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Gewerkschaft vida und Wirtschaftskammer haben sich auf einen neuen Kollektivvertrag für rund 250.000 Beschäftigte in Hotellerie und Gastronomie geeinigt. Ab 1. Oktober 2026 steigen die Löhne im Schnitt um 3,02 Prozent, bei Lehrlingen um 3,44 Prozent und in der größten Lohngruppe um 3,48 Prozent. Dazu kommen eine fixe Prämie und die Möglichkeit einer freiwilligen, steuerfreien Prämie.

Der Einigung gingen vier gescheiterte Verhandlungsrunden, ein einseitiger Abbruch der Gespräche durch die Wirtschaftskammer Ende Juni und Protestaktionen von vida voraus. vida-Verhandlungsführerin Eva Eberhart nannte das Ergebnis hart erkämpft, aber keinen Triumph. Gewerkschaftschef Roman Hebenstreit kritisierte zudem die Migrations- und Arbeitsmarktpolitik der Bundesregierung und warf ihr vor, mit Rot-Weiß-Rot-Karten, Saisonkontingenten und geplanter Personalanwerbung im Ausland Lohndumping zu subventionieren.

Eine Stellungnahme der Wirtschaftskammer oder der Bundesregierung zu diesen Vorwürfen liegt bislang nicht vor, ebenso wenig genaue Angaben zu den Prämienbedingungen oder zur Laufzeit des neuen Kollektivvertrags.

Was passiert ist

Die Gewerkschaft vida und die Wirtschaftskammer haben sich auf einen neuen Kollektivvertrag für die rund 250.000 Beschäftigten in Hotellerie und Gastronomie geeinigt. Ab 1. Oktober 2026 steigen die Löhne im Branchendurchschnitt um 3,02 Prozent. Lehrlinge erhalten ein Plus von durchschnittlich 3,44 Prozent, in der Lohngruppe 5 – der größten Beschäftigtengruppe der Branche – liegt die Erhöhung bei 3,48 Prozent. Für den Großteil der Beschäftigten wurde zusätzlich eine fixe Prämie vereinbart, dazu kommt die Möglichkeit einer freiwilligen, steuerfreien Prämie.

Der lange Weg zur Einigung

Der Abschluss kam nach einem monatelangen Tauziehen zustande. Vier Verhandlungsrunden waren zuvor ohne Ergebnis geblieben, Ende Juni brach die Wirtschaftskammer die Gespräche einseitig ab. Danach herrschte nach Angaben der beteiligten Medien zunächst Funkstille, gleichzeitig organisierte vida Protestaktionen von Beschäftigten. Erst am Dienstag dieser Woche kam es dann doch zur Einigung – für die Berichterstattung war der Zeitpunkt überraschend, nachdem die Verhandlungen zuvor wiederholt als festgefahren beschrieben worden waren.

Reaktionen der Gewerkschaft

vida-Verhandlungsführerin Eva Eberhart bezeichnete das Ergebnis laut einer Aussendung der Gewerkschaft als hart erkämpft, aber keinen Triumph: Es sei der Beweis, dass sich Standhalten auszahle. Sie kritisierte die ursprünglichen Arbeitgeberangebote scharf und verwies auf Rekordnächtigungen und Rekordumsätze der Branche, von denen die Beschäftigten bislang nicht profitiert hätten. vida-Vorsitzender Roman Hebenstreit ging in seiner Kritik weiter und brachte die Einigung in Zusammenhang mit der Migrations- und Arbeitsmarktpolitik der Bundesregierung: Die Vergabe von Rot-Weiß-Rot-Karten und Saisonkontingenten sowie eine von Tourismusstaatssekretärin Elisabeth Zehetner angekündigte Personalanwerbung in Griechenland bezeichnete er als Subventionierung von Lohndumping statt einer Lösung des Fachkräftemangels. Diese Vorwürfe sind ausschließlich als Position der Gewerkschaft dokumentiert.

Was unklar bleibt

Eine Stellungnahme der Wirtschaftskammer zur Einigung selbst oder zur Kritik von vida liegt in den vorliegenden Quellen nicht vor, ebenso keine Reaktion der Bundesregierung oder von Staatssekretärin Zehetner auf den Vorwurf der Lohndumping-Subventionierung. Offen bleiben auch die genauen Bedingungen der vereinbarten Prämien, etwa Auszahlungszeitpunkt oder ein möglicher Bezug zum Betriebsergebnis, sowie die Laufzeit des neuen Kollektivvertrags.

Einordnung

Der Abschluss betrifft mit rund 250.000 Beschäftigten einen der größten Kollektivvertragsbereiche Österreichs und kommt nach einem im Branchenvergleich ungewöhnlich konfliktreichen Verhandlungsverlauf zustande, der einen offenen Abbruch und Protestaktionen einschloss. Die Debatte um faire Bezahlung in einer Branche mit laut Gewerkschaft hohen Umsätzen reiht sich in eine breitere gesellschaftliche Diskussion um Fachkräftemangel und Zuwanderung in personalintensiven Branchen ein, auf die sich vida in ihrer Kritik ausdrücklich bezieht. Eine unabhängige Einordnung dieser politischen Zuspitzung liegt derzeit nicht vor.