl Belgrad als auch Kiew erkennen die 2008 erklärte Unabhängigkeit des Kosovo nicht an, aus unterschiedlichen, aber jeweils strategischen Gründen: Serbien betrachtet das Kosovo völkerrechtlich weiterhin als eigenes Staatsgebiet, die Ukraine will keinen Präzedenzfall für Gebietsabspaltungen schaffen, der sich auf die von Russland beanspruchten Regionen Donbas und Krim übertragen ließe. Selenskyj bedankte sich zudem für humanitäre Unterstützung Serbiens im Medizin- und Energiebereich und verwies laut Die Presse darauf, die Ukraine habe wegen russischer Angriffe praktisch keine intakten Wärmekraftwerke mehr – eine Einschätzung, die im vorliegenden Quellenmaterial nur von einer Seite stammt und nicht unabhängig überprüfbar ist. Er warf Russland vor, mit seinen Raketenangriffen gezielt das Leben der Ukrainer unerträglich machen zu wollen.

Vučić zwischen Kiew und Moskau

Der Besuch fällt in eine Phase, in der Serbien schon mehrfach zwischen seiner traditionellen Russland-Nähe und einer vorsichtigen Annäherung an die Ukraine laviert. Noch Mitte Juli hatte Vučić beim Ukraine-Südosteuropa-Gipfel in Kiew, an dem auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen teilnahm, als einziger Teilnehmer die Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung zur fortgesetzten Unterstützung der Ukraine und zu höherem Druck auf Russland verweigert. Serbien hat sich den EU-Sanktionen gegen Moskau bislang nicht angeschlossen und hält nach Vučićs eigenen Angaben an dieser seit rund fünf Jahren bestehenden Position fest. Zugleich soll das Balkan-Land laut ORF-Berichten Waffen an die Ukraine liefern, ohne dies offiziell einzuräumen – eine Angabe, die im vorliegenden Quellenmaterial nicht unabhängig bestätigt wird. Ein hochrangiger ukrainischer Regierungsvertreter erklärte laut ORF unter Berufung auf die Nachrichtenagentur AFP, man müsse „die Serben von der Seite Russlands wegziehen“, und bezeichnete Selenskyjs Besuch als „Schlag ins Gesicht“ für Russland – eine Einschätzung, die nur über diese eine Quelle vorliegt und als Positionierung eines ukrainischen Regierungsvertreters, nicht als objektive Tatsache, zu lesen ist. Zusätzliche Brisanz erhält der Besuch dadurch, dass Vučić laut Die Presse in den kommenden Monaten vor vorgezogenen Wahlen steht – er versucht damit, seinen außenpolitischen Balanceakt zwischen EU-Annäherung und der historisch engen, auch von Gasabhängigkeit geprägten Beziehung zu Russland aufrechtzuerhalten.

Was unklar bleibt

Offen ist, wie konkret die angekündigten Vorhaben in den kommenden Monaten umgesetzt werden – etwa der Zeitplan und Inhalt des geplanten Freihandelsabkommens, dessen Abschluss auch Serbiens WTO-Beitrittsgesuch voranbringen soll, oder Details zur von Vučić erwähnten Drohnen-Kooperation mit Israel. Ebenso wenig lässt sich aus den vorliegenden Quellen unabhängig verifizieren, in welchem Umfang Serbien tatsächlich Waffen an die Ukraine liefert, wie belastbar Selenskyjs Angabe zum Zustand der ukrainischen Wärmekraftwerke ist, oder wie Russland offiziell auf die laut AFP zugeschriebene Aussage eines ukrainischen Regierungsvertreters reagiert. Offizielle Dokumente oder Aussendungen der beiden Präsidentschaftskanzleien zum Besuch liegen weiterhin nicht vor; die Darstellung stützt sich auf Medienberichte, die sich in den zentralen Punkten aber decken.

Einordnung

Der Besuch reiht sich in eine Serie von Begegnungen zwischen Selenskyj und Vučić bei internationalen Gipfeltreffen ein, verläuft nun aber erstmals auf serbischem Boden – ein Signal, dessen Symbolik von internationalen Medien wie Bloomberg als Zeichen einer schrittweisen Reduktion russischen Einflusses in Serbien gedeutet wird. Für beide Länder ist der EU-Beitrittsprozess ein zentrales gemeinsames Interesse, auch wenn Serbien mit seiner fortbestehenden Russland-Nähe und der Nichtteilnahme an EU-Sanktionen ein Sonderfall unter den Beitrittskandidaten bleibt. Dass Vučić die Annäherung ausgerechnet in einer Phase vorantreibt, in der er selbst vor vorgezogenen Wahlen steht, dürfte auch innenpolitisch zu lesen sein. Wie belastbar die nun vereinbarte wirtschaftliche Kooperation ist, dürfte sich erst an der tatsächlichen Umsetzung von Freihandelsabkommen und Landwirtschaftskooperation zeigen.