Textlänge

Anthropic kündigt eine Prüf-API an, mit der Drittanbieter feststellen können, ob ein Text wahrscheinlich mit dem KI-Modell Claude erstellt wurde. Die Technik basiert auf einer Variante von Googles SynthID-Text-Methode, die DeepMind 2024 in Nature vorgestellt hat: Sie verändert die Zufallsquelle bei der Wortwahl und soll laut Anthropic Inhalt und Lesbarkeit nicht beeinträchtigen. Bei kurzen, faktenbasierten Texten, bei Code oder nach starkem Umschreiben stößt das Verfahren an Grenzen.

Als Grund nennt Anthropic die Erfüllung des EU-AI-Act: Das Unternehmen gehört zu rund 190 Organisationen, die im Juli 2026 den EU Code of Practice zur Transparenz von KI-Inhalten unterschrieben haben. Weil eine regionale Beschränkung technisch nicht möglich sei, gilt das Watermarking weltweit für alle seit 2. August 2026 veröffentlichten Claude-Modelle; ältere Modelle sollen folgen.

Die Ankündigung sorgte auch für Kritik: Teile der Nutzerschaft befürchten laut Medienberichten, bei Beruf oder Ausbildung durch die Kennzeichnung entdeckt zu werden, während andere Nutzer dem widersprechen. Wie zuverlässig die Erkennung unter realen Bedingungen tatsächlich ist, wurde bislang nicht unabhängig geprüft.

Was passiert ist

Anthropic will Drittanbietern künftig eine eigene Prüf-API zur Verfügung stellen, mit der sich feststellen lässt, ob ein Text wahrscheinlich mit dem KI-Modell Claude erstellt wurde. Die Ankündigung reiht sich in eine Serie von Schritten großer KI-Anbieter zur Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten ein und betrifft laut übereinstimmenden Medienberichten sämtliche Zugangswege zu Claude, darunter die Claude-Plattform-API, claude.ai sowie Cloud-Angebote über AWS, Google Cloud und Microsoft Foundry. Damit reagiert Anthropic auf wachsenden regulatorischen und gesellschaftlichen Druck, KI-Texte von menschlich verfassten Inhalten unterscheidbar zu machen.

Wie die Technik funktioniert

Grundlage ist eine Variante der SynthID-Text-Methode, die Google DeepMind 2024 in der Fachzeitschrift Nature vorgestellt hat. Das Verfahren verändert nicht den Inhalt eines Textes, sondern die Zufallsquelle, die Claude bei der Auswahl zwischen mehreren möglichen Wörtern nutzt. Dadurch entsteht ein statistisches Muster, das sich später wieder auslesen lässt, ohne laut Anthropic Qualität oder Lesbarkeit des Textes zu verändern. An Grenzen stößt das Verfahren dort, wo es kaum alternative Formulierungen gibt: bei sehr kurzen Texten, stark faktenbasierten Passagen oder Code. Reine Korrekturen menschlicher Texte hinterlassen ebenfalls keine verlässliche Spur, während Übersetzungen, bei denen sämtliche Wörter von Claude gewählt werden, gut erkennbar bleiben sollen. Starkes Umschreiben eines Textes kann das Wasserzeichen wieder entfernen. Für Dateien setzt Anthropic zusätzlich auf den offenen Metadaten-Standard C2PA, der Herkunftsinformationen anfügt, ohne die Datei selbst zu verändern.

Warum jetzt

Als Motiv nennt Anthropic laut den vorliegenden Berichten die Erfüllung des EU-AI-Act. Das Unternehmen gehört zu rund 190 Organisationen, die im Juli 2026 den EU Code of Practice zur Transparenz von KI-generierten Inhalten unterzeichnet haben. Weil eine technische Beschränkung der Kennzeichnung auf die EU derzeit nicht möglich sei, rolle Anthropic das Watermarking weltweit aus. Alle seit dem 2. August 2026 veröffentlichten Claude-Modelle markieren Texte demnach automatisch; ältere Modelle sollen die Funktion in den kommenden Monaten erhalten. Von externer KI-Erkennungssoftware, die nach typischen sprachlichen Mustern sucht, unterscheidet sich der Ansatz grundlegend: Da nur Anthropic den zugrunde liegenden Schlüssel kennt, kann ausschließlich die eigene Prüf-API das Wasserzeichen zuverlässig auslesen.

Reaktionen und Kritik

Die Ankündigung löste laut TechCrunch auch Unmut bei einem Teil der Claude-Nutzerschaft aus. In Onlineforen wie Reddit äußerten mehrere Nutzer die Sorge, künftig bei Beruf oder Ausbildung „erwischt“ zu werden, etwa wenn sie Claude zum Umformulieren von Absätzen oder zum Zusammenfassen von Texten genutzt hätten. Andere Nutzer widersprachen dieser Darstellung deutlich und verwiesen darauf, dass unethische Verwendung – etwa das unveränderte Einfügen von KI-Text in Aufsätze oder Artikel – ohnehin fragwürdig sei. Vereinzelt wurde auch ein grundsätzlicherer Einwand vorgebracht: Es wirke widersprüchlich, wenn ein Unternehmen, dessen Modelle mit fremden Inhalten trainiert wurden, nun selbst auf strenge Kennzeichnung der eigenen Ausgaben poche. Ars Technica ordnete das unsichtbare Wasserzeichen in einem eigenen Beitrag skeptisch ein und verwies auf dessen aktuelle Grenzen.

Was unklar bleibt

Offen ist, wie zuverlässig die Prüf-API unter realen Alltagsbedingungen tatsächlich arbeitet – bislang liegen dazu nur Angaben von Anthropic selbst vor, keine unabhängigen Tests. Auch ein genaues Datum für den Start der Drittanbieter-API wurde in den vorliegenden Quellen nicht genannt. Unklar ist zudem, wie robust das Verfahren gegen gezielte Umgehungsversuche in der Praxis ist, sowie wie Datenschutzbehörden, Bildungseinrichtungen oder Arbeitgeber auf die neue Möglichkeit reagieren werden, KI-Beteiligung an Texten nachzuweisen.