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Eine Umfrage des Messerli Forschungsinstituts der Veterinärmedizinischen Universität Wien zeigt, dass kurzköpfige Hunderassen wie Möpse und Französische Bulldoggen fast durchgehend gesundheitliche Probleme haben. Die Forscherinnen Marlene Hebenstreit und Svenja Springer befragten 317 österreichische Tierärztinnen und Tierärzte; die Ergebnisse erschienen in der Fachzeitschrift BMC Veterinary Research.

Nahezu alle betroffenen Hunde zeigten laut den Befragten Atemprobleme, hohe Anteile litten zudem an Schnarchen, Hitzeunverträglichkeit, Verdauungs- und Schluckstörungen, erhöhter Körpertemperatur, wiederholtem Kollabieren und Schlafstörungen. Operative Eingriffe – etwa an Nasenlöchern, Gaumensegel oder Zungengrund – könnten die Atemwege entlasten und werden von vielen Tierärzten empfohlen, aber laut Umfrage nur selten tatsächlich durchgeführt. Hauptgründe seien Kosten und Zweifel der Besitzerinnen und Besitzer an der Notwendigkeit.

Offen bleibt, wie hoch die Operationsrate österreichweit insgesamt ist, wie die Volltextstudie im Detail aufgebaut ist und wie Zuchtverbände oder Regulierungsstellen auf die Ergebnisse reagieren. Die bisherige Berichterstattung stützt sich ausschließlich auf die Perspektive der befragten Tierärztinnen und Tierärzte.

Was passiert ist

Kurzköpfige Hunderassen wie Möpse und Französische Bulldoggen werden gezielt gezüchtet, weil viele Menschen ihr kindchenschema-artiges Gesicht mit kurzer Schnauze, großer Stirn und großen Augen niedlich finden. Laut einer Umfrage des Messerli Forschungsinstituts der Veterinärmedizinischen Universität Wien bezahlen die Tiere dafür mit erheblichen gesundheitlichen Problemen. Die Veterinärmedizinerinnen Marlene Hebenstreit und Svenja Springer befragten 317 praktizierende Tierärztinnen und Tierärzte in Österreich zu ihren Erfahrungen mit solchen brachyzephalen Hunden und deren Besitzerinnen und Besitzern. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift BMC Veterinary Research veröffentlicht.

Was die Quellen zeigen

Nach Angaben der befragten Tierärztinnen und Tierärzte zeigten fast alle in ihre Praxen gebrachten kurzköpfigen Hunde Atemprobleme. Ähnlich hohe Anteile berichteten von Schnarchen, Hitzeunverträglichkeit und allgemeiner körperlicher Schwäche (jeweils rund 99 Prozent), von Verdauungs- und Schluckproblemen sowie Sauerstoffmangel im Blut (jeweils rund 97 Prozent), von erhöhter Körpertemperatur (95 Prozent), von wiederholtem Kollabieren (88 Prozent) und von Schlafstörungen (82 Prozent). Übereinstimmend berichten auch Der Standard und der ORF, dass die Tiere Hitze und körperliche Anstrengung schlecht vertragen und im schlimmsten Fall zusammenbrechen. Laut Hebenstreit gebe es zahlreiche Möglichkeiten der operativen Korrektur, die auf eine Reduktion des Atemwiderstandes abzielten – etwa die Erweiterung von Nasenlöchern und Nasenvorhof, die Entfernung von überschüssigem Gewebe am Gaumensegel, das Ausdünnen des Zungengrunds oder die Verkleinerung fehlgebildeter Nasenmuscheln.

Warum Operationen selten sind

Obwohl viele Tierärztinnen und Tierärzte laut der Aussendung des Instituts zu chirurgischen Eingriffen raten, werden diese den Angaben zufolge nur selten tatsächlich durchgeführt. Die Häufigkeit schwankt stark zwischen einzelnen Praxen – in manchen kommt es nur bei etwa jedem hundertsten kurzschnäuzigen Patienten zu einer Operation, in anderen bei fast jedem dritten. Als Hauptgründe gegen einen Eingriff nennen die befragten Tierärztinnen und Tierärzte die finanziellen Kosten sowie Zweifel der Besitzerinnen und Besitzer an der medizinischen Notwendigkeit.

Was unklar bleibt

Die vorliegenden Berichte zitieren die Studienautorin, verweisen aber nicht auf einen direkten Link zur Volltextpublikation in BMC Veterinary Research, sodass sich Methodik und Detailergebnisse nicht eigenständig nachvollziehen lassen. Auch eine österreichweite Gesamtquote für operative Eingriffe wird nicht genannt, ebenso wenig Reaktionen von Zuchtverbänden, Hinweise auf den Stand der FCI-Zuchtstandards oder auf mögliche regulatorische Schritte auf EU- oder nationaler Ebene.

Einordnung

Die Debatte um brachyzephale Zucht ist nicht neu: Tierschutzorganisationen und Teile der Veterinärmedizin fordern seit Jahren moderatere Kopfformen bei Rassen wie Mops und Französischer Bulldogge. Die aktuelle Umfrage liefert dazu aus österreichischer Perspektive systematische Zahlen zur Sicht der behandelnden Tierärztinnen und Tierärzte, bildet damit aber vor allem eine Seite ab – die Position von Züchterinnen, Rasseverbänden oder Besitzerinnen und Besitzern fehlt in der bisherigen Berichterstattung.