Die Partei Die Linke und ihre Berliner Spitzenkandidatin Elif Eralp haben Strafanzeige gegen Bundesinnenminister Alexander Dobrindt gestellt – wegen des Vorwurfs der üblen Nachrede und Beleidigung. Anlass war ein Wortwechsel in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“: Moderatorin Illner sagte zunächst versehentlich, Eralp sei Antisemitin, korrigierte sich aber sofort. Dobrindt reagierte darauf mit „Na doch“. Eralps Anwalt Jasper Prigge argumentiert, der Minister habe sich damit den Versprecher zu eigen gemacht und eine Falschbehauptung verbreitet.
Das Innenministerium äußerte sich zur Anzeige nicht inhaltlich; ein Sprecher verwies lediglich darauf, dass Dobrindts Worte „für sich stehen“. Eralp hatte Die Linke bei der Berliner Wahl am 20. September mit 25,7 Prozent zur stärksten Kraft geführt und strebt eine Koalition mit Grünen und SPD an. Gegen die Partei werden Antisemitismusvorwürfe erhoben, denen Eralp widerspricht.
Offen ist, ob es zu einem Ermittlungsverfahren kommt und wie sich der Streit auf die Berliner Koalitionsbildung auswirkt.
Was passiert ist
Die Partei Die Linke und ihre Berliner Spitzenkandidatin Elif Eralp haben Strafanzeige gegen Bundesinnenminister Alexander Dobrindt gestellt. Der Vorwurf laut Anzeige: üble Nachrede und Beleidigung. Eralps Anwalt Jasper Prigge begründet den Schritt damit, Dobrindt habe eine Falschbehauptung über seine Mandantin verbreitet, indem er sie öffentlich als Antisemitin bezeichnet habe. Eralp weist Antisemitismusvorwürfe gegen sich selbst zurück.
Der Auslöser: ein Wortwechsel bei Illner
Grundlage der Anzeige ist eine Passage der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“, in der es zwischen Dobrindt und der Linken-Fraktionschefin im Bundestag, Heidi Reichinnek, zu einem Schlagabtausch kam. Moderatorin Illner versprach sich dabei: „Elif Eralp sagt, sie ist Antisemitin …“, korrigierte sich aber im selben Atemzug: „Sie ist keine Antisemitin.“ Dobrindt entgegnete darauf: „Na doch.“ Laut Prigges Schriftsatz habe sich der Innenminister damit Illners Versprecher zu eigen gemacht.
Reaktion des Innenministeriums
Zur Anzeige selbst äußerte sich Dobrindt nicht inhaltlich. Ein Sprecher des Innenministeriums erklärte laut Medienberichten lediglich, man habe die Berichterstattung über die Anzeige zur Kenntnis genommen. Auf die Frage, ob Dobrindt Eralp tatsächlich für eine Antisemitin halte, sagte der Sprecher nur, die Worte des Ministers „stehen für sich“ – eine inhaltliche Klärung blieb aus.
Hintergrund: Wahlsieg und Antisemitismusvorwürfe
Eralp hatte Die Linke bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September 2026 mit 25,7 Prozent der Stimmen zur stärksten Kraft geführt und strebt das Amt der Regierenden Bürgermeisterin in einer Koalition mit Grünen und SPD an. Gegen die Partei werden seit der Wahl Antisemitismusvorwürfe erhoben – unter anderem, weil ein propalästinensischer Rapper bei einer Parteiveranstaltung zu Gewalt gegen die israelische Armee aufgerufen haben soll. Diese Einzelbehauptung ist nach vorliegender Quellenlage nicht unabhängig bestätigt. Eralp selbst hat sich nach eigenen Angaben vor und nach der Wahl von jeglichem Antisemitismus distanziert und das Existenzrecht Israels bekräftigt.
Was unklar bleibt
Offen ist, wie die zuständige Staatsanwaltschaft die Anzeige bewerten wird und ob es zu einem Ermittlungsverfahren kommt. Eine inhaltliche Stellungnahme Dobrindts dazu, ob er Eralp tatsächlich für eine Antisemitin hält, liegt bislang nicht vor. Unklar bleibt zudem, wie sich der Streit auf die laufende Berliner Koalitionsbildung auswirkt; Berichten zufolge haben Grüne und SPD Bedingungen für Sondierungsgespräche formuliert, ohne dass nähere Details dazu vorliegen.
Einordnung
Der Fall verknüpft eine tagesaktuelle TV-Panne mit der grundsätzlicheren, seit der Berliner Wahl geführten Debatte um Antisemitismusvorwürfe gegen Die Linke. Die Anzeige ist zunächst vor allem ein juristisches Signal der Partei; ob sie zu einem förmlichen Ermittlungsverfahren führt, lässt sich nach aktueller Quellenlage nicht absehen.

