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Ungarn hatte sein einziges Atomkraftwerk Paks, das fast die Hälfte des Landesstroms liefert, Anfang August wegen eines historisch niedrigen Donau-Pegels vollständig vom Netz genommen und seither schrittweise wieder hochgefahren. Am Abend des 26. August meldete Ministerpräsident Péter Magyar auf Facebook den Abschluss dieses Prozesses: Alle vier Reaktorblöcke seien wieder in Betrieb, die acht Turbinen arbeiteten bei Maximalkapazität von 2.000 Megawatt – rund einen Monat nach der ersten Abschaltung und wie zuletzt von Bloomberg und Xinhua als Zieldatum genannt (nicht wie zwischenzeitlich über APA gemeldet erst am 28. August). Im Zusammenhang damit hob der Netzbetreiber MAVIR laut einer von ORF wiedergegebenen Aussendung die zuvor ausgerufene Einstufung als Krisensituation auf; ungarische Medien datieren diese Aufhebung allerdings bereits auf den 25. August und ordnen sie einer Mitteilung des Wirtschafts- und Energieministers zu, was auf zwei zeitlich nahe, aber separate Ankündigungen hindeuten könnte.

Möglich wurde die Wiederherstellung durch den gestiegenen Donau-Pegel und den Bau einer „Sohlschwelle“: Nach Ankündigung durch Magyar am 12. August wurden dafür rund 150.000 Kubikmeter Gestein verbaut und zwei 80 Meter lange Lastkähne im Fluss versenkt, unter Einsatz des Militärs. Ungarns Verteidigungsminister bezeichnete die Maßnahmen als Frage der Sicherheit des Landes. Auf dem Weg zur vollen Leistung gab es zwischenzeitlich widersprüchliche Angaben – zur Zahl der am 22./23. August laufenden Turbinen (drei oder vier) und zum genauen Zieldatum (26. oder 28. August) –, die sich mit der jüngsten Meldung nun zugunsten des früheren Datums geklärt haben. Auch bei der Deckungsquote des Strombedarfs gibt es leichte Abweichungen: Der Standard nennt zuletzt rund 40 statt zuvor „fast die Hälfte“.

Sämtliche Angaben zum Betriebsstand beruhen weiterhin auf öffentlichen Auftritten von Regierungsmitgliedern, wiedergegeben durch Medien – eine im Volltext geprüfte offizielle Presseaussendung von Regierung, MAVIR oder Betreiber MVM liegt weiterhin nicht vor. Offen bleibt, ob die Sohlschwelle den Pegel dauerhaft sichert oder das Kraftwerk bei erneuter Trockenheit wieder gedrosselt werden muss, welche Folgen die wochenlang reduzierte Erzeugung – einschließlich laut ORF nötig gewordener Stromimporte – für Strompreise und Versorgungssicherheit hatte, und wie sich die Lage bei anderen Donau-Kraftwerken wie dem rumänischen Cernavodă weiterentwickelt.

Was passiert ist

Ungarn hat sein einziges Atomkraftwerk Paks Anfang August vollständig vom Netz genommen, nachdem der Donau-Pegel auf ein historisches Tief gefallen war. Ministerpräsident Péter Magyar teilte die Entscheidung nach Angaben von ORF.at am 1. August über Facebook mit, am 2. August wurde die Abschaltung vollzogen. Der Betreiber, die MVM Paksi Atomerőmű, bestätigte den Schritt auf seiner eigenen Website. Paks erzeugt nach früheren übereinstimmenden Angaben fast die Hälfte des ungarischen Stroms; eine neuere Angabe von Der Standard beziffert die Deckungsquote im Normalbetrieb auf rund 40 Prozent.

Nachdem der Pegel wieder leicht gestiegen war, nahm Ungarn laut Magyar ab 10. August eine erste Turbine wieder in Betrieb. Am 12. August lief die Anlage nach Angaben aus dem Regierungsumfeld allerdings weiterhin nur mit reduzierter Leistung: rund einem Viertel der Kapazität, mit zwei von acht Turbinen im Betrieb.

Am Abend des 22. August folgte der nächste Schritt: Block 3 wurde nach Angaben Magyars früher als ursprünglich geplant wieder hochgefahren. Bei einer Pressekonferenz in Paks am 23. August berichtete Magyar laut derStandard von vier laufenden Turbinen und einer Stromproduktion über 800 Megawatt; andere Berichte vom selben Wochenende sprechen dagegen nur von drei laufenden Turbinen. Am Abend des 26. August schließlich gab Magyar auf Facebook bekannt, dass alle vier Reaktorblöcke mit den acht Turbinen wieder bei Maximalkapazität von 2.000 Megawatt liefen – rund einen Monat nach der ersten vollständigen Abschaltung. Im Zusammenhang damit hob der Netzbetreiber MAVIR die zuvor ausgerufene Einstufung als Krisensituation auf: Angesichts der verfügbaren Erzeugungskapazitäten und Reserven könnten Netzgleichgewicht und Versorgung im Normalbetrieb gewährleistet werden, hieß es in einer von ORF wiedergegebenen Aussendung.

