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Der belgische Tiefkühlkonzern Ardo schließt sein Werk in Groß-Enzersdorf (Bezirk Gänserndorf) im Jahr 2027. Wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte, läuft die Produktion in der Gemüseverarbeitung bis Dezember weiter, danach werden die Linien schrittweise abgeschaltet und das Gebäude entkernt. Ab August 2027 will sich Ardo in Österreich nur mehr auf den Vertrieb konzentrieren.

Betroffen sind laut übereinstimmenden Berichten rund 190 Beschäftigte – 187 Kündigungen sind geplant, sieben Vertriebsmitarbeiter sollen an einem neuen Standort in der Region Wien weiterarbeiten – sowie rund 50 saisonale Leiharbeitskräfte. Als Grund nennt Ardo das Alter der Anlage und einen Modernisierungsbedarf von laut Unternehmensangaben über 100 Millionen Euro, der sich angesichts der Entfernung zum westeuropäischen Markt und der Konkurrenz aus Mittel- und Osteuropa nicht mehr rechtfertige. Ein Sozialplan mit dem Betriebsrat wird ausgearbeitet.

Die Gewerkschaft PRO-GE fordert einen raschen Sozialplan und eine Arbeitsstiftung, die Landwirtschaftskammer Niederösterreich warnt vor Folgen für rund 500 Bauernfamilien im Marchfeld. Offen bleiben unter anderem die Nachnutzung des Geländes und der genaue Inhalt des Sozialplans.

Was passiert ist

Der belgische Tiefkühlkonzern Ardo schließt sein Werk in Groß-Enzersdorf im niederösterreichischen Bezirk Gänserndorf. Wie das Unternehmen am Donnerstag in einer Aussendung mitteilte, wird der Produktions- und Verpackungsstandort 2027 schrittweise eingestellt. Die Produktion in der Gemüseverarbeitung soll laut Ardo bis Dezember weiterlaufen, danach werden die Produktionslinien nach und nach abgeschaltet und das Gebäude entkernt. Ab August 2027 will sich das Unternehmen in Österreich auf den Vertrieb konzentrieren; das dafür benötigte Gemüse soll dann aus anderen Ardo-Werken in Europa geliefert werden.

Von der Schließung betroffen sind laut ORF-Recherche 194 Beschäftigte, von denen 187 gekündigt werden sollen. Die restlichen sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Vertrieb und Vertriebsinnendienst sollen künftig von einem noch festzulegenden neuen Standort in der Region Wien aus arbeiten. Hinzu kommen rund 50 saisonale Leiharbeitskräfte, die ihre Beschäftigung am Standort ebenfalls verlieren. Die Belegschaft wurde laut übereinstimmenden Berichten von ORF, Der Standard, Kurier und Kleine Zeitung am Donnerstag über die bevorstehende Schließung informiert.

Begründung des Unternehmens

Ardo begründet den Schritt mit dem Alter der Anlage und hohem Investitionsbedarf. Das Werk sei „in die Jahre gekommen“ und benötige laut Aussendung erhebliche Investitionen in Produktion, Verpackung, Lagerhaltung und Versorgungseinrichtungen. Auf Nachfrage von noe.ORF.at bezifferte ein Unternehmenssprecher den notwendigen Modernisierungsaufwand mit mehr als 100 Millionen Euro – eine Summe, die sich angesichts der „begrenzten Kostenwettbewerbsfähigkeit“ gegenüber mittel- und osteuropäischen Standorten und der Entfernung zum westeuropäischen Absatzmarkt für einen vergleichsweise kleinen heimischen Markt kaum noch rechtfertigen lasse.

Das Werk wurde 1965 gegründet, Ardo übernahm den Standort 2008 und investierte seither nach eigenen Angaben mehrfach, unter anderem in neue Produktionslinien. Werksleiter Christian Karwen kündigte an, gemeinsam mit dem Betriebsrat einen Sozialplan zu erarbeiten, der soziale Kriterien berücksichtigen und den geplanten schrittweisen Rückzug aus der österreichischen Produktion begleiten soll.

Reaktionen

Die Gewerkschaft PRO-GE forderte in einer eigenen Aussendung einen raschen Sozialplan sowie eine Arbeitsstiftung für die betroffenen Beschäftigten. Durch das Aus des Produktionsstandorts drohe laut Gewerkschaft ein „beträchtlicher Verlust an regionaler Wertschöpfung und ein Rückschritt bei der heimischen Lebensmittelversorgung“.

Auch die Landwirtschaftskammer Niederösterreich äußerte sich besorgt: Vizepräsident Lorenz Mayr erklärte, die Werksschließung betreffe nicht nur die Beschäftigten, sondern auch rund 500 Bauernfamilien im Marchfeld – der als Gemüse- und Kornkammer Österreichs bekannten Anbauregion – und damit die Versorgungssicherheit mit heimischen Lebensmitteln.

Was unklar bleibt

Offen ist bislang, welche konkrete Nachnutzung für das Werksgelände in Groß-Enzersdorf vorgesehen ist – laut Unternehmenssprecher gibt es dazu noch keine festen Pläne. Ebenso wenig ist bekannt, wann der Sozialplan mit dem Betriebsrat abgeschlossen sein wird und welche konkreten Leistungen er vorsieht. Auch der neue Vertriebsstandort in der Region Wien, an dem die verbleibenden sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter künftig arbeiten sollen, steht laut Ardo noch nicht endgültig fest. Wie genau sich die Schließung finanziell auf die rund 500 von der Landwirtschaftskammer genannten Bauernfamilien im Marchfeld auswirken wird, lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht näher beziffern.

Einordnung

Der Fall reiht sich in eine Reihe aktueller Werksschließungen und -verlagerungen produzierender Betriebe in Österreich ein – etwa den für 2027 angekündigten Abbau von rund 2.000 Stellen beim Faserhersteller Lenzing, wie „Neue Nachrichten“ berichtet hat. Wie im Fall Lenzing verweist auch Ardo auf Kostennachteile des österreichischen Produktionsstandorts gegenüber Mittel- und Osteuropa sowie auf hohen Investitionsbedarf bei alternder Infrastruktur. Die Ardo-Gruppe mit Sitz in Belgien ist auf Tiefkühlgemüse, -kräuter und -obst spezialisiert und betreibt nach eigenen Angaben mehr als 16 Produktions-, Verpackungs- und Distributionsstandorte in Europa; nach der Schließung in Groß-Enzersdorf verbleibt in Österreich nur mehr die Vertriebsfunktion.