Ermittler der Staatsanwaltschaft Düsseldorf haben am 22. Juli 2026 Geschäftsräume der Deutschen Bank durchsucht, darunter die Zentrale in Frankfurt. Ein Bank-Sprecher bestätigte die Maßnahme gegenüber der AFP und erklärte, es gehe nach Kenntnis der Bank um Geschäfte der Tochter Postbank aus den Jahren 2008 bis 2010. Die Deutsche Bank sieht sich dabei lediglich als Drittpartei betroffen und betont, mit den Behörden zusammenzuarbeiten.
Laut übereinstimmenden Medienberichten – unter anderem von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR – stehen die Durchsuchungen im Zusammenhang mit sogenannten Cum-Cum-Geschäften. Zehn frühere Topmanager der Postbank sollen demnach als Beschuldigte wegen gemeinschaftlicher Steuerhinterziehung geführt werden, der vermutete Steuerschaden liege bei mehr als 350 Millionen Euro. Offiziell bestätigt sind weder der Cum-Cum-Bezug noch diese Zahlen, da sich die Staatsanwaltschaft selbst bislang nicht geäußert hat.
Es ist laut Berichten bereits die dritte Durchsuchung im Umfeld der Deutschen Bank in diesem Jahr, nach einer Geldwäsche-Razzia Anfang 2026 und einer weiteren Durchsuchung vergangene Woche. Namen der Beschuldigten, eine Stellungnahme der Ermittlungsbehörde sowie mögliche Konsequenzen für die Bank sind derzeit offen.
Was passiert ist
Ermittler haben am 22. Juli 2026 Geschäftsräume der Deutschen Bank durchsucht, darunter die Konzernzentrale in Frankfurt am Main. Ein Sprecher des Geldinstituts bestätigte der Nachrichtenagentur AFP auf Anfrage, dass in den Geschäftsräumen der Deutschen Bank eine Maßnahme der Staatsanwaltschaft Düsseldorf durchgeführt werde. Die Aktion steht im Zusammenhang mit einem Verdacht auf Steuerhinterziehung. Nach eigenen Angaben der Bank geht es dabei um Geschäfte ihrer heutigen Tochter Postbank aus den Jahren 2008 bis 2010 – aus einer Zeit, in der die Postbank von der Frankfurter Bank noch nicht vollständig übernommen worden war. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf selbst war für eine eigene Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.
Der Vorwurf: Cum-Cum-Geschäfte der Postbank
Nach übereinstimmenden Medienberichten stehen die Durchsuchungen im Zusammenhang mit sogenannten Cum-Cum-Geschäften. Dabei verleihen ausländische Anleger ihre Anteile an einem deutschen Unternehmen kurz vor dem Dividendenstichtag an eine deutsche Bank oder einen Fonds, der anders als sie die fällige Kapitalertragsteuer anrechnen oder erstatten lassen kann; kurz nach dem Stichtag gehen die Aktien an den ursprünglichen Besitzer zurück, der dafür einen Teil der Dividende erhält. Das deutsche Finanzministerium hatte solche Konstruktionen laut Berichten in den meisten Fällen für rechtswidrig erklärt. Laut Recherchen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR führt die Staatsanwaltschaft Düsseldorf zehn frühere Topmanager der seinerzeit in Bonn ansässigen Postbank als Beschuldigte wegen des Vorwurfs der gemeinschaftlichen Steuerhinterziehung; sie sollen zwischen 2008 und 2010 für falsche oder unvollständige Körperschaftsteuererklärungen verantwortlich gewesen sein. Die Fahnder gehen den Berichten zufolge von einem Schaden für den Fiskus von mehr als 350 Millionen Euro aus. Hintergrund soll ein bankinternes Projekt mit dem Namen „Riesling“ sein. Keiner dieser Details – weder der Cum-Cum-Bezug noch die Zahl der Beschuldigten noch die Schadenssumme – wurde bislang von der Staatsanwaltschaft selbst bestätigt; sie stammen aus einer einzelnen Rechercheserie, die von weiteren Medien übernommen wurde.
Reaktion der Deutschen Bank
Die Deutsche Bank betont, im laufenden Verfahren lediglich als Drittpartei betroffen zu sein – die Ermittlungen richteten sich also nicht gegen die Bank als Ganzes. Man arbeite vollumfänglich mit den Behörden zusammen, ließ der Sprecher ausrichten, bat zugleich aber um Verständnis dafür, dass sich das Institut nicht weiter zu den Vorgängen äußere. Namen oder Positionen der mutmaßlich betroffenen früheren Manager nannte die Bank nicht.
Einordnung: Wiederholte Ermittlungen im Jahr 2026
Es ist laut Kurier-Berichten bereits die dritte behördliche Durchsuchungsmaßnahme rund um die Deutsche Bank in diesem Jahr. Anfang 2026 waren Büros der Bank unter dem Verdacht der Geldwäsche durchsucht worden, in der vergangenen Woche hatte zudem die Staatsanwaltschaft Frankfurt eine Razzia in einer Filiale an der Frankfurter Taunusanlage bestätigt, ohne sich zu den Hintergründen zu äußern. Ein inhaltlicher Zusammenhang zwischen diesen Fällen und der aktuellen Durchsuchung wegen des Postbank-Verdachts ist aus den vorliegenden Quellen nicht ersichtlich.
Was unklar bleibt
Offen ist vor allem, wie die Staatsanwaltschaft Düsseldorf die Vorwürfe selbst darstellt, da eine eigene Stellungnahme der Behörde bislang fehlt. Auch Namen und genaue Positionen der zehn mutmaßlich beschuldigten früheren Postbank-Manager sind nicht bekannt. Die kolportierte Schadenssumme von über 350 Millionen Euro beruht auf einer einzelnen Rechercheserie und ist nicht amtlich bestätigt. Unklar ist zudem, welche rechtlichen oder finanziellen Folgen sich für die Deutsche Bank als heutige Rechtsnachfolgerin der Postbank ergeben könnten, sowie ob und wie sich das Verfahren zu den übrigen Ermittlungen gegen die Bank in diesem Jahr verhält.

