Der Unteren Lobau in Wien geht es laut WWF nach Monaten der Dürre weiterhin „extrem schlecht“. Braune Wiesen, absterbende Weiden und Pegel ohne Wasserkontakt zeugen von den Folgen dessen, was laut Berichten die zwölf trockensten Monate der österreichischen Messgeschichte waren. In einer Aussendung vom 8. September 2026 hat der WWF seine Warnung konkretisiert und erstmals einzelne bedrohte Arten benannt: besonders betroffen seien Bitterling, Donau-Kammmolch, Europäische Sumpfschildkröte und mehrere Flussmuschelarten, daneben auch Rotbauchunke, die extrem seltene Würfelnatter sowie Wasser- und Sumpfpflanzen wie Krebsschere und Froschbiss. Laichgewässer trocknen laut WWF aus, Restgewässer werden zu warm und sauerstoffarm – mit teils lebensbedrohlichen Folgen für Fischarten wie Bitterling und Schied.
Als Sofortmaßnahme fordert der WWF von der Stadt Wien eine gezielte Wasserzufuhr von der Oberen in die Untere Lobau sowie ein systematisches Monitoring der betroffenen Arten und Lebensräume; langfristig pocht die Organisation weiterhin auf eine strukturelle Anbindung an die Donau und die Nachmeldung des Gebiets im Renaturierungsatlas der Gewässer. Die Stadt Wien verweist unverändert auf ein seit dem Vorjahr erarbeitetes Grundwasserströmungsmodell, das bis Jahresende erste Ergebnisse liefern soll, weil eine Wasserzuleitung die dortigen Trinkwasserbrunnen beeinträchtigen könnte; über den Winter soll zudem das Staudiglwehr erneuert werden. Laut einem einzelnen, nicht abschließend verifizierten Medienbericht kritisiert die Umweltorganisation VIRUS diese Wartehaltung und argumentiert, eine rasche Wasserzufuhr über das bestehende Wehr wäre technisch schon jetzt möglich.
Offen bleibt, wie stark der Schaden in Messwerten tatsächlich ausgeprägt ist, welche Ergebnisse das Grundwassermodell liefert und ob die Stadt dem WWF-Vorschlag eines Sofort-Monitorings sowie einer raschen Wasserzufuhr folgt.
Was passiert ist
Der Unteren Lobau in Wien geht es nach Monaten anhaltender Trockenheit und Hitze nach Einschätzung des WWF „extrem schlecht“. Das sagte Michael Stelzhammer von der Naturschutzorganisation bereits im August bei einem Lokalaugenschein. Sichtbar wird der Zustand an braunen Wiesen, an Weiden, die abgestorben sind und ein zweites Mal austreiben, sowie an Pegeln, deren untere Enden nicht mehr bis ins Wasser reichen. Laut den vorliegenden Berichten handelt es sich um die zwölf trockensten Monate der österreichischen Messgeschichte, die auch dem Gebiet, das ein Viertel des Nationalparks Donau-Auen ausmacht, zugesetzt haben.
In einer Aussendung vom 8. September 2026 hat der WWF diese Warnung konkretisiert: Erstmals benennt die Organisation einzelne bedrohte Arten und stützt sich dabei nach eigenen Angaben auf einen Check ausgewählter geschützter Tierarten aus der Natura-2000-Liste für die Untere Lobau sowie österreichweit geschützter Pflanzen. Der WWF warnte zudem, bei weiteren extremen Trockensommern drohe der Verlust lokaler Vorkommen einzelner Arten.
Welche Arten laut WWF konkret bedroht sind
Besonders betroffen seien laut WWF der Bitterling, der Donau-Kammmolch, die Europäische Sumpfschildkröte und mehrere Flussmuschelarten. „Laichgewässer trocknen aus, Restgewässer werden zu warm und sauerstoffarm“, wird WWF-Experte Michael Stelzhammer zitiert. Für Fischarten wie Bitterling und Schied könne das rasch lebensbedrohliche Folgen haben; Amphibien wie Rotbauchunke oder Donau-Kammmolch verlören die kleinen, fischfreien Gewässer, die sie für ihre Fortpflanzung benötigen.
Auch der Lebensraum wassergebundener Reptilien schwinde: Die Europäische Sumpfschildkröte verbringt einen Großteil ihres Lebens im Wasser und braucht intakte Augewässer zur Paarung und Fortpflanzung, die laut WWF extrem seltene Würfelnatter ist an ein Leben am und im Wasser gebunden. Besonders hart treffe die Trockenheit zudem Flussmuscheln, die viele Jahrzehnte alt werden können, aber bei wiederholter Austrocknung ihrer Gewässer an ihre Grenzen stießen – mit Folgen auch für die Gewässerreinigung, zu der sie durch ihre Filterleistung beitragen. Bei den Pflanzen gerieten laut WWF vor allem Wasser- und Sumpfpflanzen wie Krebsschere, Froschbiss und Sumpf-Stendelwurz unter Druck, die auf dauerhaft wasserführende Gewässer oder feuchte Böden angewiesen sind. Diese Detailtiefe stammt aus einer einzelnen im Volltext vorliegenden Quelle; die übrigen Medien im Cluster geben nur die Kurzfassung mit den vier Kernarten wieder.
