Vor 66 Millionen Jahren schlug im Golf von Mexiko ein rund zehn Kilometer großer Asteroid ein und löste das Massensterben der Dinosaurier aus. Eine neue, in „Science Advances“ veröffentlichte Studie zeigt nun anhand von Nickel-Isotopen in weltweit verteiltem Auswurfmaterial, dass dieser Einschlagskörper zu einer extrem seltenen Meteoritengruppe gehörte: den CO-Chondriten. An der Arbeit war der Wiener Impaktforscher Christian Köberl beteiligt, gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen unter anderem aus Belgien und Frankreich.
CO-Chondrite machen nur rund zwei bis drei Prozent aller bekannten Meteoriten aus und stammen mutmaßlich aus dem äußeren, jupiternahen Bereich des Asteroidengürtels. Verglichen mit anderen kohligen Chondriten sind sie trocken und arm an flüchtigen Stoffen wie Schwefel und Wasser. Studienautor Philippe Claeys wird mit den Worten zitiert, ein derart seltenes, aus großer Entfernung stammendes Projektil unterstreiche, wie unglücklich die Dinosaurier gewesen seien.
Offen bleibt anhand der vorliegenden Berichte, wie viele Probenstandorte genau untersucht wurden, wer vollständig zum Autorenteam zählt und wie stark aufgewirbelter Staub im Vergleich zu freigesetzten Gasen zum weltweiten Klimaeinbruch nach dem Einschlag beitrug.
Was passiert ist
Vor 66 Millionen Jahren schlug im Bereich der heutigen Halbinsel Yucatán im Golf von Mexiko ein rund zehn Kilometer großer Asteroid ein und löste jenes Massensterben aus, dem die Dinosaurier und zahlreiche andere Arten zum Opfer fielen. Eine neue Analyse liefert nun ein bislang unbekanntes Detail zu diesem Ereignis: Laut einer im Fachjournal „Science Advances“ veröffentlichten Studie gehörte der einschlagende Körper zu einer außergewöhnlich seltenen Gruppe von Meteoriten, den sogenannten CO-Chondriten. An der Arbeit war unter anderem der Wiener Impaktforscher Christian Köberl beteiligt, gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Frankreich, Belgien und Kanada, federführend unter anderem der Geologe Philippe Claeys von der Vrije Universiteit Brussel.
Wie die Forscher zu diesem Ergebnis kamen
Die Grundlage der heutigen Impakt-Theorie legte 1980 ein Team um den Geologen Walter Alvarez und seinen Vater Luis Alvarez: Ein großer Asteroid habe eingeschlagen, aufgewirbelter Staub einen weltweiten „Impaktwinter“ ausgelöst, zusätzlich hätten freigesetzte Stoffe wie Schwefel und Kohlendioxid Klima und Ozeanchemie verändert. Rund ein Jahrzehnt später wurde der passende, etwa 180 Kilometer durchmessende Chicxulub-Krater im Golf von Mexiko gefunden. Seither werden neben Bohrkernen aus dem Krater vor allem sogenannte Auswurflagen untersucht – Gesteinsschichten mit dem Material, das der Einschlag rund um den Globus verteilt hat, weil sich dort laut Köberl höhere Konzentrationen an außerirdischem Material finden als im Krater selbst. Vor zwei Jahren hatte ein Team, dem auch Köberl angehörte, anhand von Ruthenium-Isotopen bereits nachgewiesen, dass es sich generell um einen kohligen Chondriten gehandelt haben muss – eine an Kohlenstoff reiche, aber insgesamt seltene Meteoritenklasse. Für die aktuelle Studie hat die Gruppe nun Nickel-Isotope in verschiedenen Auswurflagen weltweit sowie in unterschiedlichen kohligen Chondriten gemessen und verglichen. Das Ergebnis: Die Zusammensetzung passt zu einem „CO-Chondriten“, benannt nach dem Meteoriten Ornans, der dieser Gruppe ihren Namen gibt.
Was CO-Chondrite besonders macht
Die meisten Meteoriten – rund 86 Prozent – sind Chondrite. Kohlige Chondrite mit ihrem höheren Kohlenstoffanteil sind mit nur zwei bis drei Prozent aller Meteoriten deutlich seltener, und innerhalb dieser Gruppe sind CO-Chondrite noch einmal eine kleine Untergruppe. Laut Köberl kommt dieser Typ im äußersten Teil des Asteroidengürtels vor, also in der Nähe der Jupiterbahn. Werde die Bahn solcher Körper gestört, könnten sie ins innere Sonnensystem abgelenkt werden und auch die Erde treffen, so der Experte. CO-Chondrite gelten zudem als relativ trocken und arm an flüchtigen Elementen wie Schwefel und Wasser, verglichen mit anderen kohligen Chondriten. Studienautor Philippe Claeys wird mit den Worten zitiert, von einem derart seltenen, aus großer Entfernung stammenden Projektil getroffen worden zu sein, unterstreiche, wie unglücklich die Dinosaurier gewesen seien.
Was unklar bleibt
Aus den vorliegenden Medienberichten lässt sich nicht abschließend klären, wie viele Auswurflager-Standorte konkret untersucht wurden, wer genau neben Köberl und Claeys zum vollständigen Autorenteam zählt und an welchem Tag die Studie exakt erschienen ist. Ebenso offen bleibt, in welchem Ausmaß der aufgewirbelte Staub gegenüber den freigesetzten Gasen für den globalen Klimaeinbruch nach dem Einschlag verantwortlich war – ein Punkt, der in der Forschung zum Aussterben der Dinosaurier weiterhin diskutiert wird. Die Studie selbst wurde über eine Websuche als existent identifiziert, aber nicht im Volltext eingesehen; die Einordnung stützt sich daher auf die Angaben der Medienberichte, insbesondere ein direktes Zitat des Studienautors Köberl.
Einordnung
Die neue Arbeit fügt der seit 1980 bestehenden Impakt-Theorie eine weitere Präzisierung hinzu: Nachdem die Existenz eines großen Einschlags und dessen Ort seit den 1990er-Jahren als gesichert gelten, rückt die Forschung zunehmend die genaue Herkunft und Zusammensetzung des Impaktkörpers in den Fokus – zunächst mit der allgemeinen Einordnung als kohliger Chondrit vor zwei Jahren, nun mit der Eingrenzung auf den seltenen CO-Typ. Für das Verständnis des Massensterbens ist relevant, welche Stoffe der Asteroid selbst mitbrachte und welche Rolle im Vergleich dazu das aufgewirbelte irdische Gestein spielte – eine Frage, die über die reine Neugier an der „kosmischen Kugel“ hinausgeht und die Modelle zum damaligen Klimakollaps beeinflusst.

