Ein Erdbeben der Stärke 7,4 hat am Montag, 10. August 2026, den Westen Kolumbiens nahe San José del Palmar erschüttert. Präsident Abelardo de la Espriella bezifferte die Zahl der Toten offiziell mit mindestens 265; mehrere österreichische Medien nennen inzwischen unter Berufung auf Agenturmaterial eine Opferzahl nahe 300, ohne dass eine neue offizielle Zählung erkennbar wäre. Rund 3.500 weitere Menschen wurden verletzt, mehr als 53.000 seien betroffen, 140 Gebäude komplett eingestürzt. Offiziell gelten 496 Menschen als vermisst, eine inoffizielle Angehörigen-Datenbank nennt mit rund 4.200 eine deutlich höhere, nicht bestätigte Zahl.
Kolumbiens Präsident hat nun bei Donald Trump um wirtschaftliche Erleichterung gebeten: Er habe in einem nach eigenen Angaben rund zehnminütigen Telefonat darum gebeten, die im Juli auf kolumbianische Waren erhöhten US-Zölle vorübergehend auszusetzen, um betroffenen Unternehmern zu helfen. Die USA hatten die Zollsätze auf die meisten kolumbianischen Produkte im Juli von 10 auf 12,5 Prozent angehoben und zugleich rund 26,5 Millionen US-Dollar an Soforthilfe für die Erdbebenregion zugesagt. Aus Washington gibt es bislang keine öffentliche Reaktion auf die Bitte um eine Zollpause.
Parallel dazu lief der Rettungseinsatz weiter: Das kritische 72-Stunden-Fenster für die lebende Bergung Verschütteter ist inzwischen abgelaufen, internationale Teams unterstützten weiterhin die örtlichen Kräfte, während nach Kritik am Krisenmanagement auch die Spitze der Katastrophenschutzbehörde UNGRD ausgetauscht wurde. Kolumbien war kurz vor dem Beben zudem Trumps Anti-Drogen-Bündnis „Shield of the Americas“ beigetreten. Ob Trump der Bitte um eine Zollaussetzung nachkommt und wie viele Vermisste letztlich noch gefunden werden, ist weiterhin offen.
Was passiert ist
Ein Erdbeben der Stärke 7,4 hat am Montagmorgen, 10. August 2026, den Westen Kolumbiens erschüttert. Das Epizentrum lag nahe der Ortschaft San José del Palmar im Departamento Chocó, in großer Tiefe. Präsident Abelardo de la Espriella bezifferte die Zahl der Toten am 12./13. August offiziell mit mindestens 265, rund 3.500 weitere Menschen wurden verletzt. Mehrere österreichische Medien, die sich auf Agenturmaterial vom 16. August stützen, sprechen inzwischen von einer Opferzahl nahe 300 – eine gerundete Angabe, ohne dass eine neue offizielle Zählung erkennbar wäre. Mehr als 53.000 Menschen seien von der Katastrophe betroffen, sagte der Präsident, 140 Gebäude seien komplett eingestürzt, Zehntausende weitere Wohnungen beschädigt worden.
Offiziell gelten 496 Menschen als vermisst. Angehörige suchen laut einer inoffiziellen Datenbank jedoch nach deutlich mehr Menschen – rund 4.200. Diese höhere Zahl ist nicht amtlich bestätigt und dürfte auch durch Mehrfachmeldungen aufgebläht sein, dennoch deutet sie darauf hin, dass das Ausmaß der Katastrophe womöglich noch nicht vollständig erfasst ist.
Bitte um Aussetzung der US-Zölle
Fünf Tage nach dem Beben hat sich Präsident de la Espriella mit einem konkreten wirtschaftlichen Anliegen an US-Präsident Donald Trump gewandt. Wie der kolumbianische Staatschef am Samstagabend (Ortszeit) auf der Plattform X mitteilte, habe er in einem rund zehnminütigen Telefonat mit Trump um eine „vorübergehende Aussetzung der hohen Zölle“ gebeten, die kolumbianische Produkte beim Export in die USA betreffen. Ziel sei es, kolumbianischen Unternehmern Erleichterung zu verschaffen, die aufgrund des Erdbebens „sehr schwierige Zeiten“ durchlebten. Trump hatte de la Espriella im Wahlkampf unterstützt.
