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US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat bei einem Koalitionstreffen in Panama erklärt, Kolumbien habe offiziell grünes Licht für gemeinsame Militäroperationen zur „Zerstörung von Terroristen und Terrornetzwerken“ gegeben. Als mögliche Ziele nannte er die Nationale Befreiungsarmee (ELN) sowie – laut ergänzenden Berichten – Dissidentengruppen der früheren Guerilla FARC, die weiterhin Drogenkorridore kontrollieren sollen. Kolumbien ist unter der neuen Regierung von Präsident Abelardo De La Espriella nach mehreren übereinstimmenden Berichten, darunter einer über die Suche gesichteten Mitteilung des US-Verteidigungsministeriums, als 19. Mitglied der von den USA geführten „Americas Counter Cartel Coalition“ beigetreten.

Ergänzende Berichte liefern Hintergründe: Seit Beginn der US-Angriffe auf mutmaßliche Drogenboote in der Karibik vor rund einem Jahr wurden laut einer einzelnen Medienquelle mindestens 215 Menschen getötet, ohne dass unabhängige Überprüfungen möglich gewesen wären. Kolumbien gilt laut einer im Bericht zitierten UNODC-Schätzung mit rund 3.000 Tonnen 2025 als weltweit größter Kokain-Produzent. Kolumbiens Verteidigungsminister habe laut Medienberichten zudem ein bilaterales Abkommen mit den USA unterzeichnet; Details dazu sowie zu einer kolportierten Sicherheitshilfe von rund einer Milliarde Dollar und einem für November angekündigten Einsatzplan sind amtlich nicht bestätigt.

Offen bleibt weiterhin, wann und in welchem Umfang gemeinsame Einsätze tatsächlich stattfinden, wie ELN und FARC-Dissidenten reagieren und ob sich EU, UNO oder der Internationale Strafgerichtshof zu Hegseths Ankündigung und seiner ICC-Kritik äußern.

Was passiert ist

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat bei einem Treffen der von den USA geführten Koalition gegen Drogenkartelle in Panama erklärt, Kolumbien habe „gemeinsame Militäroperationen zur Zerstörung von Terroristen und Terrornetzwerken“ genehmigt. „Wir tun schlechten Menschen Schlechtes an“, sagte Hegseth laut übereinstimmenden Berichten vor anwesenden Soldaten und kündigte an, man werde „sehr fähig sein, gegen Drogenkartelle und als terroristisch eingestufte Organisationen Gewalt auszuüben“. Als legitime Ziele solcher Operationen nannte er von den USA als Terrororganisationen eingestufte bewaffnete Gruppen, darunter die Nationale Befreiungsarmee (ELN). Auf die Frage, ob er mit seinem kolumbianischen Amtskollegen konkret über gemeinsame Schläge gegen die ELN gesprochen habe, bejahte Hegseth dies. Die neue, rechtsgerichtete Regierung Kolumbiens unter Präsident Abelardo De La Espriella hat sich der von den USA geführten Koalition angeschlossen.

Hintergrund: Angriffe auf Drogenboote in der Karibik

Bereits seit rund einem Jahr greifen die USA im Rahmen ihres Einsatzes gegen den Drogenhandel mutmaßliche Drogenboote in der Karibik an – laut einem Kurier-Bericht meist ohne vorherige Warnung und mit häufig mehreren Todesopfern, wobei die Schiffe anschließend versenkt werden. Die offizielle Begründung lautete demnach stets, an Bord hätten Kuriere Drogen schmuggeln wollen; unabhängige Überprüfungen dieser Vorwürfe seien nie möglich gewesen. Laut dieser einzelnen Quelle wurden seit Beginn des Einsatzes mindestens 215 Menschen bei solchen Angriffen getötet. Diese Zahl stammt bislang nur aus einem Medienbericht und ist nicht amtlich bestätigt.

Kolumbiens neue Regierung und die Koalition

Kolumbien ist nach mehreren voneinander unabhängigen Berichten – darunter Kurier, Nau.ch sowie eine über die Suche gesichtete Mitteilung des US-Verteidigungsministeriums – als 19. Staat der sogenannten „Americas Counter Cartel Coalition“ beigetreten, die auch als „Shield of the Americas“ bezeichnet wird. Laut Berichten hat Kolumbiens Verteidigungsminister Jorge Mora auf der Plattform X die Unterzeichnung eines bilateralen Abkommens mit den USA bestätigt; Inhalt und Reichweite dieses Abkommens sind aus den vorliegenden Quellen nicht im Detail bekannt. Weiterhin unbestätigt bleiben eine kolportierte US-Sicherheitshilfe von rund einer Milliarde Dollar sowie ein für November angekündigter, umfassenderer Einsatzplan gegen die Kartelle. US-Präsident Donald Trump hatte Espriella im Wahlkampf wortreich unterstützt; der Kampf gegen Drogenkartelle und Verbrechersyndikate war eines von Espriellas zentralen Wahlversprechen.