Wie es dazu kam

Die Entwicklung zeichnete sich bereits seit Ende Juli ab: Der Betreiber hatte einzelne Blöcke gedrosselt und öffentlich erklärt, eine vollständige Abschaltung sei binnen 24 bis 72 Stunden nicht mehr auszuschließen – wie „Neue Nachrichten“ bereits berichtete, lief Paks zeitweise mit weniger als der Hälfte seiner üblichen Leistung. In den folgenden Tagen verschärfte sich die Lage weiter. Ursache ist stets derselbe Mechanismus: Die Kühlwasserpumpen der Anlage benötigen einen Mindestpegel, um Wasser aus der Donau ansaugen zu können. Sinkt der Pegel unter diese technische Schwelle, versagt die Kühlung – unabhängig davon, ob rechnerisch insgesamt noch genügend Wasser im Fluss vorhanden wäre. Laut ORF zwang der Ausgleich der zeitweise ausgefallenen Stromerzeugung Ungarn zugleich zu erheblichen Stromimporten; ein genauer Umfang wurde bislang nicht genannt.

Die Sohlschwelle: von der Ankündigung zum Bauwerk

Am 12. August kündigte Magyar per Facebook-Video an, den Wasserstand der Donau bei Paks nicht mehr nur abzuwarten, sondern aktiv anzuheben: Geplant war der Bau einer sogenannten Sohlschwelle, einer Art Staustufe, die Wasser vor dem Kraftwerk aufstauen soll, um die Kühlung dauerhaft zu sichern. Über diesen Plan berichteten mehrere österreichische Medien übereinstimmend.

Zehn Tage später war die Maßnahme nach Medienberichten so weit fortgeschritten, dass sie zur Wiederinbetriebnahme von Block 3 beitrug: Laut Die Presse und ORF wurden für die Sohlschwelle rund 150.000 Kubikmeter Gestein verbaut. Zusätzlich wurden als Notfallmaßnahme zwei 80 Meter lange Lastkähne im Fluss versenkt; nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg hoben diese den Pegel bei Paks um rund 15 Zentimeter. Ungarns Verteidigungsminister Romulusz Ruzsin-Szendi betonte den Bau unter Einsatz des Militärs und bezeichnete die Maßnahmen nicht nur als technische, sondern auch als sicherheitspolitische Aufgabe für das Land. Die zuvor über internationale Agenturen kolportierten Kostenangaben von umgerechnet knapp 16 Millionen Euro wurden durch spätere Berichte weder bestätigt noch widerlegt.

Volle Leistung erreicht: Netzbetreiber hebt Krisenmodus auf

Am Abend des 26. August meldete Magyar auf Facebook den Abschluss der Wiederherstellung: Alle vier Reaktorblöcke seien wieder am Netz, die acht Turbinen arbeiteten bei Maximalkapazität von 2.000 Megawatt. Damit hat sich von den zuvor kursierenden zwei Zieldaten – 26. oder 28. August – das frühere bestätigt; auch die zuvor über internationale Agenturen kolportierte Erwartung, rund einen Monat nach der ersten Abschaltung sei wieder voller Betrieb erreicht, traf damit ein. ORF, Der Standard und Kurier berichteten übereinstimmend über die Meldung.

Im Zusammenhang mit der Wiederherstellung hob der Netzbetreiber MAVIR laut einer von ORF wiedergegebenen Aussendung die zuvor ausgerufene Einstufung als Krisensituation auf. Eine ergänzende Recherche zeigt, dass ungarische Medien wie Telex diese Aufhebung bereits auf den 25. August datieren und sie einer Mitteilung des ungarischen Wirtschafts- und Energieministers István Kapitány zuordnen – möglicherweise handelt es sich um zwei separate, zeitlich nah beieinanderliegende Ankündigungen (Netzkrise einerseits, volle Kraftwerksleistung andererseits), die in der österreichischen Berichterstattung nicht vollständig auseinandergehalten wurden. Eine im Volltext selbst gelesene offizielle Presseaussendung von Regierung, MAVIR oder Betreiber MVM liegt weiterhin nicht vor.

