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Die USA und Venezuela haben den Abschluss eines Ölabkommens verkündet: Nach Angaben von US-Präsident Donald Trump erhält Washington die Kontrolle über 65 Milliarden Barrel venezolanisches Rohöl, rund ein Fünftel der Reserven des südamerikanischen Landes. Venezuelas Übergangspräsidentin Delcy Rodriguez bestätigte den Abschluss und nannte im Gegenzug eine Investitionssumme von rund 100 Milliarden Dollar für Venezuelas Ölsektor sowie Eckdaten wie 25 Jahre Laufzeit, 17 strategische Ölfelder und eine Produktionssteigerung auf 1,5 Millionen Barrel pro Tag allein aus diesem Projekt.

Neue Berichte des Wall Street Journal, wiedergegeben von Die Presse und DerStandard, konkretisieren nun die geplante Beteiligungsstruktur: Die US-Regierung wolle sich über sogenannte „Penny Warrants“ mit 35 Prozent an der privaten Firma North American Blue Energy Partners des venezolanischen Geschäftsmanns Alejandro Betancourt beteiligen und sich zusätzlich das Vorzugsrecht auf 20 Prozent der Produktion zum Selbstkostenpreis sichern. Das Pentagon widerspricht dem jedoch offiziell: Ein Sprecher erklärte, das zuständige Büro für strategisches Kapital dürfe gesetzlich keine Kapitalbeteiligungen an privaten Unternehmen erwerben, sondern nur Kredite, Kreditbürgschaften oder technische Hilfe leisten – ein bislang ungeklärter Widerspruch zwischen Medienbericht und offizieller Darstellung.

Laut APA/Reuters sollen zudem in der kommenden Woche Verträge unterzeichnet werden, die unter anderem Chevron neue Förderrechte einräumen; am 29. August protestierten in Caracas Dutzende regierungsnahe Gruppen gegen die US-Präsenz. Wie belastbar die von venezolanischer Seite genannten Zahlen sind, wie sich der Streit um die Beteiligungsstruktur auflöst und ob die angekündigten Verträge tatsächlich unterzeichnet werden, ist weiterhin offen. Eine unabhängige Einordnung durch Fachleute, den US-Kongress oder venezolanische Oppositionsstimmen liegt bislang nicht vor.

Was passiert ist

Die Vereinigten Staaten und Venezuela haben den Abschluss eines Ölabkommens verkündet, das den USA nach Angaben von Präsident Donald Trump die Kontrolle über 65 Milliarden Barrel venezolanisches Rohöl sichern soll – nach Trumps Rechnung rund ein Fünftel der Ölreserven des südamerikanischen Landes. Trump bezeichnete die Vereinbarung auf seiner Plattform Truth Social als „größten Öldeal der Weltgeschichte“. Venezuelas Übergangspräsidentin Delcy Rodriguez bestätigte den Abschluss ihrerseits in einer Fernsehansprache und sprach von einem „historischen“ Abkommen mit 25 Jahren Laufzeit, das die Entwicklung von 17 strategischen Ölfeldern umfasse und die Rohölproduktion allein aus diesem Projekt auf 1,5 Millionen Barrel pro Tag steigern solle. Ausgehandelt wurde die Vereinbarung laut Trump von US-Außenminister Marco Rubio und dem für das Pentagon zuständigen Minister Pete Hegseth „in direkter Zusammenarbeit“ mit Rodriguez.

Im Gegenzug zur Ölkontrolle sollen laut Rodriguez und Rubio rund 100 Milliarden Dollar (etwa 86 Milliarden Euro) an privaten Investitionen in Venezuelas Ölsektor fließen. Rubio sprach auf der Plattform X von „Tausenden gut bezahlten Jobs“ und einem Beitrag zum „Wiederaufbau“ der venezolanischen Wirtschaft. Über die ursprüngliche Ankündigung berichteten neben ORF auch DerStandard, Die Presse, Kurier und Kleine Zeitung sowie internationale Medien wie NBC News und CNN übereinstimmend.

