Die Christof Industries Austria GmbH in Graz hat am 11. September 2026 beim Landesgericht Graz erneut ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt, das Verfahren wurde eröffnet. Es ist bereits die zweite Insolvenz des Anlagenbau-Unternehmens: 2022 hatte Christof schon einmal ein Verfahren durchlaufen, das 2023 mit erfüllter 20-Prozent-Quote abgeschlossen wurde.
Laut Creditreform stehen freien Aktiva von rund 6 Millionen Euro Verbindlichkeiten von rund 30 Millionen Euro gegenüber, im Zerschlagungsfall bis zu 62 Millionen Euro. Erneut wird den Gläubigern eine Quote von 20 Prozent angeboten. Betroffen sind rund 180 Beschäftigte in Graz, Wels und Wien sowie 454 Gläubiger.
Als Ursache nennt das Unternehmen eine seit 2023 fehlende Bankfinanzierung sowie einen Ende August 2026 überraschend ungünstig ausgefallenen Schiedsspruch in einem Londoner Schiedsverfahren. Diese Darstellung stammt bislang allein von Christof selbst; unabhängige Bestätigung fehlt. Das Unternehmen will den Betrieb mit vollen Auftragsbüchern fortführen.
Was passiert ist
Die Christof Industries Austria GmbH mit Sitz in Graz hat am Freitag, den 11. September 2026, beim Landesgericht Graz ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt. Der Antrag wurde noch am selben Tag angenommen und das Verfahren eröffnet. Es ist bereits die zweite Insolvenz des auf Anlagenbau, Industrieservice und Umwelttechnologien spezialisierten Familienunternehmens innerhalb weniger Jahre: 2022 hatte Christof schon einmal ein Insolvenzverfahren durchlaufen, das 2023 nach Annahme eines Treuhandsanierungsplans mit einer erfüllten 20-Prozent-Quote abgeschlossen wurde.
Zahlen und Betroffene
Laut einer Mitteilung der Creditreform stehen den nach Einschätzung der Schuldnerin mit rund 6 Millionen Euro zu Liquidationswerten bewerteten freien Aktiva Verbindlichkeiten von rund 30 Millionen Euro gegenüber. Im Fall einer Zerschlagung könnten sich die Passiva aufgrund von Schadenersatzforderungen auf rund 62 Millionen Euro erhöhen. Den Gläubigern soll erneut eine Quote von 20 Prozent angeboten werden. Von dem Verfahren betroffen sind rund 180 Beschäftigte an den Standorten Graz, Wels und Wien sowie, nach Angaben der Kreditschützer, 454 Gläubiger. Die Auslandsgesellschaften der Unternehmensgruppe in Rumänien und China sollen von dem aktuellen Verfahren nicht betroffen sein.
Begründung des Unternehmens
Nach Angaben von Christof, wie sie AKV und KSV wiedergeben, konnte seit Abschluss des vorangegangenen Sanierungsverfahrens keine ausreichende Bankfinanzierung sichergestellt werden. Zusätzlich habe ein in London geführtes Schiedsverfahren die wirtschaftliche Entwicklung belastet: Der Ende August 2026 ergangene Schiedsspruch sei laut Unternehmen überraschend nur zu einem Bruchteil zugunsten von Christof ausgefallen und habe letztlich zu einem erheblichen Liquiditätsengpass geführt. Das Unternehmen betont, die Auftragsbücher seien voll, Projekte sollten fortgeführt werden, und die für den Sanierungsplan nötigen Mittel sollen aus dem laufenden Geschäft erwirtschaftet werden.
Was unklar bleibt
Zu Inhalt, Streitgegenstand und Gegenpartei des Londoner Schiedsverfahrens liegt bislang nur die Darstellung des Unternehmens vor; eine unabhängige Bestätigung oder Einordnung des Schiedsspruchs fehlt in den vorliegenden Quellen ebenso wie eine Stellungnahme der beteiligten Banken zur verweigerten Anschlussfinanzierung. Auch eine Reaktion von Betriebsrat oder Gewerkschaft zu den Auswirkungen auf die Beschäftigten liegt noch nicht vor. Offen ist zudem, ob die Gläubiger den nun angebotenen Sanierungsplan mit 20 Prozent Quote annehmen werden.
Einordnung
Dass ein Unternehmen binnen weniger Jahre nach einer erfolgreich abgeschlossenen Sanierung ein zweites Mal ein Insolvenzverfahren beantragt, ist ungewöhnlich und wirft Fragen zur nachhaltigen Tragfähigkeit des ersten Sanierungsplans auf. Die vom Unternehmen genannten Ursachen – ausbleibende Bankfinanzierung und ein einzelnes, wirtschaftlich einschneidendes Schiedsverfahren – sind bislang nur aus einer Quelle, nämlich von Christof selbst, bekannt. Für eine abschließende Einschätzung der wirtschaftlichen Lage und der Erfolgsaussichten des neuen Sanierungsplans fehlen unabhängige Einschätzungen von Gläubiger- oder Bankenseite.