Was die Quellen zeigen

Die Kernaussagen – vollständige Abschaltung wegen Wassermangels, schrittweise Teil-Wiederinbetriebnahme, Bau der Sohlschwelle und schließlich die vollständige Rückkehr aller vier Blöcke zur Maximalkapazität am 26. August – sind über den gesamten Verlauf hinweg gut abgesichert: Sie decken sich in den Ankündigungen des Regierungschefs, der Bestätigung des Betreibers auf dessen eigener Website und der Berichterstattung zahlreicher voneinander unabhängiger Medien, darunter internationale Häuser wie NBC News, Euronews, Bloomberg und Xinhua sowie zuletzt übereinstimmend ORF, Der Standard und Kurier. Die zuvor unklare Frage nach dem Zieldatum (26. oder 28. August) ist damit beantwortet. Uneinheitlich bleibt hingegen die exakte Zahl der am 22./23. August laufenden Turbinen (drei oder vier), und auch die Deckungsquote des Strombedarfs wird unterschiedlich beziffert (rund 40 Prozent laut Der Standard versus „fast die Hälfte“ in früheren Berichten). Weniger gesichert bleiben zudem Details am Rand: Dass es sich um die erste vollständige Abschaltung in der rund 44-jährigen Betriebsgeschichte des Kraftwerks handeln soll, stammt nur aus internationalen Medienberichten, und die ursprünglich genannten Kosten der Sohlschwelle sind weiterhin nicht offiziell bestätigt. Sämtliche Angaben zum Betriebsstand beruhen weiterhin auf öffentlichen Auftritten von Regierungsmitgliedern, wiedergegeben durch Medien – eine im Volltext geprüfte offizielle Presseaussendung liegt nach wie vor nicht vor.

Was unklar bleibt

Offen ist vor allem, ob die Sohlschwelle den Wasserstand dauerhaft in der ursprünglich genannten Größenordnung von bis zu einem Meter anhebt oder nur eine kurzfristige Wirkung entfaltet – und ob das Kraftwerk bei einer erneuten Trockenperiode wieder gedrosselt werden müsste. Unklar bleibt auch, welche konkreten Folgen die wochenlang reduzierte Erzeugungsleistung für Strompreise und Versorgungssicherheit in Ungarn und im europäischen Stromverbund hatte, einschließlich des Umfangs der laut ORF nötig gewordenen Stromimporte – eine Stellungnahme einer EU-Institution wie der Energiekommission oder des Netzbetreiber-Verbunds ENTSO-E liegt weiterhin nicht vor. Unklar sind zudem mögliche ökologische oder schifffahrtstechnische Folgen von Sohlschwelle und versenkten Lastkähnen für die Donau sowie Reaktionen von Anrainerstaaten wie Österreich oder der Slowakei. Offen bleibt, wie sich die Lage an anderen Donau-Kraftwerken weiterentwickelt, etwa am rumänischen Cernavodă, das laut eigener Berichterstattung von „Neue Nachrichten“ zwischenzeitlich vollständig vom Netz genommen wurde. Und schließlich bleibt unklar, ob die unterschiedlichen Angaben zur Deckungsquote des Strombedarfs (40 Prozent versus „fast die Hälfte“) dieselbe Größenordnung meinen oder auf unterschiedlichen Berechnungsgrundlagen beruhen.

Einordnung

Der Fall Paks reiht sich in eine Serie ähnlicher Reaktionen auf das historische Donau-Niedrigwasser des Sommers 2026 ein: In Rumänien wurde wegen derselben Ursache das Kraftwerk Cernavodă zeitweise vollständig vom Netz genommen, österreichische Energieversorger melden Einbußen bei der Wasserkraft-Stromproduktion, und in Bayern will die Landesregierung die Donau zwischen Deggendorf und Vilshofen weiter ausbaggern – gegen Widerstand von Naturschützern und den bayerischen Grünen. Ungarns Ansatz, mit Sohlschwelle und versenkten Lastkähnen aktiv in den Flusslauf einzugreifen, ging deutlich weiter als die reine Symptombekämpfung anderswo und endete nach gut vier Wochen mit der von der Regierung verkündeten vollständigen Wiederherstellung der Kraftwerksleistung sowie der Aufhebung der Netz-Krisensituation. Bis hin zur Einordnung durch den Verteidigungsminister als Frage der nationalen Sicherheit wurde die Episode von der Regierung durchgehend als Erfolgsgeschichte kommuniziert – auch der Abschluss folgt diesem Muster. Dass selbst die zuletzt gemeldeten Eckdaten (Zieldatum, Deckungsquote, wer welche Ankündigung wann machte) zwischen den Quellen leicht variieren, zeigt zugleich, wie sehr die Berichterstattung über den gesamten Verlauf von tagesaktuellen Regierungsverlautbarungen statt von unabhängig geprüften Betriebsdaten abhängig war und blieb. Ob die bauliche Lösung tatsächlich nachhaltig wirkt oder die Anlage bei erneutem Niedrigwasser wieder gedrosselt werden muss, lässt sich anhand der bisherigen, überwiegend regierungsnahen Quellenlage weiterhin nicht seriös beurteilen.