Der monatelange Bieterkampf um die Wiener Addiko Bank ist entschieden: Nach Ablauf der Annahmefristen beider Angebote am Mittwoch, 29. Juli 2026, 17 Uhr, hat die Raiffeisen Bank International (RBI) mit 56,16 Prozent angedienten Aktien (10.831.435 Stück) ihre Mindestannahmequote von 55 Prozent überschritten und sich die Übernahme gesichert. Die slowenische NLB ging trotz eines deutlich höheren Angebots von 37,00 Euro je Aktie gegenüber 26,50 Euro bei der RBI leer aus. Fünf voneinander unabhängige Wirtschaftsmedien berichten diese Abschlusszahlen übereinstimmend unter Berufung auf eine RBI-Mitteilung.
Als ausschlaggebend gilt laut Berichten ein bereits im Vorfeld vereinbarter Deal mit dem serbischen Addiko-Aktionär Alta Group, der laut Zahlen 1.878.167 Aktien (9,63 Prozent) hält, dem aber insgesamt bis zu knapp 30 Prozent der Anteile zugerechnet werden – exakte Angaben dazu fehlen jedoch. RBI will nach der Übernahme nur das Geschäft in Kroatien, Slowenien und Österreich behalten und die übrigen Märkte Serbien, Bosnien und Herzegowina sowie Montenegro im Rahmen eines Carve-outs an die Alta Group abstoßen – der Vollzug steht weiter unter dem Vorbehalt ausstehender Kartell- und Regulierungsfreigaben. Laut einem Bericht hatte zudem Unklarheit über die Eigentumsverhältnisse bereits zuvor die Europäische Zentralbank zur Empfehlung einer Dividendensperre für 2024 und 2025 veranlasst.
Addiko Bank, Nachfolgerin der früheren Hypo Alpe Adria, ist auf Konsumenten- und KMU-Geschäft in Südosteuropa fokussiert. Offen bleiben eine offizielle Reaktion der NLB, die genaue Struktur der Alta-Beteiligung sowie Zeitplan und Genehmigungsstatus des angekündigten Carve-outs.
Was passiert ist
Der monatelange Bieterkampf um die Wiener Addiko Bank ist laut vorliegenden Quellen entschieden: Am Mittwoch, 29. Juli 2026, um 17 Uhr sind die Annahmefristen sowohl für das Angebot der Raiffeisen Bank International (RBI) als auch für jenes der slowenischen Nova Ljubljanska Banka (NLB) abgelaufen. RBI hat danach mit 56,16 Prozent angedienten Addiko-Aktien ihre eigene Mindestannahmequote von 55 Prozent überschritten und sich damit die Übernahme gesichert – obwohl die NLB mit 37,00 Euro je Aktie deutlich mehr geboten hatte als die RBI mit 26,50 Euro.
Die Gebote im Vergleich
RBI bot laut eigener Ad-hoc-Mitteilung vom 9. Juli 2026 26,50 Euro je Addiko-Aktie, bei einer zuvor von über 75 auf über 55 Prozent gesenkten Mindestannahmequote. Die NLB konterte mit 37,00 Euro je Aktie – rund 40 Prozent mehr als RBI – bei einer auf über 50 Prozent gesenkten Mindestannahmequote. Trotz dieses erheblichen Preisunterschieds war am Ende das niedrigere RBI-Angebot erfolgreich: Die Annahmefrist für das NLB-Angebot war von der Übernahmekommission zuvor bereits von ursprünglich 16. Juli auf 29. Juli 2026 verlängert worden, weil die Kommission das NLB-Angebot als Verbesserung gegenüber dem RBI-Angebot anerkannt hatte.
Endergebnis: RBI gewinnt mit 56,16 Prozent
Nach Fristablauf am 29. Juli 2026 lagen für die RBI laut übereinstimmenden Berichten Annahmeerklärungen für insgesamt 10.831.435 Addiko-Aktien vor – 56,16 Prozent aller ausgegebenen Aktien und damit deutlich über der eigenen Mindestannahmequote von 55 Prozent. Diese Zahl schließt 1.878.167 Aktien (9,63 Prozent aller Addiko-Aktien) ein, die von der serbischen Alta Group d.o.o. gehalten werden. Fünf voneinander unabhängige Wirtschaftsmedien – derStandard, Die Presse, Kurier, Kleine Zeitung und ORF – berichten diese Zahlen übereinstimmend unter Berufung auf eine Mitteilung der RBI. Die vorherige Rücktrittsfrist bis 23. Juli 2026, in der bereits angedienende Aktionäre zum NLB-Angebot hätten wechseln können, hat den RBI-Vorsprung demnach nicht mehr gefährdet.
