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Fünf Jahre nach dem Fall Kabuls an die Taliban im August 2021 haben diese den Jahrestag ihrer Machtübernahme mit einer Zeremonie in der Hauptstadt gefeiert – mit Fahnen, Festreden und aus Militärhubschraubern abgeworfenen Blumen, übertragen vom staatlichen Sender RTA. Außenminister Amir Khan Muttaqi erklärte dabei, die Weltanschauungen und Werte der afghanischen Regierung und Nation seien heute im Einklang.

Dieser Selbstdarstellung steht eine deutlich andere Einschätzung internationaler Beobachter gegenüber. Human Rights Watch bezeichnet die Lage nach fünf Jahren Taliban-Herrschaft als eine der gravierendsten Menschenrechtskrisen weltweit, mit massiven Einschränkungen vor allem für Frauen und Mädchen bei Bildung, Arbeit und Bewegungsfreiheit; fast 40 Prozent der Bevölkerung seien auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die Hilfsorganisation Care beschreibt die Lage ähnlich als weiterhin prekär, auch wenn aktive Kämpfe in vielen Landesteilen zurückgegangen seien. Medien schildern zudem persönliche Fälle junger Afghaninnen und Afghanen, deren Bildungs- und Berufswege stark eingeschränkt sind.

In Österreich forderte die SPÖ-Außenpolitiksprecherin Petra Bayr humanitäres und diplomatisches Engagement sowie die Freilassung aller verschleppten Personen. Offen bleiben belastbare Statistiken zur Jugendsituation sowie offizielle Reaktionen europäischer Institutionen und der Taliban selbst auf die Menschenrechtskritik.

Was passiert ist

Fünf Jahre nach dem Fall Kabuls an die Taliban im August 2021 hat die afghanische De-facto-Regierung den Jahrestag ihrer Machtübernahme mit einer offiziellen Zeremonie in der Hauptstadt begangen. Fahnen, Festreden und aus Militärhubschraubern abgeworfene Blumen prägten den Ablauf, der vom staatlichen Sender RTA landesweit übertragen wurde. Außenminister Amir Khan Muttaqi erklärte bei der Feier, die Weltanschauungen und Werte der afghanischen Regierung und Nation seien heute miteinander im Einklang. Die Inszenierung folgt einem Muster, das die Taliban bereits bei früheren Jahrestagen ihrer Machtübernahme gezeigt haben: Sie präsentieren sich nach außen als gefestigte, breit akzeptierte Regierung.

Menschenrechtliche und humanitäre Lage

Die Selbstdarstellung der Taliban steht in scharfem Kontrast zur Einschätzung internationaler Beobachter. Human Rights Watch bezeichnet die Lage nach fünf Jahren Taliban-Herrschaft als eine der gravierendsten Menschenrechtskrisen weltweit. Besonders betroffen sind Frauen und Mädchen: Ihnen ist der Zugang zu weiterführender Schul- und Hochschulbildung verwehrt, zusätzlich sind ihre Möglichkeiten bei Erwerbstätigkeit, Meinungsfreiheit und Bewegungsfreiheit außerhalb der eigenen vier Wände stark eingeschränkt. Journalistinnen, Journalisten, Aktivistinnen und Aktivisten sowie Menschen, die als Kritiker der Taliban gelten, sind laut der Organisation Einschüchterung, willkürlichen Festnahmen, Haft und Folter ausgesetzt. Nahezu 40 Prozent der afghanischen Bevölkerung sind demnach dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen. Diese Einschätzung deckt sich mit der Beobachtung der Hilfsorganisation Care: Deren Länderdirektor Mohammad Akmal Shareef bezeichnete die Situation in Afghanistan gegenüber dem Standard als eine der komplexesten humanitären Lagen weltweit. Die Intensität aktiver Konflikte habe zwar in vielen Landesteilen abgenommen, die humanitäre Lage bleibe aber weiterhin prekär.

Alltag der afghanischen Jugend

Neben den strukturellen Einschränkungen zeichnen österreichische Medien auch persönliche Bilder des Alltags unter der Taliban-Herrschaft nach: Eine junge Frau habe ihren Schulabschluss unter Geheimhaltung nachgeholt, weil Mädchen der reguläre Unterrichtsbesuch in höheren Schulstufen verwehrt bleibt. Ein junger Mann mit abgeschlossenem Universitätsstudium arbeite trotz seiner Qualifikation in einer Fabrik, weil ihm entsprechende Berufsfelder verschlossen seien. Solche Einzelschilderungen illustrieren die von Human Rights Watch beschriebenen strukturellen Einschränkungen, sind aber Einzelfälle aus journalistischer Recherche und keine repräsentative Erhebung. Aus Sicherheitsgründen für die betroffenen Personen verzichtet dieser Artikel auf die Wiedergabe individueller Namen.

Reaktion aus Österreich

Auf österreichischer Seite meldete sich die SPÖ-Außenpolitiksprecherin Petra Bayr in einer Presseaussendung zu Wort. Fünf Jahre Taliban-Herrschaft bedeuteten aus ihrer Sicht fünf Jahre systematischer Unterdrückung, fünf Jahre Aberkennung von Frauenrechten und fünf Jahre humanitärer Katastrophe für Millionen Menschen. Sie verwies darauf, dass Mädchen der Schulbesuch verwehrt bleibe, Frauen vom öffentlichen Leben ausgeschlossen seien und die Armut im Land unerträglich geworden sei. Bayr forderte von Österreich humanitäres und diplomatisches Engagement sowie eine klare Haltung gegen Menschenrechtsverletzungen und verlangte die sofortige Freilassung aller verschleppten Personen.

Was unklar bleibt

Offen bleibt, wie sich Bildungs- und Berufschancen afghanischer Jugendlicher seit 2021 statistisch entwickelt haben – die vorliegenden Quellen liefern dazu Einzelfälle, aber keine belastbaren Zahlen. Ebenso unklar ist, wie EU-Institutionen oder andere europäische Regierungen offiziell auf den fünften Jahrestag reagieren, und ob bzw. wie sich die afghanische De-facto-Regierung zu den Menschenrechtsvorwürfen von Human Rights Watch äußert. Welche konkreten Schritte Österreich als Reaktion auf Bayrs Forderungen plant, ist ebenfalls nicht bekannt.