Rund um mit dem Toxin Cereulid verunreinigte Babymilch der Hersteller Nestlé und Danone sind auch in Österreich Ermittlungen eingeleitet worden. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck ermittelt gegen Danone, die Staatsanwaltschaft Wien gegen Nestlé, jeweils wegen des Verdachts des fahrlässigen Inverkehrbringens gesundheitsschädlicher Lebensmittel. Den Ermittlungen ging eine Strafanzeige der Verbraucherschutzorganisation foodwatch voraus. Hintergrund ist ein weltweiter Rückruf von Säuglingsnahrung in mehr als 60 Ländern seit dem vergangenen Winter wegen möglicher Cereulid-Kontamination, die Durchfall und Erbrechen auslösen kann.
Auslöser in Österreich war laut Berichten der Fall eines Tiroler Babys, das im Herbst des Vorjahres trotz einer Entwarnung durch Danone anhaltend erkrankt war. Foodwatch gibt an, dass sich seither rund 90 Betroffene gemeldet hätten; in Frankreich sollen laut dortigen Medienrecherchen Ermittler einen Zusammenhang zwischen der Milch und Toxinnachweisen im Stuhl eines Säuglings bestätigt haben. Diese Zahlen und Detailangaben stammen überwiegend von foodwatch selbst oder aus ausländischer Berichterstattung und sind unabhängig nicht überprüft.
Offen bleiben die medizinische Bestätigung der österreichischen Fälle, eine aktuelle Stellungnahme von Nestlé und Danone sowie der weitere Ausgang der Verfahren bei den Staatsanwaltschaften Wien und Innsbruck.
Was passiert ist
Rund um die mit dem Toxin Cereulid verunreinigte Babymilch der Hersteller Nestlé und Danone sind auch in Österreich Ermittlungen eingeleitet worden. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck ermittelt gegen Danone, die Staatsanwaltschaft Wien gegen Nestlé – jeweils wegen des Verdachts des fahrlässigen Inverkehrbringens gesundheitsschädlicher Lebensmittel. Das haben die Behörden gegenüber Medien bestätigt. Den Ermittlungen ging eine Strafanzeige der Verbraucherschutzorganisation foodwatch gegen beide Konzerne voraus, die die Anzeige nach eigenen Angaben im Zusammenhang mit dem Skandal um verunreinigte Säuglingsnahrung erstattet hatte.
Auslöser für die Anzeige einer betroffenen Tiroler Familie war laut übereinstimmender Berichterstattung ein Baby, das im Herbst des vergangenen Jahres wochenlang an Erbrechen und Durchfall litt, ohne dass an der Universitätsklinik Innsbruck zunächst eine Ursache festgestellt werden konnte. Der Verdacht fiel schließlich auf die verwendete Babymilch von Danone. Nachdem das Unternehmen nach eigener Untersuchung der betroffenen Packung Entwarnung gegeben hatte, verabreichten die Eltern die Milch laut dieser Darstellung weiter – die Beschwerden hielten jedoch an. Diese Fallschilderung stammt aus einer einzelnen Quelle und ist nicht unabhängig verifiziert.
Hintergrund: ein weltweiter Rückruf
Mehrere Hersteller hatten im vergangenen Winter in mehr als 60 Ländern Säuglingsnahrung zurückgerufen. Grund war die mögliche Verunreinigung mit dem Giftstoff Cereulid, der Durchfall und Erbrechen auslösen kann. Neben Österreich meldeten unter anderem Belgien, Dänemark, Frankreich, Luxemburg, Spanien und das Vereinigte Königreich Fälle, die untersucht wurden. Laut foodwatch kam es bei Danone im Jänner zunächst zu einem sogenannten stillen Rückruf, bei dem Produkte ohne öffentliche Information aus dem Handel genommen wurden. Erst Ende Jänner folgte demnach ein öffentlicher Produktrückruf mit der Warnung, dass auch in Österreich mit Cereulid verunreinigte Babymilch im Umlauf gewesen sei. Diese Zeitlinie beruht auf Angaben der anzeigenerstattenden Organisation selbst.
Was die Quellenlage zeigt
Dass die Staatsanwaltschaften Innsbruck und Wien tatsächlich ermitteln, ist von den Behörden bestätigt und wird von mehreren österreichischen Medien – ORF, Kleine Zeitung, Der Standard und Kurier – übereinstimmend berichtet. Weniger gesichert sind die Begleitumstände: foodwatch gibt an, seit Beginn des Skandals hätten sich rund 90 Betroffene gemeldet, die einen zeitlichen Zusammenhang zwischen der Babymilch und Erkrankungssymptomen ihrer Kinder bestätigen. Diese Zahl stammt von der Organisation selbst und wurde nicht unabhängig überprüft. In Frankreich, wo ebenfalls nach einer foodwatch-Anzeige ermittelt wird, sollen laut Recherchen von Radio France, RTS und RTBF neue Details ans Licht gekommen sein: Die dortige Staatsanwaltschaft soll einen konkreten Zusammenhang zwischen dem Konsum kontaminierter Säuglingsnahrung und dem Nachweis von Toxinen im Stuhl eines 24 Tage alten Säuglings bestätigt haben – ein möglicher Baustein in den Ermittlungen, da die Konzerne bislang jeden Zusammenhang bestritten hätten. Diese Angabe ist mehrfach über Dritte weitergegeben und nicht aus erster Hand geprüft.
Was unklar bleibt
Offen ist, wie viele der in Österreich gemeldeten Fälle medizinisch tatsächlich auf eine Cereulid-Vergiftung durch die Babymilch zurückgeführt werden können. Laut foodwatch sei medizinisches Personal in Österreich erst spät über die Kontamination informiert worden, wodurch bei erkrankten Säuglingen kaum oder erst verspätet auf eine mögliche Cereulid-Vergiftung untersucht worden sei – auch diese Einschätzung stammt von der anzeigenerstattenden Organisation. Wie Nestlé und Danone die gegen sie laufenden Ermittlungen aktuell bewerten, ist aus den vorliegenden Quellen nicht ersichtlich; ihre bisherige Position war laut Berichten, jeglichen Zusammenhang zwischen den Produkten und den geschilderten Erkrankungen zu bestreiten. Auch der weitere Verfahrensverlauf bei den Staatsanwaltschaften Wien und Innsbruck sowie mögliche Konsequenzen sind offen.
Einordnung
Es handelt sich um ein sensibles Thema, das die Gesundheit von Säuglingen, ein laufendes Ermittlungsverfahren und schwere, bislang unbewiesene Vorwürfe gegen zwei internationale Konzerne berührt. Dieser Text benennt daher bewusst keine betroffene Familie namentlich und unterscheidet zwischen dem behördlich bestätigten Kernfaktum – den eingeleiteten Ermittlungen – und Detailangaben, die derzeit im Wesentlichen auf der anzeigenerstattenden Organisation oder auf ausländischer Medienberichterstattung beruhen. Eine strafrechtliche Verantwortung von Nestlé oder Danone ist mit der Einleitung von Ermittlungen nicht festgestellt.