Neue Details zur Beteiligungsstruktur

Rund zwei Tage nach der ursprünglichen Ankündigung berichtete das Wall Street Journal unter Berufung auf mit den Verhandlungen vertraute Personen, wie die angekündigte „US-Mehrheitskontrolle“ konkret aussehen könnte: Die US-Regierung wolle sich demnach mit 35 Prozent an dem Privatunternehmen North American Blue Energy Partners des venezolanischen Geschäftsmanns Alejandro Betancourt beteiligen. Umgesetzt werden solle dies über sogenannte „Penny Warrants“ durch das dem Pentagon zugeordnete Büro für strategisches Kapital (Office of Strategic Capital, OSC) – ein Instrument, das laut dem Bericht eine Kapitalbeteiligung ohne nennenswerten Kapitaleinsatz der USA ermöglichen soll. Zusätzlich wollten sich die USA das Vorzugsrecht sichern, 20 Prozent der künftigen Produktion des Unternehmens zum Selbstkostenpreis zu erwerben. Über den Bericht informierten unter anderem Die Presse und DerStandard, die sich dabei auf das Wall Street Journal beriefen; ein eigenes Einsehen des Originalberichts oder von Vertragsunterlagen liegt hier nicht vor.

Pentagon dementiert Kapitalbeteiligung

Auf Anfrage reagierte das Pentagon jedoch zurückhaltend bis widersprechend: Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums erklärte, das Büro für strategisches Kapital erwerbe keine Kapitalbeteiligungen an privaten Unternehmen. Dessen Rolle sei gesetzlich streng darauf beschränkt, Kredite und Kreditbürgschaften zu gewähren oder technische Hilfe zu leisten. Damit steht die vom Wall Street Journal berichtete Struktur einer 35-prozentigen Beteiligung in direktem Widerspruch zur offiziellen Selbstdarstellung des Pentagons zu den gesetzlichen Befugnissen seines eigenen Büros. Welche der beiden Darstellungen zutrifft oder ob eine andere, bislang nicht öffentlich benannte Konstruktion gewählt wird, ist aus den vorliegenden Quellen nicht zu klären.

Neue Förderrechte und Proteste in Caracas

Laut einer Agenturmeldung von APA/Reuters sollen in der kommenden Woche zudem Verträge unterzeichnet werden, die mehreren Unternehmen – darunter der US-Konzern Chevron – neue Förderrechte in Venezuela einräumen. Am Samstag, den 29. August, versammelten sich der Meldung zufolge in der Hauptstadt Caracas Dutzende regierungsnahe Gruppen, um gegen die US-Präsenz in Venezuela zu protestieren. Näheres zu Ausmaß, Trägern und Verlauf dieser Proteste geht aus den ausgewerteten Berichten nicht hervor.

Was die Quellen zeigen

Über die zentralen Eckpunkte des ursprünglichen Abkommens – 65 Milliarden Barrel und rund 100 Milliarden Dollar Investitionsvolumen – herrscht in den ausgewerteten Quellen weiterhin Einigkeit, da sie unmittelbar auf Aussagen von Trump, Rubio und Rodriguez selbst zurückgehen und von mehreren voneinander unabhängigen Medien wortgleich wiedergegeben werden. Die neu hinzugekommenen Strukturdetails – 35-Prozent-Beteiligung, „Penny Warrants“, 20-Prozent-Vorzugsrecht – stammen dagegen bislang aus einer einzigen Primärquelle des Berichts (Wall Street Journal), die wir nicht direkt eingesehen haben, sondern nur über deren Wiedergabe durch Die Presse, DerStandard und weitere Medien. Das offizielle Pentagon-Dementi ist demgegenüber ein direktes, von mehreren Stellen übereinstimmend zitiertes Sprecherstatement – es widerlegt jedoch nicht zwangsläufig den WSJ-Bericht insgesamt, sondern nur die darin behauptete gesetzliche Einordnung als Kapitalbeteiligung.

