Der ORF hat am 28. September 2026 einen neuen Dialogprozess mit Partnern aus Sport und Kultur gestartet: Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer und der designierte Generaldirektor Clemens Pig trafen ÖFB-Aufsichtsratschef Josef Pröll, ÖSV-Präsidentin Roswitha Stadlober, Wiener-Symphoniker-Intendant Jan Nast und Woodstock-der-Blasmusik-Chef Simon Ertl. Alle vier bescheinigten dem Sender hohe Bedeutung für ihren Bereich – von der Nachwuchsarbeit im Fußball und Skisport über die laut ORF-Bericht rund 934.000 Zuschauerinnen und Zuschauer beim jüngsten Nationalteam-Heimspiel bis zur Sichtbarkeit für Blasmusik und Wiener Symphoniker.
Wie im bisherigen Bericht zur ORF-Reformdebatte dargestellt, laufen parallel Sparmaßnahmen, ein gestrichener Bundeszuschuss von 90 Millionen Euro sowie ein politischer Streit über die künftige Finanzierung, den auch das ORF-Zukunftsforum nicht gelöst hatte. Vor diesem Hintergrund hatten Sport- und Kulturvertreter zuletzt gewarnt, der Sparkurs werde „manches nicht mehr“ geben – ohne dabei konkrete Sendungen zu benennen.
Pig, der im Juni 2026 zum künftigen ORF-Chef gewählt wurde und sein Amt mit 1. Jänner 2027 antritt, nutzte den Termin auch, um eigene Prioritäten zu setzen: Festhalten an der Formel-1-Kooperation mit ServusTV, ORF Sport+ als „starken Hebel“. Alle zitierten Stimmen kamen dabei von Partnern, die selbst von der Zusammenarbeit profitieren – kritische oder konkurrierende Einschätzungen fehlten bei diesem Termin, und welche Sendungen konkret gefährdet sind, blieb offen.
Neuer Schulterschluss vor dem Sparkurs
Während die Finanzierung des ORF zwischen ÖVP-Vorstoß und der Ablehnung durch Medienminister Andreas Babler weiterhin ungeklärt ist, hat der öffentlich-rechtliche Sender am 28. September 2026 einen eigenen, davon losgelösten Termin gesetzt: ORF-Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer und der designierte Generaldirektor Clemens Pig trafen im ORF-Zentrum auf dem Küniglberg Vertreter aus Sport und Kultur – ÖFB-Aufsichtsratsvorsitzenden Josef Pröll, ÖSV-Präsidentin Roswitha Stadlober, den Intendanten der Wiener Symphoniker, Jan Nast, und Woodstock-der-Blasmusik-Festivalchef Simon Ertl. Der Termin markiert nach ORF-Angaben den Auftakt eines „umfassenden Dialogprozesses“, der klären soll, wo die Partner des Senders derzeit Schwierigkeiten sehen und wie die künftige Zusammenarbeit aussehen könnte.
Vorgeschichte: Sparkurs und ungeklärte Finanzierung
Wie im bisherigen Bericht zur ORF-Reformdebatte dargestellt, hat die Regierung dem Sender im kommenden Doppelbudget einen jährlichen Bundeszuschuss von 90 Millionen Euro gestrichen, während ÖVP und SPÖ über die künftige Finanzierungsform streiten und das ORF-Zukunftsforum die Geldfrage ausdrücklich unbeantwortet gelassen hatte. Vor diesem Hintergrund hatten Sport- und Kulturvertreter zuletzt öffentlich gewarnt, dass wegen des Sparkurses „manches nicht mehr“ geben werde – welche konkreten Sendungen oder Übertragungen davon betroffen sein könnten, blieb dabei aber offen.
Was die Partner dem Sender bescheinigen
Beim Pressegespräch nach dem Treffen betonten die Gäste unisono die Bedeutung des Senders für ihren Bereich. Pröll verwies auf rund 45.000 Besucherinnen und Besucher beim jüngsten Heimspiel der Fußball-Nationalmannschaft im Ernst-Happel-Stadion und – laut ORF-Bericht – im Schnitt 934.000 Personen vor den Fernsehgeräten; ohne die Sichtbarkeit durch den ORF wäre seiner Einschätzung nach auch die Entwicklung des Frauenfußballs in Österreich nicht in dieser Breite möglich gewesen. Stadlober sah im Sender einen „Garanten für hohe Einschaltquoten“, der dem Skinachwuchs erst die nötige Sichtbarkeit verschaffe. Ertl bescheinigte dem ORF, die Wahrnehmung der Blasmusik in den vergangenen Jahren verändert zu haben, während Nast den Sender als „sehr treuen Begleiter“ der Wiener Symphoniker bezeichnete und auf gemeinsame Formate wie das Adventkonzert im Stephansdom verwies. Alle diese Einschätzungen stammen von Partnern, die selbst von einer fortgesetzten Zusammenarbeit profitieren; unabhängige oder kritische Stimmen kamen bei diesem Termin nicht zu Wort.
Pigs Kurs vor Amtsantritt
Für den designierten Generaldirektor ist der Termin auch ein Signal an die eigene Zukunft: Pig war im Juni 2026 vom Stiftungsrat zum künftigen ORF-Chef gewählt worden und tritt sein Amt mit 1. Jänner 2027 an. Er kündigte an, an der Formel-1-Kooperation mit ServusTV festhalten zu wollen, und bezeichnete ORF Sport+ als „starken Hebel“, um die Breite des heimischen Sports abbilden zu können. Ohne den ORF, so Pig, ginge eine große Bühne für österreichischen Sport und Kultur verloren, die auch internationale Plattformen nicht ersetzen würden. Lederer kündigte an, den Austausch künftig auf weitere Stakeholder-Gruppen auszudehnen und generell stärker nach außen zu gehen.
Was weiter offen bleibt
Unbeantwortet bleibt, welche konkreten Sendungen oder Übertragungen der Sparkurs tatsächlich gefährdet – weder der ORF noch die anwesenden Partner nannten beim Termin Einzelfälle. Offen ist zudem, ob der von Pig und Lederer begonnene Dialog auch kritischere oder konkurrierende Stimmen einbezieht, wie sich der Prozess zur weiterhin ungelösten Finanzierungsfrage aus dem Zukunftsforum verhält, und ob die noch amtierende Generaldirektorin Ingrid Thurnher in die von ihrem designierten Nachfolger gestartete Initiative eingebunden ist.