Mögliche Ziele: ELN und FARC-Dissidenten

Neben der ELN gilt laut Kurier-Bericht auch die frühere, größte Guerillagruppe Kolumbiens, die FARC, als Hintergrund für mögliche künftige Operationen. Die FARC finanzierte ihren jahrzehntelangen bewaffneten Kampf zu großen Teilen durch Drogenhandel und die Besteuerung des Koka-Anbaus; nach dem Friedensabkommen von 2016 entwaffnete sich der Hauptteil der Organisation, doch verschiedene FARC-Dissidentengruppen und andere bewaffnete Kämpfer kontrollieren laut demselben Bericht weiterhin wichtige Drogenkorridore und Anbaugebiete. Auch die ELN, ursprünglich ideologisch gegen den Drogenhandel positioniert, finanziert sich seit Jahren größtenteils über Produktion und Schmuggel von Kokain.

Kolumbien als größter Kokain-Produzent

Kolumbien ist nach einer im Kurier-Bericht zitierten Schätzung des UNO-Büros für Drogen- und Kriminalitätsbekämpfung (UNODC) weltweit größter Kokain-Produzent: 2025 seien im Land knapp 3.000 Tonnen Kokain hergestellt worden, was mehr als 70 Prozent der weltweiten Produktion entspreche. Die Behörden hätten im Vorjahr rund 446 Tonnen reines Kokain beschlagnahmt. Diese Zahlen stammen aus einer einzelnen Medienquelle unter Berufung auf eine UNODC-Schätzung und wurden nicht eigenständig anhand einer UNODC-Originalquelle geprüft.

„Donroe-Doktrin“ und Kritik am Strafgerichtshof

Hegseth berief sich bei seiner Rede auf eine Neuauflage der Monroe-Doktrin aus dem 19. Jahrhundert, die er in Anlehnung an US-Präsident Donald Trump als „Donroe-Doktrin“ bezeichnete und mit der die USA laut seinen Worten die westliche Hemisphäre vor „externen Bedrohungen“ verteidigen wollen. Zugleich kritisierte er den Internationalen Strafgerichtshof und rief die Verbündeten der Koalition zum Austritt aus der Organisation auf. In diesen Kontext fällt auch ein weiterer internationaler Bericht, wonach Hegseth vor möglichen Ermittlungen des Strafgerichtshofs zu früheren US-Angriffen auf Boote in der Region gewarnt habe.

Was unklar bleibt

Offen ist, in welchem konkreten Umfang, mit welchem Zeitrahmen und unter wessen Kommando die von Kolumbien genehmigten gemeinsamen Operationen tatsächlich ablaufen sollen. Unklar ist auch, ob und wann es tatsächlich zu gezielten Schlägen gegen ELN oder FARC-Dissidentengruppen kommt und wie diese selbst darauf reagieren. Eine Stellungnahme kolumbianischer Oppositionspolitiker, der EU, der UNO oder des Internationalen Strafgerichtshofs zu Hegseths Ankündigung und seiner ICC-Kritik liegt weiterhin nicht vor. Ebenso unbestätigt bleiben die kolportierte Sicherheitshilfe von einer Milliarde Dollar, der für November angekündigte Einsatzplan, die Zahl von mindestens 215 Toten bei bisherigen Bootsangriffen und die genannten UNODC-Schätzungen zur kolumbianischen Kokainproduktion.

Einordnung

Die Ankündigung fügt sich in eine bereits seit Monaten sichtbare Verschärfung der US-Politik gegenüber Lateinamerika unter der Trump-Regierung ein, die wiederholt mit robusteren Militärmaßnahmen gegen mutmaßliche Drogennetzwerke argumentiert hat – dokumentiert unter anderem durch die laut Berichten bereits rund ein Jahr andauernden, tödlichen Angriffe auf Boote in der Karibik. Dass nun ausgerechnet Kolumbien – historisch einer der zentralen Partner der USA im Kampf gegen den Drogenhandel, zugleich Schauplatz eines jahrzehntelangen Konflikts mit bewaffneten Gruppen wie ELN und FARC-Dissidenten – der Koalition offiziell beitritt und gemeinsame Operationen genehmigt, unterstreicht diese Neuausrichtung. Wie tragfähig die Ankündigung ist und ob ihr tatsächlich koordinierte Militäraktionen folgen, lässt sich anhand der aktuellen Quellenlage weiterhin nicht abschließend beurteilen.