Hintergrund der Bitte: Erst im Juli hatten die USA die Zollsätze auf kolumbianische Waren – mit Ausnahmen – von 10 auf 12,5 Prozent angehoben, im Rahmen einer breiteren Maßnahme gegen rund 60 Handelspartner wegen Vorwürfen mangelnder Bekämpfung von Zwangsarbeit. Trotz dieser Erhöhung hatte die Trump-Regierung nach dem Erdbeben Soforthilfen in Höhe von rund 26,5 Millionen US-Dollar für Kolumbien zugesagt, unter anderem Rettungsteams sowie Lebensmittel-, Unterkunfts- und medizinische Hilfe. De la Espriella dankte Trump dafür ausdrücklich.
Von Trump oder dem Weißen Haus gibt es bislang keine öffentliche Reaktion auf die Bitte um eine Zollpause – weder eine Zusage noch eine Ablehnung. Die Vorgeschichte zwischen beiden Regierungen ist derzeit eng verflochten: Erst vor wenigen Tagen war Kolumbien Trumps Anti-Drogen-Bündnis „Shield of the Americas“ beigetreten; laut US-Verteidigungsminister Pete Hegseth wurden dabei auch gemeinsame militärische Operationen gegen Drogenkartelle vereinbart – ein Schritt, der zum außenpolitischen Kurswechsel passt, den de la Espriella wie berichtet bereits bei seiner Vereidigung angekündigt hatte.
Rettungseinsatz gegen die Zeit
Für die Rettungskräfte war unmittelbar nach dem Beben der kritischste Abschnitt des Einsatzes angebrochen: Das international anerkannte 72-Stunden-Fenster, in dem Verschüttete mit realistischen Überlebenschancen aus Trümmern befreit werden können, war am Donnerstag, 13. August, ausgelaufen. Die Regierung hatte den Einsatz zuvor mit zusätzlichen ausländischen Bergungsteams verstärkt.
Der neu eingesetzte UNGRD-Direktor David Tamayo hatte erklärt, Such- und Rettungsteams aus den USA, Israel, Ecuador und El Salvador würden die seit Tagen im Dauereinsatz stehenden örtlichen Kräfte ablösen. Außenminister Omar Bula betonte, humanitäre Hilfe werde „ohne ideologische oder politische Erwägungen“ angenommen – auch von Staaten, die der Regierung politisch nicht nahestehen, etwa dem linksgeführten Mexiko. Ein Medienbericht hält zudem fest, dass rund 30 Stunden nach dem Beben eine Frau lebend aus den Trümmern gerettet wurde; nähere Details dazu liegen weiterhin nicht vor. Wie viele weitere Vermisste nach Ablauf des 72-Stunden-Fensters noch lebend gefunden werden konnten, ist aus den vorliegenden Quellen nicht ersichtlich.
Wechsel an der Spitze der Katastrophenschutzbehörde
Nach Kritik an seinem Krisenmanagement hatte Präsident de la Espriella, der zum Zeitpunkt des Bebens erst wenige Tage im Amt war, per Dekret einen neuen Leiter der Katastrophenschutzbehörde UNGRD eingesetzt. Der bisherige Verantwortliche war noch von der linken Vorgängerregierung ernannt worden und übergab sein Amt inmitten der laufenden Rettungsarbeiten. Wirtschaftlich kündigte de la Espriella zudem die Ausrufung eines „wirtschaftlichen Notstands“ an, um rascher über Mittel für den Wiederaufbau verfügen zu können.
Der rasche Führungswechsel in einer akuten Notlage lässt sich als Reaktion auf Kritik an der bisherigen Krisenbewältigung lesen, kann aber auch als politisches Signal des rechtsgerichteten Präsidenten gegenüber der Amtsführung seiner Vorgängerregierung verstanden werden. Beide Lesarten sind mit den vorliegenden Quellen nicht sicher zu trennen.
Was unklar bleibt
Zentral und weiterhin offen ist, wie Washington auf die Bitte um eine Zollaussetzung reagieren wird – bislang gibt es weder einen Zeitrahmen noch inhaltliche Signale aus dem Weißen Haus. Auch bei den Opferzahlen bleibt vieles im Fluss: Die Diskrepanz zwischen amtlich 265 und medial kolportierten rund 300 Toten ist ebenso wenig aufgeklärt wie die zwischen 496 offiziell und rund 4.200 inoffiziell gesuchten Vermissten. Unabhängige internationale Bestätigungen der Opferzahlen, etwa durch internationale Hilfsorganisationen, liegen weiterhin nicht vor. Ob der Führungswechsel bei der UNGRD die Einsatzkoordination tatsächlich verbessert hat, lässt sich erst im Rückblick beurteilen, ebenso wie die konkreten wirtschaftlichen Effekte des angekündigten Notstands und einer möglichen Zollpause auf kolumbianische Exportbetriebe.

