Rund zwei Wochen nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt ist eine Delegation der dortigen AfD-Landtagsfraktion nach Wien gereist, um FPÖ-Vertreter zu treffen. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sagte im Parteimedium FPÖ TV, man wolle von den FPÖ-Erfahrungen für die eigene Regierungsarbeit lernen; Fraktionsgeschäftsführer Tobias Rausch sprach gegenüber der dpa von einer Fortsetzung eines seit Jahresbeginn 2026 laufenden Austauschs. Ein FPÖ-Sprecher erklärte der APA, es seien keine medienöffentlichen Termine geplant gewesen – das Treffen selbst blieb also nicht öffentlich einsehbar.
Aus dem österreichischen Parlament kam rasch scharfe Kritik von drei Seiten. ÖVP-Mandatar Andreas Hanger sprach von „Verbrüderung“ mit der von ihm als rechtsextrem eingestuften AfD und erinnerte an frühere Siegmund-Aussagen zu „Remigrationsplänen“ mit Waffengewalt. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim nannte es ein „Geheimtreffen“ und warf der „Kickl-FPÖ“ vor, der AfD wiederholt den blauen Teppich auszurollen. Der Grüne Lukas Hammer erklärte, Kickls frühere Empörung über die Bezeichnung der AfD als FPÖ-Schwesterpartei entlarve sich angesichts des Treffens als „Nebelgranate“.
Während die AfD in Wien offenbar Erfahrungen für eine mögliche eigene Regierungsverantwortung sammelte, zeichnet sich in Magdeburg eine Gegenbewegung ab: Die SPD-Landeschefs Juliane Kleemann und Andreas Schmidt luden CDU, Grüne, Linke und BSW zu Gesprächen über eine Regierungsbildung ohne AfD ein, Grüne und Linke sagten zu. Medienberichten zufolge soll dabei auch die Wahl eines parteilosen Ministerpräsidenten ausgelotet werden, während das BSW zugleich – nicht primärquellenseitig bestätigt – auch ein Gesprächsangebot der AfD angenommen haben soll. Teilnehmerkreis, Dauer und Agenda des Wiener Treffens bleiben ebenso offen wie eine Reaktion von FPÖ-Chef Herbert Kickl und der Ausgang der Magdeburger Sondierungen.
Delegation aus Sachsen-Anhalt bei FPÖ in Wien
Rund zwei Wochen nach dem Wahltriumph der AfD in Sachsen-Anhalt – dem bislang ausführlich im bisherigen Bericht dargestellten Urnengang, bei dem die Partei mit 43,8 Prozent stärkste Kraft wurde, aber die absolute Mehrheit verfehlte – ist eine Delegation der dortigen AfD-Landtagsfraktion nach Wien gereist. Ziel war ein Treffen mit FPÖ-Vertretern, das FPÖ TV, das Parteimedium der Freiheitlichen, mit Aussagen von AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund dokumentierte: Man sei „hier, um von der Erfahrungen der FPÖ zu lernen, um diese mitzunehmen in unsere Regierungsarbeit“.
Der parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Landtagsfraktion, Tobias Rausch, ordnete den Besuch gegenüber der Nachrichtenagentur dpa als Fortsetzung eines bereits zu Jahresbeginn 2026 begonnenen Austauschs mit den österreichischen Partnern ein: „Wer Regierungsverantwortung übernehmen will, muss vorbereitet sein.“ Ein FPÖ-Sprecher erklärte auf Anfrage der APA, es seien keine medienöffentlichen Termine geplant gewesen – das Treffen selbst blieb also nicht öffentlich einsehbar, öffentlich wurde nur, dass es stattfand.
Scharfe Kritik von ÖVP, SPÖ und Grünen
Aus dem österreichischen Parlament kam rasch und von drei Seiten Kritik. ÖVP-Nationalratsabgeordneter Andreas Hanger sprach in einer Aussendung mit dem Titel „Verbrüderung mit rechtsextremer AfD spricht eindeutige Sprache“ und erinnerte daran, dass Siegmund zuvor mit Aussagen zu umstrittenen „Remigrationsplänen“ in Verbindung gebracht worden war, die auch mit Waffengewalt umgesetzt werden sollten.
SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim betitelte seine Reaktion mit „Kickls Worte sind Schall und Rauch – Packelei der FPÖ mit rechtsextremer AfD ist Gefahr für Demokratie und Europa“ und sprach von einem „Geheimtreffen“: Die „Kickl-FPÖ“ rolle der rechtsextremen AfD „zum wiederholten Mal“ den blauen Teppich aus und packle „hinter verschlossenen Türen“ mit ihrer Schwesterpartei.