Hintergrund

Venezuela verfügt mit rund 303 Milliarden Barrel über die größten nachgewiesenen Rohölreserven der Welt, produziert nach Jahren von Sanktionen und Misswirtschaft aber nur rund 1,25 Millionen Barrel pro Tag. Im Jänner 2026 wurde der bisherige Präsident Nicolás Maduro laut ORF-Bericht bei einem US-Militäreinsatz in Caracas gefangen genommen und in die USA gebracht, wo ihm wegen des Vorwurfs des „Drogenterrorismus“ der Prozess gemacht werden soll – ein Vorgang, der in den vorliegenden Quellen bislang nicht unabhängig eingeordnet wird. Seine frühere Stellvertreterin Delcy Rodriguez übernahm daraufhin als Übergangspräsidentin die Amtsgeschäfte und setzt sich seither für eine Öffnung Venezuelas für ausländische Investitionen ein, insbesondere im Energiesektor. Alejandro Betancourt, dessen Firma North American Blue Energy Partners im Zentrum der neu berichteten Beteiligungsstruktur steht, ist ein venezolanischer Geschäftsmann, zu dessen weiterem geschäftlichem Hintergrund in den ausgewerteten Quellen keine näheren Angaben vorliegen.

Das Abkommen fällt zudem in eine Phase, in der die strategischen Ölreserven der USA laut der Energiebehörde EIA auf dem niedrigsten Stand seit November 1982 liegen – eine Folge der Bemühungen, Lieferengpässe und Preisanstiege infolge des Kriegs gegen den Iran auszugleichen.

Was unklar bleibt

Offen bleibt vor allem, welche der beiden Darstellungen zur US-Beteiligung zutrifft: die vom Wall Street Journal berichtete 35-Prozent-Kapitalbeteiligung über „Penny Warrants“ oder die vom Pentagon behauptete gesetzliche Beschränkung auf Kredite und technische Hilfe. Auch ob und wie die für die kommende Woche angekündigten Verträge mit Chevron und weiteren Unternehmen tatsächlich unterzeichnet werden, ist noch nicht bestätigt. Die von Rodriguez genannten Zahlen zu Steuereinnahmen (rund 209 Milliarden Dollar) und Investitionsvolumen sind weiterhin reine Regierungsangaben ohne unabhängige Prüfung. ORF verweist zudem darauf, dass die Vereinbarung „für Fachleute einige Fragen“ aufwerfe, ohne diese Fachleute oder ihre konkreten Einwände zu benennen. Unklar bleibt außerdem, wie groß und folgenreich die Proteste in Caracas waren und wie internationale Akteure wie die EU auf die neuen Details reagieren.

Einordnung

Trump verband die ursprüngliche Ankündigung ausdrücklich mit dem Versprechen sinkender Treibstoffpreise in den USA „auf Jahre hinaus“ – eine Botschaft, die vor dem Hintergrund seiner infolge des Kriegs gegen den Iran gesunkenen Umfragewerte und der bevorstehenden Kongress-Zwischenwahlen im November politisch zu lesen ist. Der nun bekannt gewordene Streit um die genaue Beteiligungsstruktur zeigt zugleich, wie viel an dem Abkommen bislang informell und über Medienberichte statt über offizielle Dokumente kommuniziert wird: Selbst innerhalb der US-Regierung gibt es offenbar unterschiedliche Darstellungen dazu, was genau vereinbart wurde. Für Venezuela bedeutet das Abkommen unabhängig davon die bislang deutlichste Öffnung des Ölsektors für US-Kapital seit dem Ende der Ära Maduro – begleitet nun erstmals auch von sichtbarem innenpolitischem Widerstand in Form der Proteste in Caracas. Eine unabhängige oder kritische Einordnung des Gesamtabkommens – etwa durch Energieexpertinnen und -experten, den US-Kongress oder venezolanische Oppositionsstimmen – liegt in den ausgewerteten Quellen weiterhin nicht vor.