Warum der Wasserhaushalt das zentrale Problem ist
Ein Augebiet lebt eigentlich vom Wechselspiel aus Hoch- und Niedrigwasser. Seit Beginn der Donauregulierung im Jahr 1870 zum Hochwasserschutz fehlt der Unteren Lobau diese Dynamik jedoch weitgehend, weil sie fast vollständig von der Donau abgeschnitten ist und zunehmend verlandet. Stelzhammer nannte das fehlende Wasser im August einen „Todesstoß“, der sich über Jahrzehnte hinziehe statt schnell einzutreten.
Als Sofortmaßnahme fordert der WWF nun konkret, gezielt Wasser aus der Oberen in die Untere Lobau zu leiten, sowie zusätzlich ein systematisches Monitoring, das den Zustand der besonders betroffenen Arten und ihrer Lebensräume regelmäßig erfasst, um Verschlechterungen früh zu erkennen und die Wirkung von Schutzmaßnahmen zu überprüfen. Laut WWF muss die Stadt Wien zudem angesichts des in Natura-2000-Gebieten geltenden Verschlechterungsverbots darlegen, wie sie weitere Verschlechterungen der geschützten Lebensräume verhindert – diese rechtliche Einordnung stammt allerdings nur aus einer der gelesenen Quellen und wurde nicht eigenständig geprüft. Langfristig fordert der WWF weiterhin eine strukturelle Verbesserung und eine grundlegende Anbindung der Unteren Lobau an die Donau im oberen Bereich des Augebiets, zusätzlich zur schon länger erhobenen Forderung nach Nachmeldung des Gebiets im Renaturierungsatlas der Gewässer.
Was die Stadt Wien entgegnet
In der Oberen Lobau wird bereits seit rund zwei Jahren Donauwasser künstlich zugeleitet, um den ökologischen Zustand zu verbessern, wie Andreas Januskovecz, Bereichsleiter für Klimaangelegenheiten der Stadt Wien, im August mitteilte. Für die Untere Lobau laufen laut Januskovecz fachliche Prüfungen, weil eine Dotierung möglicherweise die dortigen Trinkwasserbrunnen beeinträchtigen könnte. Ein seit dem Vorjahr erarbeitetes Grundwasserströmungsmodell soll bis Jahresende erste Ergebnisse liefern; erst danach sollen laut Stadt die Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung konkret bewertet und die Bedingungen für einen wasserwirtschaftlichen Versuch festgelegt werden. Über den Winter soll zudem – nach Erhalt aller Genehmigungen – das Staudiglwehr erneuert werden, über das Wasser geordnet aus der Oberen in die Untere Lobau eingeleitet werden soll, ohne die Obere Lobau selbst auszutrocknen.
An dieser Wartehaltung gibt es laut einem Medienbericht Kritik: Die Umweltorganisation VIRUS soll demnach argumentieren, die Stadt müsse nicht erst die Ergebnisse des Grundwassermodells abwarten, um mehr Wasser in die Untere Lobau zu leiten – die technischen Voraussetzungen für einen raschen wasserwirtschaftlichen Versuch über das bestehende Staudiglwehr seien schon gegeben. Diese Kritik liegt bislang nur über einen einzelnen Medienbericht vor und ist nicht abschließend verifiziert; eine direkte Stellungnahme der Stadt Wien dazu liegt nicht vor.
Was unklar bleibt
Aus den vorliegenden Quellen geht weiterhin nicht hervor, wie stark der Schaden in der Unteren Lobau in konkreten Messwerten – etwa exakten Pegelständen, Wassertemperaturen oder Sauerstoffgehalten – tatsächlich ausfällt. Auch eine eigenständige Stellungnahme der Nationalpark-Donau-Auen-Verwaltung liegt nicht vor; bislang äußern sich nur WWF, Stadt Wien und – laut einem einzelnen Bericht – die Umweltorganisation VIRUS. Offen ist zudem, welche Ergebnisse das Grundwasserströmungsmodell bis Jahresende tatsächlich liefert, ob bzw. wann die Untere Lobau in den Renaturierungsatlas der Gewässer aufgenommen wird und ob die Stadt dem neu formulierten WWF-Vorschlag eines systematischen Artenmonitorings folgt. Unklar ist auch, wie die Stadt auf die Kritik reagiert, wonach eine rasche Wasserzufuhr technisch schon jetzt möglich wäre.
Einordnung
Die Lage in der Unteren Lobau reiht sich in ein breiteres Bild der heurigen Trockenheit in Österreich ein: Wie „Neue Nachrichten“ berichtete, zählte ein Bericht des EU-Forschungszentrums Joint Research Centre Österreich zu den EU-Staaten mit den schwersten Auswirkungen von Hitzestress und Wassermangel auf die Landwirtschaft, mit einer Sommerernte teils rund 20 Prozent unter dem Fünfjahresdurchschnitt. Der Konflikt um die Untere Lobau zeigt eine vergleichbare Dynamik im Naturschutz: Naturschützer drängen auf rasches Handeln und werden dabei zunehmend konkreter – von einer allgemeinen Zustandsbeschreibung im August hin zu einer artenbezogenen Warnung mit klaren Forderungen im September –, während die Stadt Wien Eingriffe weiterhin an ein noch laufendes hydrologisches Gutachten knüpft, um Risiken für die Trinkwasserversorgung auszuschließen.

