Textlänge

Die Rekorddürre des Jahres 2026 lässt Österreichs Herbsternte laut Landwirtschaftskammer noch schlechter ausfallen als zuletzt erwartet. Besonders betroffen sind Kulturen, die erst im Herbst geerntet werden: Bei Kartoffeln rechnet die Kammer mit einem Ertragsminus von 50 bis 70 Prozent, bei Sojabohnen mit über 50 Prozent und bei Körnermais mit rund 30 Prozent gegenüber dem Fünf-Jahresschnitt. Präsident Josef Moosbrugger sprach von einer „dramatischen Missernte“ durch eine Trockenheit „bisher ungeahnten Ausmaßes“.

Bei Zuckerrüben kommt neben der Dürre die Schließung der Agrana-Zuckerfabrik Leopoldsdorf 2025 zum Tragen, die Anbaufläche bereits halbiert hatte: Die Menge könnte gegenüber dem Vorjahr um bis zu 52 Prozent einbrechen. Endgültige Zahlen gibt es erst mit Start der Verarbeitungskampagne in der Fabrik Tulln Anfang Oktober. Etwas besser als befürchtet fällt dagegen die bereits im Sommer eingebrachte Getreideernte aus: Das Minus liegt laut Agrarmarkt Austria bei 10,9 statt der im August erwarteten 14,4 Prozent.

Offen bleiben der genaue wirtschaftliche Gesamtschaden in Euro, die Auswirkungen auf Lebensmittelpreise sowie Einschätzungen jenseits der Landwirtschaftskammer selbst.

Was passiert ist

Die Rekorddürre des Jahres 2026 trifft Österreichs Landwirtschaft bei der Herbsternte offenbar noch härter als zuletzt befürchtet. Das teilte die Landwirtschaftskammer Österreich mit. Betroffen sind vor allem Kulturen, die erst im Herbst geerntet werden – Kartoffeln, Körnermais, Soja, Kürbis und Zuckerrüben –, weil sie deutlich länger unter der Trockenheit litten als Getreide, das bereits im Sommer eingebracht wurde. Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger sprach gegenüber der APA von einer „dramatischen Missernte“, die noch schlimmer ausfalle als befürchtet. Die Landwirtschaft sei von einer Trockenheit „bisher ungeahnten Ausmaßes“ getroffen worden. Das Dürrepaket der Bundesregierung und weitere Maßnahmen seien aus seiner Sicht „überlebensnotwendig“; nötig seien zudem weitere Investitionen in die Klimafitness von Land- und Forstwirtschaft.

Die Zahlen im Detail

Nach Angaben der Landwirtschaftskammer könnte die Erntemenge bei Körnermais im Vergleich zum Fünf-Jahresschnitt um knapp 30 Prozent einbrechen, bei Sojabohnen um über 50 Prozent. Bei Kartoffeln fallen die Prognosen mit minus 50 bis minus 70 Prozent laut Kammer „dramatisch“ aus. Auch Ölkürbisse und Sonnenblumen sind betroffen, mit einem erwarteten Minus von rund einem Fünftel beziehungsweise mehr als einem Drittel. Da die Herbstkulturen aktuell noch geerntet werden, sind laut Landwirtschaftskammer weitere Korrekturen der Schätzungen möglich.

Zuckerrüben und die Rolle der Agrana

Bei Zuckerrüben ist neben der Dürre ein weiterer Faktor relevant: Im Frühjahr 2025 schloss die Agrana-Zuckerfabrik in Leopoldsdorf im Marchfeld, wodurch sich die mit den Bauern vertraglich vereinbarte Anbaufläche bereits halbiert hatte. Die Landwirtschaftskammer rechnet nun damit, dass die Zuckerrübenmenge gegenüber dem Vorjahr um bis zu 52 Prozent einbrechen könnte, mit Ertragserwartungen zwischen minus 30 Prozent in besseren Lagen und minus 70 Prozent im Trockengebiet Ostösterreichs. Die gesamte heimische Rübenernte wird in der niederösterreichischen Agrana-Fabrik in Tulln verarbeitet; endgültige Schätzungen soll es laut dem „Wiener Zucker“-Mutterkonzern erst zum Start der Verarbeitungskampagne Anfang Oktober geben.

Getreide als Lichtblick

Etwas moderater fällt die Bilanz bei Getreide aus, das bereits im Sommer geerntet wurde. Die Agrarmarkt Austria war Anfang August noch von einem Rückgang der Getreideproduktion ohne Mais von 14,4 Prozent gegenüber dem langjährigen Schnitt ausgegangen. Aktuell liegt das Minus laut Agrarmarkt Austria bei 10,9 Prozent – die Getreideernte entwickelte sich damit besser als zuvor befürchtet, auch wenn sie weiterhin unter dem langjährigen Durchschnitt bleibt.

Was unklar bleibt

Offen ist bislang, wie hoch sich der wirtschaftliche Gesamtschaden für die heimische Landwirtschaft in Euro beziffern lässt und in welchem Ausmaß sich die Ernteausfälle in den kommenden Monaten auf Lebensmittelpreise auswirken. Auch die endgültigen Zahlen zur Zuckerrübenernte stehen erst mit Beginn der Verarbeitungskampagne Anfang Oktober fest. In den vorliegenden Quellen kommt zudem ausschließlich die Landwirtschaftskammer als Interessenvertretung zu Wort; eigenständige Einschätzungen von Regierungsstellen, unabhängigen Agrarökonomen oder einzelnen Betrieben fehlen bislang.