Ein Freibad im Südtiroler Salurn bietet ab 27. Juli 2026 montags von 18:30 bis 19:30 Uhr eine eigene Schwimmzeit für muslimische Frauen an, bei der das Tragen eines Burkinis ausdrücklich erlaubt ist. Pächter Luca Lechthaler begründet den Schritt als Beitrag zu mehr Inklusion, Bürgermeister Roland Lazzeri betont, der Betreiber könne über solche Zusatzangebote eigenständig entscheiden.
Auf italienischer Ebene löste die Initiative scharfe Kritik aus: Lega-Vizechefin Silvia Sardone spricht von „absurder“ Segregation statt Integration, ähnlich äußerten sich die in der Südtiroler Landesregierung vertretenen Freiheitlichen. Die SVP-Senatorin Julia Unterberger verteidigt das Angebot dagegen als „Geste der Sensibilität und sozialen Inklusion“, die Frauen einen zusätzlichen Zugang zum öffentlichen Leben verschaffe.
Die Grundfakten decken sich zwischen österreichischen Medien wie ORF, Kleine Zeitung und Kurier sowie italienischen Berichten. Offen bleiben unter anderem die tatsächliche Nutzung des Angebots, die Rolle eines in italienischen Medien genannten Vereins sowie die Position islamischer Gemeinden in Südtirol, da eine offizielle Stellungnahme der Gemeinde oder des Betreibers bislang nicht vorliegt.
Was passiert ist
Ein Freibad im Südtiroler Salurn (italienisch Salorno) bietet ab dem 27. Juli 2026 erstmals eine eigene Schwimmzeit für muslimische Frauen an. Montags zwischen 18:30 und 19:30 Uhr, nach dem regulären Badebetrieb, steht das Lido demnach Frauen aus der Umgebung zur Verfügung – ausdrücklich mit der Möglichkeit, während dieser Stunde einen Burkini zu tragen. Die Ganzkörperbadebekleidung bedeckt bis auf Gesicht, Hände und Füße den gesamten Körper und entspricht den religiösen Bekleidungsvorschriften vieler Musliminnen. Pächter Luca Lechthaler bezeichnete die Sonderöffnung laut ORF als Beitrag zu mehr Inklusion und verwies darauf, dass auch anderen Vereinen außerhalb der regulären Öffnungszeiten vergleichbare Nutzungsmöglichkeiten angeboten würden. Italienische Medien berichten zudem von einer Beteiligung eines lokalen Vereins namens „Armonia“, ohne dass dessen genaue Rolle bislang unabhängig eingeordnet werden könnte.
Reaktionen und Positionen
Salurns Bürgermeister Roland Lazzeri stellte klar, dass der Pächter über solche Zusatzangebote eigenständig entscheiden könne. Ziel sei es, möglichst allen Bürgerinnen und Bürgern den Zugang zum Schwimmbad zu ermöglichen – auch jenen, die es während der regulären Öffnungszeiten nicht nutzen könnten. Auf nationaler Ebene sorgte die Initiative hingegen für scharfe Kritik: Die stellvertretende Chefin der italienischen Regierungspartei Lega, Silvia Sardone, nannte das Angebot „absurd“ und erklärte, es fördere keine Integration, sondern Segregation, da Männer und Frauen getrennt würden und das Tragen eines Burkinis eine Form der Abgrenzung zwischen Geschlechtern und Gemeinschaften institutionalisiere. Die in der Südtiroler Landesregierung vertretenen Freiheitlichen äußerten sich laut ORF in eine ähnliche Richtung, allerdings ohne dass ein eigenes Zitat oder eine eigene Aussendung dazu vorliegt. Die Senatorin der regierenden Südtiroler Volkspartei (SVP), Julia Unterberger, vertrat die Gegenposition: Sie bezeichnete die Initiative als „Geste der Sensibilität und sozialen Inklusion“, die Frauen, die das Bad sonst wahrscheinlich nicht besuchen würden, ermögliche, das Haus zu verlassen, sich zu treffen, Sport zu treiben und einen öffentlichen Raum zu nutzen.
Was die Quellen zeigen
Die Grundfakten – Ort, Zeitfenster, Burkini-Erlaubnis und die Positionen der wichtigsten Akteure – decken sich zwischen ORF, Kleine Zeitung und Kurier auf österreichischer sowie mehreren italienischen Medien wie ladige.it und Il Messaggero auf italienischer Seite. ORF beruft sich dabei ausdrücklich auf einen ursprünglichen Bericht der Tageszeitung „Alto Adige“ sowie auf Agenturmaterial. Eine offizielle Stellungnahme der Gemeinde Salurn, des Bäderbetreibers oder eine rechtliche Grundlage für die Sonderöffnungszeit wurde in keiner der ausgewerteten Quellen im Wortlaut dokumentiert – die Einordnung stützt sich vollständig auf Medienberichte, nicht auf eine selbst gelesene Primärquelle.
Was unklar bleibt
Offen ist, wie viele Frauen das neue Zeitfenster tatsächlich nutzen und ob es sich um ein dauerhaftes oder ein befristetes Angebot handelt. Unklar ist auch die genaue Rolle des in italienischen Medien genannten Vereins „Armonia“ sowie die Position islamischer Gemeinden oder Moscheevereine in Südtirol, die in keiner der Quellen zu Wort kommen. Ebenfalls nicht dokumentiert sind mögliche Vorbilder oder Vergleichsfälle in anderen Bädern Italiens oder Österreichs sowie eine mögliche Reaktion der Südtiroler Landesregierung insgesamt.
Einordnung
Die Debatte reiht sich in eine breitere europäische Auseinandersetzung um Burkini und öffentliche Bäder ein, die in Frankreich und Italien wiederholt hochkochte. Die Kleine Zeitung verweist in ihrem Artikel selbst auf einen kürzlich eröffneten Kopftuch- und Burkini-Strand an der Adria in Montenegro als thematisch verwandtes Beispiel. Der Fall in Salurn zeigt exemplarisch, wie eine lokal begrenzte, freiwillige Zusatzöffnung eines einzelnen Bäderbetreibers auf nationaler politischer Ebene zum Symbol größerer Auseinandersetzungen über Integration, religiöse Praxis und Geschlechtertrennung im öffentlichen Raum werden kann.