Der Grüne Rechtsextremismussprecher Lukas Hammer titelte seine Aussendung „FPÖ und AfD immer weniger zu unterscheiden“ und erklärte, die von FPÖ-Chef Herbert Kickl zuletzt zur Schau gestellte Empörung darüber, die AfD als Schwesterpartei zu bezeichnen, entlarve sich „spätestens jetzt als Nebelgranate“: Die politische Nähe sei offensichtlich.
Ein Baustein im AfD-FPÖ-Austausch – aber weiter mit Lücken
Der Wiener Besuch reiht sich in mehrere in den vergangenen Wochen berichtete Kontakte zwischen AfD und FPÖ ein: Bereits im August hatte AfD-Chefin Alice Weidel im ZDF-Sommerinterview aus Wien von einem Austausch mit der FPÖ berichtet und den steirischen Landeshauptmann Mario Kunasek als Vorbild gelobt; die FPÖ hatte damals gegenüber der „Kronen Zeitung“ erklärt, es sei vor allem um Erfahrungen aus der Länder-Regierungsbeteiligung gegangen. Wie berichtet hatte FPÖ-Chef Kickl im September-Sommergespräch zugleich versucht, sich emotional von der AfD abzugrenzen, ohne dabei selbst eine klare rote Linie zu ziehen – FPÖ-Vizeparteichefin Marlene Svazek wollte Siegmund zuvor etwa nicht als „extrem“ bezeichnen.
Rauschs Hinweis auf einen bereits seit Jahresbeginn laufenden Austausch stützt damit die schon zuvor aufgeworfene, aber bislang nicht abschließend geklärte Frage, wie eng und institutionalisiert die Verbindungen zwischen beiden Parteien tatsächlich sind: Ein konkretes, wiederholtes Treffen auf Delegationsebene ist damit belegt, sein genauer Inhalt und Umfang bleiben aber – auch nach diesem Termin – ohne öffentlich zugängliches Protokoll oder gemeinsame Erklärung von AfD und FPÖ weiterhin unklar. Ob und wie Kickl selbst auf das Treffen und die Kritik von ÖVP, SPÖ und Grünen reagiert, war zum Zeitpunkt der Berichterstattung nicht bekannt und ist es auch weiterhin nicht.
SPD lädt zu Gesprächen über eine Regierung ohne AfD
Während der Wiener Besuch als Vorbereitung der AfD auf eine mögliche eigene Regierungsverantwortung in Sachsen-Anhalt gelesen werden kann, zeichnet sich in Magdeburg eine Gegenbewegung ab: Rund zwei Wochen nach der Landtagswahl lud die SPD-Spitze in Sachsen-Anhalt, die Landesvorsitzenden Juliane Kleemann und Andreas Schmidt, Vertreter von CDU, Grünen, Linken und BSW überraschend zu Gesprächen über eine Regierungsbildung ein. In ihrem Schreiben an die vier Parteien schrieben sie, man stehe in der Verantwortung, „die bestehenden Möglichkeiten für die Bildung einer stabilen und handlungsfähigen Regierung ernsthaft auszuloten“. Grüne und Linke sagten ihre Teilnahme an dem Austausch in Magdeburg zu.
Laut Medienberichten – die uns nicht im Volltext einer offiziellen SPD-Erklärung, sondern nur über mehrere deutsche Medien vorliegen – soll dabei unter anderem die Wahl eines parteilosen Ministerpräsidenten besprochen werden. Dieselben Berichte beschreiben zugleich, dass das BSW als bislang einzige der eingeladenen Parteien auch ein separates Gesprächsangebot der AfD zur Zukunft des Landes angenommen habe. Wie belastbar diese Darstellung ist und wie sich das zu der zuvor berichteten Haltung des BSW verhält, eine Koalition mit der AfD sowie die Wahl von Spitzenkandidat Ulrich Siegmund in den ersten beiden Wahlgängen der Ministerpräsidentenwahl abzulehnen, lässt sich mit den vorliegenden Quellen nicht abschließend klären. Ob die Magdeburger Gespräche zu einer tragfähigen Mehrheit ohne die AfD führen, ist damit ebenso offen wie eine mögliche Reaktion der FPÖ auf das parallel stattgefundene Wien-Treffen.


