Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez hat am Montag in einem Interview mit dem Radiosender SER erklärt, hinter der Desinformationskampagne rund um den Migrantenansturm auf die Exklave Ceuta Ende Juli stünden Netzwerke aus Russland und Israel, die mit rechtsextremen Gruppen zusammengearbeitet hätten. Spekulationen über eine absichtliche Duldung der Migrationsbewegung durch Marokko wies er zugleich zurück.
Am 30. und 31. Juli 2026 hatten mehr als 72.000 Menschen irregulär die Grenze von Marokko nach Ceuta überquert. Laut Sánchez wurden im Vorfeld auf Plattformen wie Instagram und TikTok gezielt Falschmeldungen verbreitet, denen zufolge auf dem Seeweg ankommende Migranten in Spanien bleiben dürften. Er berief sich auf Untersuchungen des Diplomatischen Dienstes der EU, die auf russische und israelische Akteure hindeuteten, die damit Madrids Haltung zu den Kriegen in der Ukraine und in Gaza kritisieren wollten.
Eine Stellungnahme Russlands, Israels oder Marokkos zu den Vorwürfen liegt bislang nicht vor, ein öffentlich einsehbarer EU-Bericht ebenso wenig.
Was passiert ist
Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez hat am Montag in einem Interview mit dem Radiosender SER erklärt, hinter der Desinformationskampagne rund um den Migrantenansturm auf die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta Ende Juli stünden Netzwerke aus Russland und Israel, die mit rechtsextremen Gruppen zusammengearbeitet hätten. Spekulationen, wonach Marokko die Migrationsbewegung absichtlich zugelassen habe, wies Sánchez zugleich entschieden zurück. Diese Vorwürfe gegen Marokko waren zuvor unter anderem von spanischen Oppositionsparteien und Menschenrechtsgruppen erhoben worden.
Der Hintergrund: Ansturm auf Ceuta Ende Juli
Am 30. und 31. Juli 2026 hatten mehr als 72.000 Menschen irregulär die Grenze von Marokko zur spanischen Exklave Ceuta überquert – nach übereinstimmenden Berichten ein beispielloser Vorgang an einer der beiden einzigen EU-Landgrenzen zu Afrika, der auch in anderen Mitgliedstaaten Besorgnis auslöste. Nach Sánchez’ Darstellung kursierten im Vorfeld auf Plattformen wie Instagram und TikTok gezielt Falschmeldungen, denen zufolge Migrantinnen und Migranten, die Ceuta auf dem Seeweg erreichten, in Spanien bleiben dürften beziehungsweise nicht nach Marokko zurückgeschickt werden könnten.
Was die Quellen zeigen
Dass Sánchez die Vorwürfe in dieser Form erhoben hat, geben österreichische Medien (ORF, Kleine Zeitung, Kurier, Der Standard) übereinstimmend wieder, wobei ORF ausdrücklich auf Agenturmeldungen verweist. Auch internationale Portale wie France24 berichteten am selben Tag inhaltlich deckungsgleich über das SER-Interview. Sánchez berief sich laut diesen Berichten auf Untersuchungen des Diplomatischen Dienstes der EU, die auf russische und israelische Netzwerke als Akteure hindeuteten. Beide Staaten hätten die Krise demnach genutzt, um Madrid wegen seiner Haltung zu den Kriegen in der Ukraine und im Gazastreifen zu kritisieren.
Was unklar bleibt
In den vorliegenden Quellen findet sich keine Stellungnahme Russlands, Israels oder Marokkos zu den Vorwürfen. Ebenso wenig liegt ein öffentlich einsehbarer Bericht des EU-Diplomatischen Dienstes vor, der die von Sánchez genannten Erkenntnisse im Detail belegen würde; welche konkreten Beweise oder Indizien er für die behauptete Beteiligung Russlands und Israels heranzieht, bleibt damit offen. Auch die genaue Herkunft und eine unabhängige Prüfung der Zahl von mehr als 72.000 Grenzübertritten liegen nicht vor.
Einordnung
Die Vorwürfe reihen sich in eine angespannte politische Debatte über die Ceuta-Ereignisse ein, in der zuvor spanische Oppositionsparteien und Menschenrechtsgruppen Marokko eine gezielte Duldung der Migrationsbewegung vorgeworfen hatten – eine Darstellung, der Sánchez nun widerspricht. Dass er die Verantwortung stattdessen bei Russland und Israel verortet, fügt sich in den von ihm skizzierten Kontext der Kriege in der Ukraine und in Gaza ein, zu denen Madrid eine vergleichsweise kritische Haltung gegenüber beiden Staaten einnimmt. Ob und wie die betroffenen Staaten auf die Anschuldigungen reagieren, ist bislang nicht bekannt.
