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Die Schweizer Bundeskanzlei hat mit dem Programm „BOSS“ ein Pilotprojekt gestartet, um rund 3000 der insgesamt etwa 54.000 Arbeitsplätze der Bundesverwaltung von Microsoft 365 auf die in Deutschland entwickelte Open-Source-Suite openDesk umzustellen. Für die bis Ende 2027 laufende erste Phase veranschlagt die Bundeskanzlei rund 9 Millionen Schweizer Franken aus bereits vom Parlament bewilligten Mitteln. Ein vorangegangener Testlauf mit 172 Beschäftigten bewertete Dokumentbearbeitung sowie Mail- und Kalenderfunktionen positiv, zeigte aber Grenzen etwa bei großen Videokonferenzen.

Parallel dazu berichten mehrere Medien von einem separaten, zeitlich vorgezogenen Vorhaben: Das Kommando Cyber der Schweizer Armee soll besonders sicherheitsrelevante Arbeitsplätze bereits bis Ende Oktober 2026 auf openDesk umstellen, unter Verweis auf hohe Sicherheitsanforderungen und den US-Cloud-Act. Der Vorstoß reiht sich in den europäischen Trend zu mehr digitaler Souveränität gegenüber US-Cloud-Anbietern ein.

Offen bleibt, wie belastbar die technischen Lösungen bis zum vollen Pilotbetrieb werden, wie eine mögliche Ausweitung über 2027 hinaus aussehen könnte und ob der Zeitplan beim Kommando Cyber eingehalten wird. Eine Stellungnahme von Microsoft dazu liegt bislang nicht vor.

Was passiert ist

Die Schweizer Bundeskanzlei hat ein Pilotprogramm gestartet, um einen Teil der Bundesverwaltung von Microsoft 365 auf eine Open-Source-Alternative umzustellen. Rund 3000 Arbeitsplätze – etwa sieben Prozent der insgesamt rund 54.000 Stellen in der Bundesverwaltung – sollen künftig mit der in Deutschland entwickelten Kollaborationssuite openDesk arbeiten. Das Programm trägt den internen Namen „BOSS“ und soll bis Ende 2027 umgesetzt werden. Die Bundeskanzlei hat das Vorhaben in einer eigenen Mitteilung bekanntgegeben; DER STANDARD, Golem und heise online berichteten unabhängig voneinander darüber.

Zahlen und Zeitrahmen

Für die erste Phase rechnet die Bundeskanzlei mit Kosten von rund 9 Millionen Schweizer Franken. Das Geld stammt aus Mitteln, die das Parlament bereits für den Aufbau einer souveränen, quelloffenen Büroplattform bewilligt hat. Zu den Kernfunktionen, die openDesk abdecken soll, zählen E-Mail, Kalender, Dokumentbearbeitung, Präsentationen, Telefonie sowie Audio- und Videokonferenzen. Vorausgegangen war eine Machbarkeitsstudie, in der 172 Beschäftigte die Software im Praxisbetrieb testeten. Dabei fielen Dokumentbearbeitung sowie Mail- und Kalenderfunktionen positiv auf, während sich bei umfangreicheren Videokonferenzen technische und organisatorische Grenzen zeigten.

Die Cybersicherheits-Spur beim Kommando Cyber

Parallel zum zivilen Pilotprojekt der Bundeskanzlei berichten mehrere Medien von einem eigenständigen, zeitlich vorgezogenen Vorhaben: Das Kommando Cyber der Schweizer Armee soll besonders sicherheitsrelevante Arbeitsplätze bereits bis Ende Oktober 2026 auf openDesk umstellen. Als Gründe werden dabei unter anderem hohe Sicherheitsanforderungen, der US-amerikanische Cloud Act und Vorgaben zur Datenklassifizierung genannt, die eine auf US-Cloud-Infrastruktur angewiesene Lösung für bestimmte militärische Zwecke als ungeeignet erscheinen lassen. Dieses Vorhaben ist von der Bundeskanzlei-Ankündigung formal getrennt und betrifft zunächst nur einen kleineren, besonders sensiblen Personenkreis.

Einordnung: Digitale Souveränität in Europa

Der Schweizer Vorstoß reiht sich in einen breiteren europäischen Trend ein, öffentliche Verwaltungen unabhängiger von US-Cloud-Anbietern wie Microsoft zu machen. openDesk selbst ist ein in Deutschland entwickeltes Open-Source-Softwarepaket, das von Bund und Ländern dort bereits in mehreren Verwaltungseinheiten erprobt wird. Als Hauptmotive nennt die Bundeskanzlei neben möglichen Kosteneinsparungen vor allem Datenschutz und die Verringerung der Abhängigkeit von internationalen Cloud-Anbietern – ein Argument, das seit Jahren in Debatten um digitale Souveränität in Europa auftaucht.

Was unklar bleibt

Offen ist, wie robust sich die beim Proof-of-Concept aufgetretenen technischen Probleme, etwa bei großen Videokonferenzen, bis zum breiteren Pilotbetrieb tatsächlich lösen lassen. Unklar ist auch, ob und wie die Bundeskanzlei nach Abschluss der Pilotphase Ende 2027 über eine Ausweitung auf die übrigen rund 51.000 Arbeitsplätze der Bundesverwaltung entscheiden will und welche Gesamtkosten ein solcher Vollausbau verursachen würde. Beim Kommando Cyber ist zudem nicht abschließend bestätigt, ob der für Ende Oktober 2026 anvisierte Zeitplan tatsächlich eingehalten wird. Eine Stellungnahme von Microsoft zu dem Vorhaben liegt in den vorliegenden Quellen nicht vor.