Ein Team um den Ökologen Andreas Richter von der Universität Wien erhält von der dänischen Novo Nordisk Stiftung eine hochdotierte Förderung für das Projekt „ActiveSOIL“: bis zu 75 Millionen dänische Kronen, umgerechnet rund zehn Millionen Euro, über sechs Jahre. Die Universität Wien und die Novo Nordisk Stiftung haben die Förderung jeweils in eigenen offiziellen Mitteilungen bestätigt. Sie ist Teil des „Challenge Programme 2026“ der Stiftung, das insgesamt neun internationale Forschungskonsortien mit bis zu rund 80 Millionen Euro zu großen gesellschaftlichen Herausforderungen unterstützt, eines davon zum Thema Bodengesundheit.
Neben Richters Wiener Team sind Forschungsgruppen aus Dänemark, den USA und Großbritannien beteiligt. Ziel ist eine neue Methode, um Bodengesundheit über die Aktivität von Bodenorganismen zu bestimmen – wie schnell sie sich vermehren und wie aktiv sie sind – statt wie bisher über statische Kennwerte wie Humusgehalt oder Wasserhaltefähigkeit.
Offen bleiben die konkreten Ergebnisse und Zeitpläne des sechsjährigen Projekts sowie die genaue Aufteilung der Fördersumme zwischen den beteiligten Institutionen. Eine von Richter im Gespräch mit der APA getroffene Aussage zu Ernteausfällen durch den diesjährigen Rekordsommer ist eine Einzelaussage und nicht unabhängig belegt.
Was passiert ist
Ein Forschungsteam um den Ökologen Andreas Richter vom Zentrum für Mikrobiologie und Umweltsystemwissenschaft der Universität Wien erhält von der dänischen Novo Nordisk Stiftung eine hochdotierte Förderung für das Projekt „ActiveSOIL“. Die Zusage beläuft sich auf bis zu 75 Millionen dänische Kronen, umgerechnet rund zehn Millionen Euro, verteilt auf eine Laufzeit von sechs Jahren. Die Universität Wien machte die Förderung in einer eigenen Presseaussendung publik, zeitgleich berichteten am Mittwoch mehrere österreichische Medien darüber.
Was die Quellen zeigen
Sowohl die Novo Nordisk Stiftung als auch die Universität Wien bestätigen die Förderung in eigenen, offiziellen Mitteilungen. Die Stiftung – bekannt als weltgrößter privater Wissenschaftsförderer im Umfeld des Pharmakonzerns Novo Nordisk – vergibt die Mittel im Rahmen ihres „Challenge Programme 2026“. Dort wurden insgesamt neun internationale Forschungskonsortien mit einer Gesamtsumme von bis zu 600 Millionen dänischen Kronen, umgerechnet rund 80 Millionen Euro, bedacht; die Einzelprojekte erhalten laut Förderin jeweils zwischen 40 und 75 Millionen Kronen für Projekte mit sechsjähriger Laufzeit. Eines der neun geförderten Themenfelder war „Bodengesundheit“, konkret formuliert als Aufgabe, weitere Bodendegradation zu verhindern und die Regeneration gesunder Böden auf Basis eines vertieften Verständnisses biologischer Faktoren zu ermöglichen. Die Leitung des Wiener Konsortiums liegt bei Richter; als Partner sind laut übereinstimmenden Angaben von Universität Wien und Medienbericht Forschungsgruppen um Caitlin Singleton (Aalborg University, Dänemark), Jennifer Pett-Ridge (Lawrence Livermore National Laboratory, USA) und den österreichischen Klimaforscher Michael Obersteiner (University of Oxford) beteiligt. Inhaltlich verfolgt das Team einen neuen Zugang: Statt Bodengesundheit wie bisher meist über statische Größen – etwa Humusgehalt, Wasserhaltefähigkeit oder die schiere Biomasse an Mikroorganismen – zu bestimmen, soll künftig die Aktivität der Bodenorganismen im Mittelpunkt stehen, also wie schnell sie sich vermehren und wie aktiv sie tatsächlich sind. In Wien wurden dazu laut Richter bereits Methoden entwickelt, mit denen sich die Aktivität von teils zehntausenden Mikroorganismen in einer einzelnen Bodenprobe erfassen lässt.
Was unklar bleibt
Offen bleibt, welche konkreten Messverfahren und Ergebnisse das sechsjährige Projekt im Detail hervorbringen wird und wann erste Zwischenresultate vorliegen. Ebenso unklar ist, wie eine künftige, aktivitätsbasierte Definition von Bodengesundheit später praktisch angewendet werden könnte, etwa in der Landwirtschaft oder in der Klimapolitik. Zur genauen Aufteilung der Fördersumme zwischen der Universität Wien und den drei internationalen Partnerinstitutionen liegen keine öffentlich bezifferten Angaben vor. Auch Richters im Gespräch mit der APA getroffene Aussage, wonach der „heurige Rekordsommer“ mit Hitze und Dürre bereits zu Ernteausfällen durch beeinträchtigte Bodenfunktionen geführt habe, ist eine Einzelaussage des Forschers und in diesem Cluster nicht unabhängig belegt.
Einordnung
Die Förderung reiht sich in eine wachsende Zahl großer, mehrjähriger Konsortialprojekte zum Thema Bodengesundheit und Klimawandel ein, die von privaten Stiftungen finanziert werden. Nach Angaben Richters ist der Umfang der Förderung mit den höchstdotierten Förderpreisen des Europäischen Forschungsrates vergleichbar – ein Hinweis auf die Größenordnung, aber keine unabhängig geprüfte Kennzahl. Böden gelten als die größten Kohlenstoffspeicher der Erde, weshalb ihr Zustand über die Landwirtschaft hinaus auch für den Klimaschutz als relevant eingestuft wird. Wie tragfähig der neue methodische Zugang über Organismenaktivität in der Praxis ist, lässt sich erst nach Projektfortschritt beurteilen.


