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Der Unteren Lobau in Wien geht es laut WWF nach Monaten der Dürre „extrem schlecht“. Braune Wiesen, absterbende Weiden und Pegel ohne Wasserkontakt zeugen von den Folgen dessen, was laut Berichten die zwölf trockensten Monate der österreichischen Messgeschichte waren. Der WWF macht dafür vor allem das Fehlen einer natürlichen Wasserdynamik verantwortlich, seit die Donauregulierung von 1870 das Gebiet weitgehend von der Donau abgeschnitten hat, und fordert eine Wasserzuleitung aus der Donau sowie die Nachmeldung des Gebiets im Renaturierungsatlas der Gewässer.

Die Stadt Wien verweist darauf, dass die Obere Lobau bereits seit rund zwei Jahren künstlich mit Donauwasser dotiert wird. Für die Untere Lobau laufen laut Stadt fachliche Prüfungen, weil eine Zuleitung die dortigen Trinkwasserbrunnen beeinträchtigen könnte. Ein seit dem Vorjahr erarbeitetes Grundwasserströmungsmodell soll bis Jahresende erste Ergebnisse liefern; erst danach sollen Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung konkret bewertet werden. Über den Winter soll zudem das Staudiglwehr erneuert werden, um Wasser geordnet aus der Oberen in die Untere Lobau zu leiten.

Offen bleibt, wie stark der Schaden in Messwerten tatsächlich ausgeprägt ist, welche Ergebnisse das Grundwassermodell liefert und ob bzw. wann die Untere Lobau in den Renaturierungsatlas aufgenommen wird.

Was passiert ist

Der Unteren Lobau in Wien geht es nach Monaten anhaltender Trockenheit und Hitze nach Einschätzung des WWF „extrem schlecht“. Das sagte Michael Stelzhammer von der Naturschutzorganisation bei einem Lokalaugenschein im August. Sichtbar wird der Zustand an braunen Wiesen, an Weiden, die abgestorben sind und ein zweites Mal austreiben, sowie an Pegeln, deren untere Enden nicht mehr bis ins Wasser reichen. Laut den vorliegenden Berichten handelt es sich um die zwölf trockensten Monate der österreichischen Messgeschichte, die auch dem Gebiet, das ein Viertel des Nationalparks Donau-Auen ausmacht, zugesetzt haben. Stelzhammer warnte, damit würden Lebensräume von Arten gefährdet, für die die Untere Lobau das letzte Refugium sei.

Warum der Wasserhaushalt das zentrale Problem ist

Ein Augebiet lebt eigentlich vom Wechselspiel aus Hoch- und Niedrigwasser. Seit Beginn der Donauregulierung im Jahr 1870 zum Hochwasserschutz fehlt der Unteren Lobau diese Dynamik jedoch weitgehend, weil sie fast vollständig von der Donau abgeschnitten ist und zunehmend verlandet. Stelzhammer nannte das fehlende Wasser einen „Todesstoß“, der sich über Jahrzehnte hinziehe statt schnell einzutreten. Der WWF fordert deshalb seit Längerem, Wasser aus der Donau über die Obere in die Untere Lobau weiterzuleiten, und pocht zusätzlich darauf, das Gebiet im Renaturierungsatlas der Gewässer nachzumelden.

Was die Stadt Wien entgegnet

In der Oberen Lobau wird bereits seit rund zwei Jahren Donauwasser künstlich zugeleitet, um den ökologischen Zustand zu verbessern, wie Andreas Januskovecz, Bereichsleiter für Klimaangelegenheiten der Stadt Wien, mitteilte. Für die Untere Lobau laufen laut Januskovecz derzeit fachliche Prüfungen, weil eine Dotierung möglicherweise die dortigen Trinkwasserbrunnen verunreinigen könnte. Seit dem Vorjahr erarbeiten Fachleute deshalb ein Grundwasserströmungsmodell, das klären soll, wie sich eine Wasserzuleitung auf den Wasserhaushalt auswirken und welche Mengen für den Erhalt der Artenvielfalt nötig wären. Erste Ergebnisse sollen laut Stadt bis Jahresende vorliegen; erst danach könnten die Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung konkret abgeschätzt und die Bedingungen für einen wasserwirtschaftlichen Versuch festgelegt werden. Über die Wintermonate soll zudem – nach Erhalt aller Genehmigungen – das Staudiglwehr erneuert werden, über das Wasser geordnet aus der Oberen in die Untere Lobau eingeleitet werden soll, ohne die Obere Lobau selbst auszutrocknen.

Was unklar bleibt

Aus den vorliegenden Quellen geht nicht hervor, wie stark der Schaden in der Unteren Lobau in konkreten Messwerten – etwa exakten Pegelständen oder betroffenen Artenbeständen – tatsächlich ausfällt. Auch eine eigenständige Stellungnahme der Nationalpark-Donau-Auen-Verwaltung liegt nicht vor; bislang äußern sich nur WWF und Stadt Wien. Offen ist zudem, welche Ergebnisse das Grundwasserströmungsmodell bis Jahresende tatsächlich liefert und ob bzw. wann die Untere Lobau in den Renaturierungsatlas der Gewässer aufgenommen wird. Auch selbst wenn Wasser aus der Oberen Lobau weiterfließen würde, wäre laut WWF und Stadt eine vollständige Austrocknung der Unteren Lobau in einer derart ausgeprägten Trockenperiode wie der aktuellen nicht auszuschließen – wie genau dieses Spannungsfeld gelöst werden soll, ist aus den Berichten nicht ersichtlich.

Einordnung

Die Lage in der Unteren Lobau reiht sich in ein breiteres Bild der heurigen Trockenheit in Österreich ein: Wie „Neue Nachrichten“ berichtete, zählte ein Bericht des EU-Forschungszentrums Joint Research Centre Österreich zu den EU-Staaten mit den schwersten Auswirkungen von Hitzestress und Wassermangel auf die Landwirtschaft, mit einer Sommerernte teils rund 20 Prozent unter dem Fünfjahresdurchschnitt. Der Konflikt um die Untere Lobau zeigt eine vergleichbare Dynamik im Naturschutz: Naturschützer drängen auf rasches Handeln, während die Stadt Wien Eingriffe an ein noch laufendes hydrologisches Gutachten knüpft, um Risiken für die Trinkwasserversorgung auszuschließen.