Warum RBI trotz niedrigerem Preis gewann: Der Deal mit der Alta Group
Als ausschlaggebend für den RBI-Erfolg gilt laut Berichten ein bereits im Vorfeld des Angebots vereinbarter Deal mit dem serbischen Addiko-Aktionär Alta Group. RBI will nach der Übernahme lediglich das Geschäft in Kroatien, Slowenien und Österreich behalten und die übrigen Märkte – Serbien, Bosnien und Herzegowina sowie Montenegro – im Rahmen eines Carve-outs an die Alta Group abstoßen. Die Alta Group hält direkt knapp 10 Prozent der Addiko-Aktien; über Finanzinstrumente dürfte ihr Anteil höher liegen, insgesamt werden ihr knapp 30 Prozent der Addiko-Anteile zugerechnet. Genaue Angaben zu den tatsächlichen Eigentumsverhältnissen gibt es laut den vorliegenden Berichten allerdings nicht – dieser Punkt bleibt entsprechend vorsichtig eingeordnet. Ob und wann der Carve-out tatsächlich vollzogen wird, hängt weiterhin von ausstehenden Kartell- und Regulierungsfreigaben ab; ein verbindlicher Zeitplan liegt nicht vor.
Regulatorischer Hintergrund: EZB und die Eigentumsfrage
Die Unklarheit über die tatsächlichen Eigentumsverhältnisse bei Addiko hatte laut einem Bericht bereits vor mehreren Jahren die Regulatoren aufmerksam gemacht: Die Europäische Zentralbank soll daraufhin eine Aussetzung der Dividendenzahlungen empfohlen haben. Für die Geschäftsjahre 2024 und 2025 habe es entsprechend keine Ausschüttung an die Addiko-Aktionäre gegeben. Dieser Punkt stammt aus einer einzelnen Quelle und ist bislang nicht durch eine zweite, unabhängige Stelle wie die EZB selbst bestätigt.
Was die Quellen zeigen
Die zentralen Abschlusszahlen – 56,16 Prozent Annahmequote, 10.831.435 angediente Aktien, davon 1.878.167 Aktien der Alta Group – werden von fünf voneinander unabhängigen Wirtschaftsmedien übereinstimmend berichtet und explizit auf eine Mitteilung der RBI nach Fristablauf zurückgeführt; das deckt sich mit dem bereits am 16. Juli erreichten Zwischenstand von 55,32 Prozent und ergibt eine konsistente, plausible Zahlenreihe. Für die Erklärung über den Alta-Group-Deal und den EZB-Hintergrund liegt ein direkt abgerufener Volltext (Die Presse, gestützt auf APA) vor – dieser weist selbst darauf hin, dass exakte Angaben zu den Eigentumsverhältnissen der Alta Group fehlen, weshalb dieser Punkt vorsichtiger eingestuft bleibt. Die offiziellen EQS-News/OTS-Mitteilungen der RBI zum Zwischenstand (27. Juli) und zum Endstand (29. Juli, deutsch und englisch) sind über Links auffindbar, ihr Volltext wurde in dieser Recherche jedoch nicht direkt abgerufen. Eine eigene Stellungnahme der NLB zu ihrer Niederlage liegt weiterhin nicht vor.
Was noch offen bleibt
Offen ist, wie sich die NLB offiziell zu ihrer Niederlage äußert und welche nächsten Schritte sie plant. Ungeklärt bleibt auch, wie genau die Eigentumsverhältnisse der Alta Group an Addiko strukturiert sind und welcher Anteil ihr über Finanzinstrumente tatsächlich zurechenbar ist. Beim angekündigten Carve-out der Balkan-Töchter an die Alta Group ist offen, ob und wann die dafür nötigen Kartell- und Regulierungsfreigaben erteilt werden – ein verbindlicher Zeitplan liegt nicht vor. Auch die Reaktionen von Minderheitsaktionären und Aktionärsvertretungen auf den Erfolg des preislich niedrigeren RBI-Angebots sowie mögliche Auswirkungen auf Kundschaft und Beschäftigte in den betroffenen Märkten sind in den vorliegenden Quellen nicht dokumentiert.
Einordnung
Addiko Bank mit Sitz in Wien ist die Nachfolgerin der früheren Hypo Alpe Adria und war nach der europäischen Schuldenkrise als eigenständiges Institut mit Fokus auf Konsumenten- und KMU-Geschäft in Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Serbien sowie Montenegro neu positioniert worden. Der monatelange Bieterkampf zwischen einer österreichischen und einer slowenischen Bank um dieses südosteuropäische Bankennetzwerk ist mit dem Überschreiten der RBI-Schwelle nach Fristablauf am 29. Juli 2026 nun entschieden. Bemerkenswert ist, dass sich am Ende nicht das preislich höhere, sondern das strategisch abgesicherte Angebot durchgesetzt hat – abgesichert offenbar durch einen Vorab-Deal mit dem Großaktionär Alta Group, dem RBI im Gegenzug Teile des Balkan-Geschäfts überlassen will. Damit verschiebt sich der Fokus der Berichterstattung von der Frage, wer die Übernahme gewinnt, hin zu der Frage, wie RBI ihre neue Struktur – Kernmärkte Österreich, Kroatien und Slowenien einerseits, ein Carve-out am Balkan andererseits – tatsächlich umsetzt und welche regulatorischen Hürden dabei noch zu nehmen sind.


