Der italienische Softwarekonzern Bending Spoons übernimmt die Kollaborationsplattform Miro. Laut einer Aussendung im Investoren-Newsroom des Unternehmens liegt der Unternehmenswert der Transaktion bei 1,355 Milliarden US-Dollar, unter Einbeziehung von Miros Nettobarmitteln ergibt sich ein Eigenkapitalwert von rund 1,79 Milliarden US-Dollar. Der Abschluss wird für das vierte Quartal 2026 erwartet und steht unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen. Golem, TechCrunch und Heise berichteten übereinstimmend über den Deal.
Der Preis liegt rund 90 Prozent unter der 17,5-Milliarden-Dollar-Bewertung, die Miro Ende 2021 erhalten hatte – obwohl das Unternehmen nach Angaben von Bending Spoons profitabel ist, über rund 600 Millionen US-Dollar wiederkehrende Jahresumsätze sowie mehr als 100 Millionen Nutzer verfügt. Es ist bereits die zweite große Übernahme von Bending Spoons binnen weniger Wochen: Erst Anfang September hatte der Konzern den Kauf von Airtable abgeschlossen.
Offen bleibt, warum Miros Führung dem niedrigen Preis zustimmte und wie sich das Unternehmen selbst dazu öffentlich positioniert; TechCrunch wirft diese Frage explizit auf.
Was passiert ist
Bending Spoons, ein italienischer Softwarekonzern, hat eine verbindliche Vereinbarung zur Übernahme der Kollaborationsplattform Miro unterzeichnet. Laut einer Aussendung im Investoren-Newsroom des Unternehmens beträgt der Unternehmenswert der Transaktion 1,355 Milliarden US-Dollar; unter Einbeziehung von Miros Nettobarmitteln ergibt sich daraus ein Eigenkapitalwert von rund 1,79 Milliarden US-Dollar. Die Übernahme soll vollständig in bar erfolgen, wobei einzelne Miro-Anteilseigner rund 295 Millionen US-Dollar ihres Verkaufserlöses in neu ausgegebene Bending-Spoons-Aktien reinvestieren sollen. Der Abschluss der Transaktion wird für das vierte Quartal 2026 erwartet und steht unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen. Golem, TechCrunch und Heise berichteten unabhängig voneinander über den Deal.
Die Zahlen hinter dem Deal
Miro wurde 2011 als Whiteboard-Tool RealtimeBoard gegründet, wuchs während der Corona-Pandemie stark und bezeichnet sich laut TechCrunch heute selbst als „AI innovation workspace“ mit KI-Assistenten und Integrationen zu mehr als 250 Plattformen. Nach Angaben von Bending Spoons zählt Miro mehr als 100 Millionen Nutzer und rund 250.000 Kundenorganisationen; TechCrunch beziffert unter Berufung auf Bending Spoons die Zahl der zahlenden Nutzer auf rund 4 Millionen und die jährlichen wiederkehrenden Einnahmen auf etwa 600 Millionen US-Dollar, von denen rund 90 Prozent aus dem Geschäftskundenbereich stammen sollen. Das Unternehmen sei zudem profitabel und verfüge über rund 435 Millionen US-Dollar an Nettobarmitteln.
Trotz dieser Kennzahlen liegt der nun vereinbarte Preis rund 90 Prozent unter der Bewertung von 17,5 Milliarden US-Dollar, die Miro Ende 2021 erhalten hatte – je nach herangezogener Kennzahl schwankt der Rückgang zwischen rund 90 und 92 Prozent. Miro hatte laut TechCrunch bereits zweimal Personal abgebaut: 119 Beschäftigte im Februar 2023 und Berichten zufolge rund 275 im Oktober 2024.
Einordnung: Bending Spoons als Serien-Käufer
Der Miro-Deal ist bereits die zweite große Übernahme des italienischen Konzerns innerhalb weniger Wochen: Erst am 4. September 2026 hatte Bending Spoons laut eigener Aussendung den Kauf von Airtable abgeschlossen, den man im Juli für rund 1,285 Milliarden US-Dollar vereinbart hatte – ein Zusammenhang, den auch Heise in seiner Berichterstattung festhält. Zum Portfolio von Bending Spoons zählen zudem etablierte Marken wie AOL, Eventbrite, Evernote, Vimeo und WeTransfer. TechCrunch ordnet die Käufe in einen breiteren Trend ein: Nach dem Abklingen der pandemiebedingten Nachfrage seien die Bewertungen vieler SaaS-Anbieter, die 2021 wie künftige Software-Giganten gehandelt wurden, drastisch gesunken – während viele dieser Firmen operativ weiterhin solide, aber deutlich langsamer wachsende Geschäfte betreiben. Miro konkurriert dabei unter anderem mit Canva, Figma und Microsoft um Budgets in Unternehmen, die zunehmend auf Software-Suiten statt Einzeltools setzen.
Was unklar bleibt
Offen ist, warum Miros Führung und Investoren dem vergleichsweise niedrigen Preis zustimmten, obwohl das Unternehmen nach eigenen Angaben profitabel ist und nicht auf frisches Kapital angewiesen zu sein scheint – TechCrunch wirft diese Frage in seiner Berichterstattung explizit auf. Eine öffentliche Stellungnahme des Miro-Managements zur Verkaufsentscheidung liegt in den ausgewerteten Quellen nicht vor. Ebenfalls offen sind die konkreten Auswirkungen der Übernahme auf die Belegschaft, die nach zwei Abbaurunden seit 2022 kleiner ist als die damals rund 1.200 Beschäftigten, sowie der genaue Zeitpunkt und Ausgang des noch ausstehenden behördlichen Genehmigungsverfahrens.

