Der öffentliche Ausbau von Ladestationen für Elektroautos wächst in der EU schneller als die Zahl der zugelassenen E-Autos. Das zeigt eine Analyse der Umweltorganisation Transport & Environment: Bis Ende März 2026 erfüllen alle EU-Staaten außer Malta die AFIR-Vorgabe von mindestens 1,3 Kilowatt öffentlicher Ladekapazität pro Elektroauto, in Summe übertrifft die EU dieses Ziel um 180 Prozent. Ende 2025 gab es EU-weit rund 1,1 Millionen öffentliche Ladepunkte, fünfmal so viele wie 2020. Auch beim Schnellladenetz entlang der Hauptverkehrsachsen ist die EU weit fortgeschritten: Im Juni 2026 erfüllen 79 Prozent des TEN-V-Kernnetzes die Vorgabe von 150-Kilowatt-Ladestationen alle 60 Kilometer, größere Lücken bleiben vor allem in Osteuropa und Spanien.
Auch national zeigt sich der Trend: Österreich verzeichnete bis Ende Juni 2026 40.060 neue E-Pkw-Zulassungen (24,3 Prozent Marktanteil, plus 27 Prozent), und laut BEÖ gibt es österreichweit rund 37.124 öffentliche Ladepunkte. Deutschland kommt laut Bundesnetzagentur auf 204.078 öffentliche Ladepunkte, ein Plus von 16 Prozent binnen eines Jahres, bei einer durchschnittlichen Auslastung von nur rund 12 Prozent.
Die Zahlen stammen überwiegend von Organisationen mit eigenem Interesse an einer positiven Ausbaubilanz; eine unabhängige Gegenposition liegt nicht vor, und offen bleibt etwa, wie Malta die Vorgabe noch erreichen will.
Was passiert ist
Der öffentliche Ausbau von Ladestationen für Elektroautos hält in der EU nicht nur Schritt mit steigenden Zulassungszahlen, er läuft ihnen sogar voraus. Das zeigt eine Analyse der Umweltorganisation Transport & Environment (T&E), über die Kurier und heise online berichten. Grundlage ist das EU-Gesetz zur Ladeinfrastruktur, die sogenannte AFIR-Verordnung. Sie verpflichtet jeden Mitgliedstaat, für jedes im Land zugelassene batterieelektrische Fahrzeug mindestens 1,3 Kilowatt öffentliche Ladekapazität bereitzustellen. Bis Ende März 2026 erfüllen laut der Analyse alle 27 EU-Länder diese Vorgabe – mit einer Ausnahme: Malta. Rechnet man alle nationalen Ziele zusammen, liegt die EU insgesamt 180 Prozent über dem Mindestziel. Ende des vergangenen Jahres zählte die Union rund 1,1 Millionen öffentliche Ladepunkte, fünfmal so viele wie 2020.
Die Lage entlang der Fernstraßen
Neben der Kapazität pro Fahrzeug schreibt AFIR auch vor, dass entlang der zentralen EU-Verkehrsachsen (TEN-V-Kernnetz) alle 60 Kilometer Schnellladestationen mit mindestens 150 Kilowatt Leistung stehen müssen – diese Vorgabe galt ursprünglich für 2025. Im Juni 2026 erfüllen laut T&E 79 Prozent des Kernnetzes dieses Kriterium. Beim weiter gefassten Gesamtnetz, das auch wichtige Hauptverkehrsstraßen abseits der Autobahnen einschließt, haben demnach bereits 20 der 27 Mitgliedstaaten ihr eigentlich erst für 2027 vorgesehenes Ziel rund eineinhalb Jahre vor Ablauf der Frist erreicht. Die verbleibenden Lücken konzentrieren sich der Analyse zufolge auf osteuropäische Länder und Spanien, wachsen dort aber Berichten zufolge am schnellsten. T&E beziffert den Aufholbedarf mit rund 70 zusätzlichen oder modernisierten Ladeparks an strategischen Standorten, davon der Großteil in Spanien, Polen und Rumänien – diese genaue Aufschlüsselung liegt uns allerdings nur aus einer einzigen Quelle vor und ist nicht unabhängig gegengeprüft.
Österreich und Deutschland im Vergleich
Auch die Zulassungszahlen selbst legen zu. In Österreich wurden laut Statistik Austria bis Ende Juni 2026 insgesamt 40.060 neue E-Pkw zugelassen, ein Anteil von 24,3 Prozent an allen Neuzulassungen und ein Plus von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Benzin-Elektro-Hybride legten demnach sogar um 33,5 Prozent zu, während reine Benziner nahezu stagnierten und Diesel-Pkw um 8,3 Prozent zurückgingen. Beim Ladenetz verweist der Kurier auf Zahlen des Bundesverbands Elektromobilität Österreich (BEÖ), wonach es mit Stand März 2026 österreichweit 37.124 öffentlich zugängliche Ladepunkte gibt, die meisten davon in Niederösterreich, gefolgt von Oberösterreich und Wien. In Deutschland zeigt das Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur einen ähnlichen Trend: 204.078 öffentlich zugängliche Ladepunkte, ein Zuwachs von 16 Prozent binnen eines Jahres. Rund ein Viertel davon sind Schnelllader, im Bundesdurchschnitt ist der nächste öffentliche Ladepunkt in rund fünf Minuten Fahrzeit erreichbar. Der Energiewirtschaftsverband BDEW, dessen Mitgliedsunternehmen laut eigenen Angaben mehr als 80 Prozent der deutschen Ladepunkte betreiben, verweist zugleich darauf, dass die durchschnittliche Auslastung nur bei rund 12 Prozent liege.
Einordnung und was unklar bleibt
Die vorliegenden Zahlen stammen im Kern aus einer einzigen Analyse (T&E) sowie aus Verbands- und Behördendaten, die die beteiligten Akteure selbst veröffentlichen. T&E ist eine europäische Umweltorganisation mit klarer Position für die Verkehrswende, der deutsche Energieverband BDEW vertritt die Interessen der Ladeinfrastruktur-Betreiber – beide haben ein erkennbares Interesse an einer positiven Ausbaubilanz. Eine unabhängige Gegenstimme, etwa von Autoherstellern, Verbraucherschützern oder aus laufenden EU-Verhandlungen zu Flottengrenzwerten, liegt in den vorliegenden Quellen nicht vor. Offen bleibt außerdem, mit welchen konkreten Schritten Malta als einzig verbliebenes Land die AFIR-Vorgabe noch erfüllen will, wie belastbar die genannte Detailzahl von 70 fehlenden Ladeparks ist und wie genau sich die österreichische BEÖ-Zahl auf die einzelnen Bundesländer verteilt.

